Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, February 19, 1858, p. 2 and p. 3 - image of
« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
[page 2 (sheet 2, left-hand side):]
hindern, mein Bayard, Dich ganz
wie ehemals, da Du noch vogelfrei
warst, dem Reisegenuss hinzuge=
ben - ist ja doch unsere Trennung
nur eine kurze - u. meine größte
Freude, der Gedanke der mich aufheitert
ist es, daß Dir jetzt eine neue Kette
neuer Freuden u. Genüsse im Anschauen
eines neuen schönen Stückchens Erde
geboten wirden. [roman:] Candia [/roman] muss ein
reizendes Eiland sein u. ich bin über=
zeugt daß das Innere desselben Dich
noch mehr entzücken wird als der
erste Anblick, schön wie er war.
Ich habe bereits ein gutes Stück im
[roman:] Pashley [/roman] gelesen u. obwohl er ein
sehr trockener Autor ist, so gewinne
ich doch einigermaßen eine Idee
von dem was sich Euch darbietet.
Meine Gedanken sind fortwährend mit
Dir, mein geliebter Bayard, von früh
bis spät, u. in der Nacht, wenn ich
wache, schwebt Dein Bild mir vor.
Ich fühle mehr jetzt noch, als da ich Deine
Verlobte, Deine Geliebte war, daß
Du das Licht u. die Sonne meiner
Tage bist - ja wahrhaftig das bist Du,
Bayard, u. das Leben ohne Dich würde
dasselbe sein, als wenn ein dunkles
Gefängniss [sic] mich einschlösse. - Damit
ich Dich mit solchen Bekenntnissen nicht
langweile gehe ich schnell zu etwas
recht Alltäglichem - u. doch so höchst wichtigem
- dem Wetter über. Dasselbe war herrlich
am Sonntag u. ich jubelte darüber, daß
Ihr ein solches Reisewetter hattet. Gegen
Abend aber kamen schon drohende Wolken
[page 3 (sheet 2, right-hand side):]
u. der Sonntag war trübe u. regnerisch, obwohl köstlich milde u. warm. Leider verdarb dieses Wetter das Fest, so daß es [roman:] a poor thing [/roman] war u. kaum der Mühe werth dahin zu gehen. [roman:] Mr. Hill [/roman] u. seine Nichte besuchten es mit mir u. nachdem wir eine Zeit lang mit aufgespannten Regenschirmen uns dort herumgetrieben hatten, waren wir froh wieder bei [roman:] Mrs. Hill [/roman] im Drawing room sitzen zu können. Ich aß bei ihnen zu Mittag u. kam des Abends sehr bequem in ihrem Wagen nach Hause. Um aber bei der Stange zu bleiben, so fange ich wieder vom Wetter an. Dienstag war es trübe, aber herrlich warm, ich spatzierte auf dem Balkon u. ging später etwas aus. Mittwoch regnerisch aber so warm daß ich beinahe den ganzen Nachmittag ohne Feuer saß. Gestern u. heute aber leider Gottes wieder die alte Geschichte: Nordwind, ja Sturm; so unangenehm daß man nicht die Nase zum Fenster hinaus stecken möchte. Ist das nicht zum verzweiflen? Hoffentlich habt Ihr nichts davon. - Im Hause ist es ganz still und einsam geworden. Sonntag Mittag verab= schiedeten sich der Serbier u. seine Frau u. nahmen zu M'me V. großer Überraschung den kleinen Diener mit fort, so daß sie wieder nur einen hat. Seitdem ist [roman:] George [/roman] sein [Kusse?] hier gewesen u. hat nach Salon u. Schlafzimmer gefragt u. das wird wohl zur Folge haben, daß unser Schlafzimmer in das Zimmer des Serbiers verlegt u. [roman:] John [/roman] hinunter logirt wird. Ich mag nicht nein dazu sagen u. denke daß die Verän= derung Euch beiden wenig vor schlagen wird. M'me V. erschien schon Sonnabend bei Tische. Sie u. [roman:] Lucia [/roman] schicken an Euch alle drei Grüße u. freuen sich sehr über [roman:] François' [/roman] gute Laune.
