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Klee family letter, January 23, 1895

Klee family letter, January 23, 1895, p. 1
Klee family letter, January 23, 1895, p. 2
Klee family letter, January 23, 1895, p. 3
Klee family letter, January 23, 1895, p. 4

Recipient

Eugen Klee

Date

January 23, 1895

Origin

Otterberg, Rheinland-Pfalz

Description

Klee family letter, January 23, 1895.

Type

letter

Language

German

Tags

1890-1899, transcription in progress

Source

Eugen Klee Papers

Collection

Eugen Klee Papers (HSP)

Repository

Historical Society of Pennsylvania

Citation

“Klee family letter, January 23, 1895.” Eugen Klee Papers, Historical Society of Pennsylvania, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1811

Original text

Otterberg den 23sten Jänner 1895 Lieber Eugen! Deinen lang ersehnten Brief habe ich am 20sten Jänner erhalten und freute mich herzlich darüber, daß Du so zufrieden mit Deinem Loose bist. Es verging kein Tag, daß ich nicht mit Besorgniß, ich kann sagen, fast keine Stunde, Deiner gedachte, denn Du bist krank von hier fort gegangen. Am 29sten August warst Du mit Deinem Vater auf dem Blechhammer und am 31sten ist dein Vater wieder gekommen und theilte uns mit daß Du fort wärest, sagte uns aber nicht, wo Du hin gehen wolltest. Ich machte mir allerlei Gedanken darü- ber, was Du wohl begingen möchest, als einen schrecklicher als dem Anderm, das schlug so auf meine Nerven, daß ich keinen Tag mehr auf dem Blechhammer bleiben konnte. Ich machte mich gleich darauf reisefertig und ging nach hause, um wo möglich Deinen lieben besorgten Vater zu trösten. Nach einigen Tagen sagte mir Malchen und Dein Vater, Du seist auf der Reiße nach Amerika. Da hatte sich meine Be- sorgniß wieder so ziemlich gelegt. Denn daß Du von Deinen Kusienen mit Liebe und Vergnügen aufgenommen wirst, davon war ich völlig überzeugt. So tröstete ich mich und dachte Du wä- rest ja beinah wie zu hause und das Heimwehe könne Dir nicht viel anhaben, weil Du von guten Verwanten Auf- nahme finden wirst. Es freut mich sehr, daß Du gesund bist, und von Allen, die Dich kennen viele Achtung genießest. Ich kann mich seit Du von hier fort bist nicht der Gesundheit erfreuen. Einige Tage ist es mir so leidlich ergangen, um alsdan doppelt zu leiden. An Ostern war es mir wieder etwas besser, da dachte ich, alt

[page 2] bin ich und wer weiß, wie lange ich noch zu leben habe, denn wenn man 73 Jahre alt ist, hat mann al- lem Anschein nach nicht mehr lange vor sich, wie wäre es, wenn Du Deinem Bruder und seiner Familie ein- mal einen Besuch machtest. Das Malchen ist jetzt schon 7 Jahr fort von hier und Du warst noch nicht ein einziges mal bei ihr. So machte ich mich Ostersamstag auf den Weg nach Schmittweiler, kam auch glücklich dort an, und wurde auf´s freundlichste dort empfangen. Ich blieb 9 Tage dort, wo ich mit Deinem Vater jeden Tag einen kleinen Spaziergang machte. Große Aus- flüge konnte ich mir nicht vornehmen. So kam ich acht Tage nach Ostern wieder hierher. Allein die Reise ist mir nicht gut bekommen und ich wurde wie- der so krank, daß ich den Arzt zu Rat ziehen mußte, so habe ich etliche Monaten zu gebracht, Da hat mir der Arzt gerathen ich solle einige Zeit auf den Blechhammer gehen, da wäre die Luft viel gesünder wie hier und wenn ich einmal spazieren gehen wolle, so wäre ich gleich im Walde. Allein ich war noch keine Woche dort, so wurde ich wieder so krank, daß ich abermals den Arzt brauchen mußte, ich bekam nähmlich die Rippenfellentzündung. Deine Kusine war so in Angst, daß sie Deinen Vater und Deiner Kusiene Lenchen schrieb, sie sollen unverzüglich kommen. So bin ich 2 Monaten dort gewesen, aber immer krank. So nahete die Kirchweih herbei und die Tage wurden schon kälter, da dachte ich, wenn ich doch nicht mehr gesund werden solle, so wäre es besser, wenn ich wieder in meinem trauten Stübchen wäre. Lenchens schickte mir sein Lenchen mit des Thienese Cheise und ließe mich wieder nach Hause holen. Ich bin jetzt wieder seit dem 2ten September hier, aber immer krank. Ich mußte seitdem ich wieder hier bin schon

