Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, October 21, 1858, p. 2 and p. 3 - image of
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gar nicht mehr liegen wollte u. ich selbst stand nur auf wenn sie fort= gewickelt werden musste. Dieser Zu= stand dauerte indessen nicht lange, bald ward das Meer wieder ruhig, der Himmel klar u. wir lernten Alle uns den Bewegungen des Schiffes zu [roman:] accomo= diren [/roman] u. uns zu amüsiren. Dennoch konnte ich kaum die Zeit erwarten, wo unsere Reise zu Ende sein würde u. die letzten Tage, die so schön u. warm waren wie italienische Herbsttage dehnten sich mir zu unendlicher Länge aus. Am 15. [roman:] Okt. [/roman] schon war zuerst wieder Land, die südöstlichste Spitze von [roman:] New Foundland [/roman], u. am Dienstag Abend (19. [roman:] Okt. [/roman]) um 10 Uhr konnte man zuerst die Leuchtthürme des Festlandes von Amerika bemerken. Um 2 Uhr Morgens lagen wir im äußern Hafen u. ich ging mit Bayard auf das Deck um die fernen Lichter [roman:] New Yorks [/roman] zu sehen. Endlich nach einer Stunde waren wir wirklich angelangt u. ein prachtvoller Anblick bot sich uns dar als wir mit dem anbrechenden Tag die Gegenstände vor uns deutlich erblicken konnten - eine blaue weite Meeresbucht, Schiffe von allen Gattungen, malerische Inseln u. ein Giwimmel [sic] von Häusern rechts u. links. Um 9 Uhr verließen wir die [roman:] Saxonia [/roman], froh so viel glücklicher gewesen zu sein als die armen unglücklichen Passagiere der [roman:] Austria [/roman], u. kamen nach manchen noch zu überwindenden Hin= dernissen endlich in einem [roman:] Hôtel [/roman] [superscript in pencil, different handwriting:] Astor House [/superscript in pencil, different handwriting] in [roman:] Broadway [/roman] (die Hauptstraße [roman:] New Yorks [/roman]) an, welches, noch lange nicht das größte, doch schon so großartig ist daß es 100
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Kellner täglich beschäftigt. Die Lage ist höchst interessant. Das Leben u. Treiben auf der Straße über= trifft weit das der lebhaftesten Straßen [roman:] Londons [/roman] u. Emma u. Lisbeth waren höchlichst erstaunt u. unterhalten. Seitdem war unser Leben ein sehr unruhi= ges, ein beständiges Kommen u. Gehen von Freunden u. Bekannten, die Bayard sehen wollen u. nebenbei aus Neugierde auch mich. [roman:] Annie [/roman] war hier bei [roman:] Stoddards [/roman] in [roman:] Brooklyn [/roman], wo wir mit den letztern zusammen wohnen werden. Das Haus ist klein, aber nett. Wir wer= den die beiden oberen Etagen bewohnen u. haben bereits unsere Wäsche, Bücher u. Porzelan dort ausgepackt. Kein Stück= chen von allen ist verdorben oder beschädigt. Heute, Freitag den 22., sind wir schon wieder auf dem Sprung. Um 3 Uhr Nachmittags gehen wir mit [roman:] Annie [/roman] nach [roman:] Philadelphia [/roman], bleiben dort die Nacht u. gehen Morgen nach [roman:] Kenett [/roman] zu Bayard's Eltern. Bayard hat so viel Bestellungen zu Vorlesungen daß er bereits gegen 2000 Dollars sicher hat - gute Aussichten für den Hausbau! Von Lilian kann ich Dir die allerbesten Nachrichten geben. Sie hat, ganz im Gegensatz zu den andern Kindern die an Bord waren, bedeutend zugenommen seit wir unterwegs sind, ist größer, dicker u. aufgeweckter geworden. Bereits auf dem Schiffe fing sie an Beobachtungen anzustellen über das was um sie vorging u. hatte besonders ihr Augenmerk auf die Dinge
