Author
Regina Mueller (Meyer)
Joseph Meyer
Karl Meyer
Caroline Meyer
Babette Meyer
Heinrich Meyer
August Meyer
Recipient
Emanuel Meyer
Regina Mueller (Meyer)
Joseph Meyer
Karl Meyer
Caroline Meyer
Babette Meyer
Heinrich Meyer
August Meyer
Emanuel Meyer
Lachen, den 17tn Dezember 1855
Lieber Sohn Mayer
Deinen Brief fon Orlins haben wir am 18ten November er= halten und daraus ersehen daß dich Gott der allmächtige gesund und glücklich nach Orlins geführt hat und daß dir gottlob eine gute Sehfahrt gehabt hast und Gott sei dank nicht krank warst, daß immer unser Wünschung war. Da wir Tag für Tag dafür gebeten haben und Gott der allmäch= tige uns erhört hat. Und da wir sehen in deinem Brief wie du in Orlins angekomen bist daß dich Gott der allmächtige sogleich zu so gute Leute geführt hat und dich sogleich deines angenommen und dich gleich so ein großes Geschenk gegeben haben: Du kann nun sehen: Wenn der Noth ist am größten, da ist Gott am nächsten. Das hat uns eine sehr große Freude gemacht: dass du das gleich wieder Geld gehabt hast, weil dein Reisegeld so wenig war. Wie du uns auch von deinem Geschenk ein amerikanischen Thaler geschickt hast daß wir uns wenn wir ihn ansehen freun sollen das thun wir auch das weis Gott der allmächtige. Ich muß dir schreiben dass wir diesen Brief den du am 6ten November von Baisara geschrieben hast den haben im 14ten December erhalten und daraus ersehen daß du deine Oheims und Tantes so gesund angetroffen hast, und haben eine so große Freude gehabt haben und dir gleich ein Pferd gekauft haben und Waar gegeben haben daß du gleich auf das Land gehen sollst daß wird dir komisch vorgekumen weil du noch so fremd warst, aber ich glaube es wird jedem so gehen aber du hast deine liebe Brukels wo du nun große Stütze hast daß Sie dir gleich geholfen haben daß dafür dich zu etwas kommen sollst. Liebes Kind! Ich glaube daß dir das erstmal aufs Land zu gehen nicht gefallen hat. Denn aller Anfang ist schwer aber du weist doch daß du dich zu Haus auch plagen müssen nehme
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es dir der nicht schwer vor da wird der Gott helfen und wann du wieder schreibst, da schreibe wie dir das Klima gefällt und wie es dir auf der Reise gegangen ist. Liebes Kind. Man ist nicht gleich reich wen du auch im Augenblicke noch nicht schicken kanst; wir wissen ja nicht weiter als daß wir Tag für Tag schaffen wan du nur im Augenblicke für dich sorgen kannst. Wenn du sehst daß dir das Weite reißen nicht gefallen möchte halte dich noch eine Zeitlang in der Gegend auf wo deine Leute sind. du wirst doch soviel verdienen was du für dich brauchst bist du einmal ein wenig bekant bist; du weist daß dein Vater noch arbeitet daß er immer seht daß er auch was verdient Er thut das Fleisch nach Kirrweiler und Maikammer wie du auch. Jezt muß ich dir schreiben von deutschland. Die Geschäfte gehen jezt wie immer. Wir und der Mayer schlachten jede Woche 2 Stück und das Pfund Fleisch verkaufen wir zu 10 Pfund [illegible] Kreuzer. Eben haben wir ein Rind geschlacht das kostet 50 [?] Pfund [/?] [illegible] Viertel wiegt es 70 Pfund, das Pfund Haut kostet 2 Fr. das Pfund Jaschlich kostet 16 Fr Heute haben wir eben nun Kuh von dem Friedrich [illegible] geschlachtet die hat gekostet 20 [?] Normthaler [/?] sie hat gewogen zehn Vierten 90 Fr der für Viertel zertheilt Vater hat heute dem [?] Wolf von Maikammer [/?]. Wir haben das verkauft zu 8 Fr. Jezt muß ich dich wissen lassen, dass die Mutter und der Heinrich in Münster bei der Großmutter verweil dass die Großmutter nun sehr große Freude gehabt hat und sie noch so gesund ist und noch so ge laufen kann wie vor 10 Jahren. Jezt muß ich dir auch schreiben wie die Früchte bei uns stehen das Zenter Korn kostet 8 tl. Die Spelz kostet 7 tl. die Gerste 6 tl 30 - 40 Ce das [illegible] Kartoffel kostet 36 Ce. Die Tabaksgeschäfte gehen dieses Jahr schlecht wir haben unsere bis jezt noch. Ich verbleibe dein Vater bis in Ewigkeit. Es grüßt dich vieltausendmahl [underline:] [illegible] Mayer [/underline].