[page 3] 2 Türen wieder den Arzt brauchen. Augenblicklich geht es ein wenig besser, allein arbeiten darf und kann ich gar nicht. Ich kann nicht so viel, daß ich mir mein Bisschen Essen kochen kann. Lenchen ist besorgt um mich, sie schickt mir, seit ich hier bin, täglich mein Essen und alles was ich wünsche. Die Magd oder das Lenchen machen mir mein Bett und machen das Zimmer sauber. Ich hätte gerne Dir und allen meinen dort Angehörigen am Neujahr Euch meine Glückwünsche ge- schrieben, allein es war mir unmöglich, da ich immer das Bett hüten mußte. Da die Meinigen auf dem Blechhamer wußten, daß ich noch immer krank sei, so kamen Deine Kusiene Käthchen ihre 3 Töchter, Lenchen Scheuermann, Anna Bauer und Elise mit Scheuermanns Wägelchen gefahren, gingen hier in die Kirche, aßen dann zu nacht und kamen nachher alle zu mir jedes mit etlichen Flaschen guten Wein. Hernach gingen sie wieder ins Cherdron bis die Glocken das neue Jahr verkündeten, tranken ihren Kaffee und Punsch und kamen hernach wieder Alle zu mir wünschten mir ein glückliches neue Jahr und fuhren noch in derselben Nacht wieder nach Hause. Es hat mich sehr von ihnen gefreut und wenn es nur einige Stunden waren daß sie nicht besuchten. Daß ihr ebenfalls die Neujahrs- nacht so gemüthlich miteinander verlebt hat freut mich sehr, namendlich da die alte Freundschaft wieder hergestellt ist. Es gibt doch kein schöneres Leben, als ein einiges Familienleben. An Martini war Dein lieber Vater hier um seinen Termines einzu kassiren, der sieht so gut aus, daß ich ganz erstaunt war. Er hat ein gar so dicke rothe Wangen, wenn er nicht den wei sen Bart hätte, so würde man glauben, er wäre statt 75 Jahr nur 58 alt. Als ich ihm sagte meinte er

[page 4] was soll mir fehlen? Zu arbeiten brauch ich nicht mehr, zu essen und zu trinken habe ich mehr denn genug. Heinrich und Malchen sind sehr gut gegen mich und der kleine Eugen macht mir auch viel Spaß. da ich weiß, daß es Eugen im Amerika auch gut geht, war- um soll ich dann nicht gut aussehen, und was man nicht ändern kann, muß amn sich nur nicht zu schwer zu Herzen nehmen. Jakob Cherdron ist schon seit Herbst nicht wohl, er hat einen gar hartnäckigen Husten, daß es uns oft ganz bange um ihn ist. Der Philip ist seit dem 28. September vom Militär frei und ist seitdem wieder hier, kommt aber bis den 25sten Jänner nach Meinz in eine Stelle. Mir wäre es lieber gewesen wenn er hier geblieben wäre, sie brauchten ihn auch ganz nöthig, allein sein Vater besteht darauf, daß er noch eine Zeit lang in ein Geschäft geht. Neues weiß ich nicht viel zu schreiben, als daß Dein Freund Wiebell sich verheirathet hat, weil er aber eher Kindtauf halten mußte, so hat ihn der Pfarrer so angeschwärz, daß er auf ein ganz schlecht Stellen namendlich nach Mölschbach versetzt worden ist. Er wird noch lange war- ten können, bis sie ihn als Lehrer anstellen werden. Seine Lehrerprüfung hat er bestanden. Du kannst froh sein, daß Du nicht mehr unter ihren Drucke stehst. Dort bist Du Dein eigener Herr und kannst nach Belieben thun was Du willst. Suche Dir das Wohlwollen Deiner Freunde auch ferner zu erhal- ten. Unser Nachbar Rindt ist wegen Unterschlagung wegen ihm anvertrauter Gelder ins Gefängniß gekommen und hat sich dort erhängt. Ich will jetzt mein Schreiben schließen. Du wirst auch denken es wäre Zeit mit meinem Gewäsch, was soll aber eine alte Frau schreiben, da ihre Gedanken nicht mehr ganz zusammen hängen. Schreibe mir wieder recht bald, und wenn Du keine Zeit dazu hast, so solle Mina oder Kathchen schreiben. Vergeßt mir aber nicht zu schreiben, was August sich für ein Geschäft gegründet hat. Grüße mir alle unsere Verwanten ohne Aus- nahme auch von der Familie Cherdron und Heck. Also sei Du nochmals gegrüßt und geküßt von Deiner Dich liebenden Tante Kth Bitge Ich habe Lenchen gesagt, sie solle Dir auch ein- mal schreiben, so sagte sie es wäre bereitzt geschen Du müßtest den Brief jetz haben


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