« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
Sonst in der Familie hat es auch etliche Veränderungen gegeben. Fritz Mauch hat Oncles
Apotheke übernommen u. dazu die Tochter Lollo zur Frau erhalten - u. ich bin bereits
Gevatterman geworden. Dieses Frühjahr wurde ihnen ein nettes Knäblein Theodor geboren,
u. gedeiht prächtig. [illegible] - Theodor Mezger hat Pauline Dietrich geheiratet u. ist Pfarrer
in Auendorf [?](Ganslohen)[/?] Aber während die Jungen sich verbinden u. mehren [insertion:]altern u.[/insertion] sterben
die Alten dahin. So ist diesen Sommer Frau Mezgerin in Mezingen nach 2tägiger Krank=
heit gestorben. Die alte Frau Tante, die Mutter des Oncles in Albershausen, die seit dessen
Tod in Plochingen wohnt, u. jetzt in 88ten Lebensjahr geht, ist seit 14 Tagen schwach, daß man
in diesem Winter ihrer Auflösung entgegen sieht. Oncle von Faurndau war in letzter
Zeit auch wieder von einem Gichtanfall im Knie heimgesucht. Auch meine l. Mutter
spürt das Alter, indem sie Alles mehr angreift. Sie hat den Wunsch, mich noch ins Eigenthum
kommen zu sehen. Bis ich eine Pfarrei erhalte, stehts freichlich noch 3 Jahre an; eine ständige
Verweserei könnte ich im Laufe des Jahres 64 erhalten. Vielleicht finde ich bis dorthin dann
auch eine Lebensgefährtin. Daß ich bis daher nicht versprochen war, war nur gut für mich, da
nach vielfacher Erfahrung eine Brautschaft im Amte hindert.
Deine Babette habe ich vor 4 Tagen auch gesprochen. Sie läst Dich fragen, ob die Photographien
welche sie in einem Briefe geschickt, richtig angekommen seien. Sie hat gegenwärtig eine doppelte
[?]Werte[/?], nemlich nicht blos das kleine Kind der Mine, sondern auch ihren kranken Schwieger=
vater zu versorgen. Er hat sich durch einen Gang auf den Dettinger Markt verderbt.u.
Sein Tod würde ihr freilich eine Verändrung bringen, die sie u. ihre Marie aus ihrer jetzigen
Ruhe herausrisse. - Wie es nur Freude war, aus Deinem Brief zu vernehmen, daß Du Deine
Julie zu Dir genommen hast, so auch diß, daß sich Deine Schwester Deiner in Deinem letzten Wochen=
bette so freundlich sich angenommen habe. Einander zu dienen, sich unsrer gegenseitig anzunehmen
wo das Andre uns bedarf, das ist wie unsere Pflicht, so auch Seligkeit. Röm 13, 8. Jak 2,25.
u. das müssen [insertion:]wir als[/insertion] eine unserer Hauptpflichten achten, unseren großen Herrn u. Meister in der
Dienstfertigkeit gegen Andre nachzufolgen. Er ist ja nicht gekommen, daß er ihm dienen lasse -
sondern daß er selber diene [?]ich[/?] die von Gott ihm verliehenen Kräfte zum Besten Andrer
verwende u. er hat gedient mit sich selbst verleugnender Hingabe u. Aufopferung,
[left margin, rotated 90 degrees, top to bottom] Oncle Carl ist Kunstgärtner geworden; er betreibt dieses Geschäft in seinem im Garten neu erbauten Hause. Rosa ist seit 3 Jahren an Pfarrverweser Teichmann verheirathet u. hat auch einen Knaben geboren.
