Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, February 11, 1858, p. 2 and p. 3 - image of
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keiten u. Stunden gebunden, ist
aber auch freilich nicht das was
der römische selbst noch heut zu
Tage ist. Bei unsern Spatziergängen
begegnen wir täglich Masken, meist
Leute aus den niedern Klassen u. in
mehr komischen als schönen Verklei=
dungen. Auch auf dem Platze an dem
wir [?] ziehen sich oft kleine
Truppe von Masken zusammen; so
kam neulich ein von vier Menschen
dargestelltes u. vortrefflich nachgeahmtes
Kameel [sic] u. ein ander Mal ein Duzend [sic]
junger Krieger die einen Art panto=
mimischen Kriegstanz aufführten,
mit ähnlichen Stellungen wie man
ihn [insertion:] sie [/insertion] auf den antiken Reliefs sieht.
Die Kupfermünzen, die wir ihnen am
Schlusse vom Balkon hinabwarfen,
nahmen sie mit vielen freudigen Dank=
sagungen auf. Gestern Abend war
Bayard zu einem kleinen Hofball
u. wurde vom König dadurch ausgezeich=
net daß esr sich lange Zeit mit ihm unter=
hielt. Auch die Königin sprach mit ihm u.
klagte sehr über die Kälte "Ach es ist so
kalt, so kalt," sagte sie, "ich kann mich gar
nicht erwärmen." - Sonnabend Nachmittag
wird Bayard mit [roman:] John u. François [/roman] nach
Candia gehen. Der ganze Ausflug nimmt
3 Wochen in Anspruch, eine Zeit die mir
etwas lang werden wird; ich bin indessen
nicht ganz einsam u. kann Gesellschaft haben
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so bald ich will. Zu [roman:] Hills [/roman], die ganz prächtige alte Leute sind, kann ich jeden Tag von Morgen bis Abend, gerade wie es mir gefällt, kommen. Und außerdem habe ich viel zu lesen u. zu schreiben, so daß ich schwerlich Lange= weile fühlen werde. Neulich war ich auch in der Hofkapelle um den Hofprediger [roman:] Hansen [/roman] (Holsteiner) predigen zu hören, glaube aber kaum, daß ich wieder dahin gehe, da ich nicht die Hälfte von dem ver= stehen konnte was er sagte, so leise, eintönig u. outriert holsteinisch spricht er. Die Hofkapelle ist in der Beziehung merk= würdig, daß Katholicismus u. Protestan= tismus sich eintrachtiglich darin vertragen. Um 9 Uhr Sonntags ist die Messe des Königs darin u. um 11 Uhr der Gottesdienst der Königin. [roman:] Schwarz's [/roman] Predigten fehlen mir sehr, ich gäbe viel für eine.
Febr. 13.
Endlich heute Morgen haben wir Briefe u. Zeitungen erhalten. Ich bin Dir sehr dankbar daß Du geschrieben hast - Ich bin mit wenigem zufrieden, wenn ich nur von Euch höre. Dein Gemüthszustand ist nicht zu verwundern, ich habe mir gedacht daß es jetzt so sein müsste, aber liebe Mutter gieb Dich den schmerzlichen Erinnerungen nicht zu sehr hin, denke daran daß Du Deine Gesundheit um unseretwillen erhalten musst u. suche Deine Stütze in dem Glauben daß Alles was Gott der Herr thut wohlgethan ist u. daß Er es gewiss recht gut mit unserm armen guten [roman:] Eduard [/roman] gemeint hat indem er ihn in eine Welt entrückte in die
