Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, March 19, 1858, p. 2 and p. 3 - image of
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ständig nach allen Himmelsgegenden umher nach Trost. Aber nicht eher kam dieser als gestern Morgen, wo es sich herrlich aufhellte, grüner u. schöner ist als zuvor u. wie recht beständiges Wetter aussieht. Wenn Bayard fort ist lese ich immer so viel ich finden kann über den Weg den er verfolgt u. das Land welches er sieht, das macht es mir möglich ihm in Gedanken folgen u. allenfalls wissen zu können wo er sich gerade befindet u. welche Reisege= nüsse sich ihm darbieten. Auch außerdem be= schäftige ich mich, so viel wie möglich, unablässig von früh bis Abend u. habe reichliches Ma= terial dazu: auf diese Weise ist mir die Einsamkeit weniger drückend. Dabei fällt mir ein: hast Du im Auslande die "Mitter= nachtssonne" gesehen? Ich bin etwas stolz darauf daß ich es war, die sie übersetzte u. daß sie sich so gut ließt. Ich darf indessen nicht vergessen, daß Bayard mir dabei half. - Am Mitwoch Abend war ich in einer Soirée beim Englischen Gesandten u. habe mich gut unterhalten, da ich viele der Gäste kannte. [roman:] Miss Wyse [/roman], die Nichte des Gesandten, ist eine sehr liebenswürdige Dame u. versteht vor= trefflich die [roman:] Honneurs [/roman] des Hauses zu machen. Gestern Nachmittag ging [insertion:] ich [/insertion] vom schönen Wetter verlockt zu [roman:] Hills. Mrs Hill [/roman] hatte mich ohne daß es verabredet war erwartet, u. ich musste gleich meinen Hut ablegen u. zum Essen bleiben. Ich würde noch öfterer zu ihnen gehen wäre der Weg nicht etwas weit u. ich etwas weniger schwerfällig. Das ist fast das einzige worüber ich zu klagen habe, daß mir das Gehen schwer wird. Im [roman:] Hôtel [/roman] wird eine englische Familie erwartet, welche die Zimmer neben uns bezieht. [roman:] Lucie [/roman] bleibt des Nachts bei mir wenn Bayard auf Reisen ist. Sie ist ein gutes verständiges Mädchen u. stets gefällig u. dienstbeflissen. Deinen Ge= burtstag habe ich einsam verlebt, das Wetter hielt mich ab zu [roman:] Hills [/roman] zu gehen. Aber Deine Gesundheit habe ich doch, wenn auch für mich, getrunken. Daß
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Eure Wohnung so kalt ist, ist ja wirklich recht unangenehm; ich denke aber daß dies nur ist weil das Haus nie zuvor bewohnt war, es muss so zu sagen erst durchwärmt werden, denn es ist ja eine ausgemachte Sache daß die steinernen Häuser im Winter die wärm= sten sind, u. die Lage ist auch so geschützt. Ich bin überzeugt daß es im zweiten Winter schon ganz anders sein wird. Das Blatt ist sich jetzt gewendet u. Ihr habt den Winter den wir zuvor hier hatten - ich wollte Ihr wäret auch schon darüber hin. Auch von England u. Amerika hören wir daß der Winter sich eingestellt hat. Vorher aber hat man in Schott= land Erdbeeren im Freien gepflückt. - In der Angelegenheit einer Köchin gebe ich Dir Voll= macht zu thun was Dir gut dünkt. Sie braucht ja nicht gerade perfekt kochen zu können, wenn sie nur anstellig ist u. ehrlich. Es wäre nicht übel wenn sie zuvor eine Zeitlang unter Deiner Aufsicht gewesen wäre, alleine daß Du ihr das Kochen lehrst, will ich in keinem Fall. Du wirst mit Deinem eignen Mädchen in dieser Beziehung schon genug zu thun haben u. hast nicht die Gesundheit um so etwas zu unternehmen. - - - Ich habe eine kleine Pause gemacht u. bin währenddessen mit [roman:] Lucie [/roman] nach dem Garten der Königin, hinter dem kgl. Schlosse, spatzieren gegangen u. dann habe ich zum Mittag (d. h. um 6 Uhr) gegessen. Der Spatzier= gang hat mir sehr wohlgethan u. mich in jeder Beziehung gelabt. Der Garten ist herrlich u. muss mit seinen Bewässerungsanstalten im Sommer ein wahres Paradies sein. Die Anlagen sind großar= tig u. mannigfach, viele Bäume, entzückende Rasenplätze, kleine Grotten, Lauben, Bassins etc. etc. In ein kleines Labyrinth geriethen wir hinein wo zwischen den verschlungenen Laubgän= gen die schönsten Kamelien in voller Blüthe stan= den u. von einer Stelle aus zählte ich 22 Palm= bäume, von denen 6 leider diesen Winter abge= storben waren. Auch die Orangenbäume haben in diesem Theile des Gartens sehr gelitten. Wie gerne
