« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
letzten Tagen viel weniger die l Mutter las ihm etwas zur Erbauung, so vergieng
der Mittwoch, am Donnerstag machten wir die ersten Besuche bei den nächsten Verwandten
u kamen ganz vergnügt heim; in zwischen war Dr Hauff da, u sah jetzt selbst daß
es dem Ende zugehe, auf die Frage ob man ihm ein Mittagssüppchen bringen
dürfe antwortete er „ja ein wenig Brühe wir schickten die Magd damit
hinauf, während sie ihm den 2ten Löffel voll reichte, gieng es nicht mehr
hinunter, während wir am Essen saßen sprang sie mit den Worten ins
Zimmer, der Herr Onkel stirbt; wir versammelten uns alle um sein Bett, die
l Mutter sprach den Vers “Erscheine scheine mir zum Schilde zum Trost in
meinem Tod u laß mich sehn dein Bilde in meiner letzten Noth,. in 10
Minuten während welcher der Athem immer kürzer worden war er
verschieden; wir befahlen ihn der Gnade Gottes, hoffend daß er ihn werde
auch angenommen haben, er sieht ja alle Umstände in denen sich der Mensch be=
findet u hat auch die Umgebung gewußt in die der Herr Onkel in früherer
Zeit war. – Für ein Brautpaar in so ein Tod im eigenen Hause ein gar
schmerzliches Ereigniß, wie ist doch Freude und Leid im Leben so gar nahe bei
einander. - Das Begräbniß machten wir ganz einfach, er wurde
mit dem Trauerwagen hinausgefahren, der durch einen Kranz von den
ersten Frühlingskindern geschmükt war, eine Chaise folgte in welcher
Tritschler, Enslin Clostermaier u Friz saßen, einige Frauen u Weiber
aus der Nachbarschaft folgten, ich mußte es meinem Bräutigam ver=
[s]prechen dazubleiben, die Waisenkinder sangen am Grab u a. Ruhe ist das
beste Gute, er war in seinem Leben auch eine Art Waisenkind gewesen,
Friz hielt einen kurzen Lebenslauf worin er die Verwandtschaft aus
einander setzte, dann eine Ansprache an die Lebenden, daß sie nicht
denken u sagen sollen was dieser Verstorbene hätte lassen sollen u leisten
können sondern daß sie sich fragen sollen, ob nicht etwas von ihrer Seite sei
an ihm versäumt worden. – Im ganzen müssen wir abermals sagen
der Herr hat alles recht gemacht, er legt wohl eine Last auf, aber er hilft
sie auch tragen, u jetzt in der Braut wo es ohne dieß mehr zu thun gibt
sind wir der Sorge für ihn enthoben; aber er hat mir doch manchmal
leid um ihn gethan, ich meinte immer ich müßte ihn mit seinem Stok um
die Vesperzeit die Treppe herauf poltern hören, so wird man alles
in der Welt gewöhnt auch das weniger angenehme.