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Lieber Bruder Mayer Ich grüß dich vieltausendmahl und wünsche daß dich der Brief so trieft wie er uns verläßt. H. Mayer in Lachen
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[page 3, 3rd author:]
Liebe Brüder!
Es freute mich sich sehr, daß ihr meinen Sohn so gut aufgenommen habt und euer Auchgrachen gefaltet habt und ihn sogleich Gute geleistet hat und in Schütz genommen habt wenn Gott der allmächtiger ihn gesund läßt daß er zu etwas kommen soll. Einen Gruß an meinen Bruder Aberle und seine Frau und Kinder und an meinen Bruder Gersre und seine Frau. Einen Gruß an meine Schwester Hanne und Mann Kinder.
[page 3, 4th author:]
Lieber Bruder Meyer ich grüße dich viel Tausendmahl ich ferbleibe dein Ewig Libender Bruder Karl Meyer
[page 3, 5th author:]
Lieber Bruder. Ich grüße dich vieltausendmal. Ein Grußlein sagt jedes und wenn ich Fleisch bringe wan bringt dann der in Meine wieder Fleisch. Ich verbleibe deine Ewige Schwester Karolina Mayer.
[page 3, 6th author (in Yiddish):]
[illegible, several words] mus dikh [illegible, several words (hole in paper)] vir ayn prif (Brief) fon [illegible] haym erholten ob vir fon dayn brif haben zo haben shahn [FOOTNOTE: schon] brif ferlangt fon dir aber yetst haben [?] ihn [/?] geshriben und habe ihnen dayne rayze globen [FOOTNOTE: glooyben] zi lazzen dikh fil mahl grisen dayn ong[l] und dande yetst liber zohn ikh grize dikh fil doyznt mahl und in dem brif likht [FOOTNOTE: liegt] ayn kus fon maynem munde und blaybe dayn libe muttr bis evikh und gloybe nur das kayn minute vetr takh [FOOTNOTE: weiter Tag] nokh fergeht Rekhia Meyer und [illegible] shvakhr [illegible] und zayn froy und kindr und mayn shvagr geen [FOOTNOTE: geben] und zayne froy und danke fir das vas zi dir duhn [FOOTNOTE: tun] das dan zehe das ir dan/dokh fraynd zayt Reniah Meyer und vayder thin [FOOTNOTE: tun] vird
[page 3, author #7 (in German):]
Lieber Bruder Mayer
Jetzt bin ich begierich zu wissen ob du deine Strümpfe noch hast was ich dir gesheinkt habe. Einen gruß an meine lieben Bruder Mayer
Babette Mayer.
Wir erwarten deine baldige Antwort.
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Lieber Bruder!
Jezt schreib ich dir noch etwas bemerke ob du dem Mayer sein Bordret in Orlins abgegeben hast weil du noch nichts davon geschrieben hast. Ob du deine Koffert nach Baisara gebracht hast oder nicht mit deinen Kleidungsstücken. Und ob du dein Lebensmittel alle gebraucht hast oder ob du hättest noch bringen können.
Heinrich Mayer
Einen Gruß von deinem Kamerad August Mayer
Transcribed by George Plohn
Translated by George Plohn