Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, November 3, 1858, p. 6 and p. 7 - image of
« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
[page 6 (sheet 2, left-hand side):]
vielleicht auch dann u. wann aus öko= nomischen Rücksichten länger als eine Woche warten, u. denselben Grund werde ich auch bei Dir gelten lassen, nur laß mich nicht gar zu lange auf Nachricht warten. Das Wetter war hier wunderschön; hell u. klar u. warm wie Sommer; seit einigen Tagen aber ist es rauh u. regnerisch u. das Feuer brennt lustig im Kamin. [roman:] Emma B. [/roman] macht gute Fortschritte im Englischen, sie versteht viel u. spricht ein klein wenig. Auch [roman:] Lisbeth [/roman] wird es bald lernen, vieles was die Leute zu ihr sagen versteht sie schon ganz gut. Ich kann bis jetzt nicht über sie klagen; ihre Untugenden sind natürlich noch dieselben, aber sie ist fleißig u. unver= drosseln u. Ich hoffe mit viel Geduld sie nach u. nach einzuschulen. - Bayard's Mutter versteht viel besser deutsch als ich wusste, sie kann sich sogar auf deutsch verständlich machen u. Vater [roman:] Taylor [/roman] nennt [roman:] Lili [/roman] scherzweise [roman:] "kleine Kind" [/roman] u. sagt [roman:] "mush schlofen" [/roman]. [roman:] Fritz [/roman] war nur 3 Tage hier u. ist dann nach [roman:] Baltimore [/roman] zurückgekehrt. William u. seine Frau sind bis jetzt noch nicht gekommen. [roman:] Horvard [/roman] u. seine Frau haben ihr Haus dicht bei dem Hause ihrer Eltern, noch ist es aber nicht fertig, obwohl sie es schon bewohnen. Unser Haus wird vielleicht 10 Minu= ten entfernt sein. - Vor einigen Tagen habe ich auch eine Nähmaschine arbeiten sehen. Ich ging mit [roman:] Annie [/roman] des Nachmittags 2 engl. Mln weit zu [roman:] Darlington's [/roman] u. [roman:] Mrs. D. [/roman] holte auf meinen
[page 7 (sheet 2, right-hand side):]
Wunsch ihre kostbare Maschine herbei u.
zeigte mir den Gebrauch derselben.
Sie näht Alles damit was sie für sich,
ihren Mann u. ihr ganzes Haus braucht
u. findet es höchst vortheilhaft. In einem
Nachmittag hat sie 2 gewöhnliche Her=
renhemden damit genäht. Bayard wird
mir wahrscheinlich eine Nähmaschine
kaufen. Auf dem Wege zu [roman:] Darlington's [/roman]
haben wir viel Spass gehabt. In Be=
zug auf Wege ist nämlich dieses Land
keineswegs zu rühmen u. um einen
Weg abzukürzen geht man häufig über
die Felder, die jetzt unbestellt, sind u.
mit einfach construirten hölzer=
nen Zäunen umschlossen sind, deren
Höhe wohl 5 Fß. erreicht. [roman:] Annie [/roman] u. ich
gingen also der Kürze wegen auch in
gerader Linie auf [roman:] D.'s [/roman] Farm zu.
Zuerst ging es einen Hügel hinab u. über
eine kleine Wiese, dann geriethen
wir in die Dornen u. dann ging es
über ein schmales Wasser, wo ein
abschüssiger Baumstamm uns als
Brücke diente. An dieses stieß ein
Maisstoppelfeld bis wieder ein Zaun
kam durch dessen horizontal liegende
Planken wir hindurchkrochen, oder uns
vielmehr wälzten. Als wir unter
vielem Lachen soweit gekommen
waren befanden wir uns auf einem
getretenen Pfade, der zu einer Farm
führte u. trafen da mit einer
verrückten Frau zusammen, die
uns anredete u. uns unheimlich zu
Muthe werden ließ. Deshalb ging es gleich
wieder über den nächsten Zaun hinüber
u. in eiligen Schritten über die Stoppeln,
da wir in einem Winkel der
