Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, January 22, 1858, p. 2 and p. 3 - image of
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u. von da durch den Pass der [roman:] Daphne [/roman], der die westliche Hügelkette [roman:] Attika's [/roman] durchschneitet [sic]. Auf der Höhe sahen wir die wenigen Reste des [roman:] Apollotempels [/roman] u. weiter hin die des [roman:] Pantem= pels [/roman]. Bald nachher kamen wir an das Ufer des Meeres mit der Aussicht auf die Insel [roman:] Salamis [/roman] u. den Schauplatz der berühmten Seeschlacht zwischen den Persern u. Griechen. So fuhren wir wohl 3/4 Stunden am Meere entlang, jenseits der Ebene zur andren Seite die Hügelketten von [?] schöner Form, die heute noch mit leichtem Schnee besprengelt waren. Eleusis selbst ist ein elendes Dorf. [Roman:] "Mais c'est un village en ruine" [/roman] sagte ich zu [roman:] François [/roman], worauf ich zur Antwort erhielt: [roman:] "Non, Madame, il est habité." [/roman] Ich meinte zuerst ich hätte ihn nicht recht verstanden, bis ich endlich selbst sah daß in diesen verfallenen Steinhütten u. hinter diesen fensterlosen, niedrigen Mauern - Menschen wohnten. Nur einzelne wirkliche, aber sehr bescheidene Häuschen waren unter die große Masse jener gesät. Am besten [roman:] "Hôtel" [/roman] stiegen wir ab: ein Haus von 2 Stock = werken mit hölzernem Balkon, im Erdgeschoss ein niedriger Saal mit Steinboden u. 4 geschwärzten Kalkwänden, einigen hölzernen Bänken, Stühlen u. Tischen, einem Herd u. einem kleinen Badetisch, hinter dem mächtige Fässer u. verschiedene Schachteln aufgereiht waren. Hier bereitete uns [roman:] François [/roman], unser mitgebrachtes Frühstück, bestehend aus Brod, Butter, Käse, Kaviar, kaltem Lammbraten, Bier u. Wein. Gebackne Eier u. schwarzen Kaffee lieferte der Wirth, u. das war mehr als man sonst zu bekommen pflegt. Nachdem wir mit vortreff= lichem Appetit gegessen, gingen wir den Ort u. die Überbleibsel ehemaliger Größe näher
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zu besichtigen. Der Tempel der Ceres lag auf einer weiten Terasse, die jetzt mit elenden Woh= nungen bedeckt ist u. von dem Tempel ist nicht übrig geblieben als der Unterbau der Terasse u. einige Säulenstümpfe u. Marmorblöcke, die theils vor den Hütten [insertion:] liegen [/insertion], theils mit zu ihrem Aufbau verwen= det worden sind. Über der Terasse erhebt sich der Felsengipfel eines kegelförmigen Hügels auf dem die Reste einer [roman:] Akropolis [/roman] oder Burg zu sehen sind. Von den [roman:] Propyläen [/roman] oder Vorhallen des [roman:] Ceres= tempel [/roman] liegen weiter unten im Dorfe einige mächtige kannelirte Säulenblöcke, ein kolossales Hautrelief u. viele Marmortrümmer wild durch u. übereinander gestreut. Auch den alten Hafen besuchten wir von dem nur noch ein theilweises u. vielfach von Trümmer unterbrochenes, in das Meer hinausfühendes Halbzirkel übrig ist. Am Ende angelangt brauste die Brandung aufgeregt gegen die uralten Steine, die so lange ihrer Macht getrotzt hatten. Dies sind die Erlebnisse unseres gestern heiter verlebten Tages. (Ich schreibe nämlich heute den 23. Jan.) Die guten Nachrichten von Tante [roman:] Anna [/roman] haben mir das Herz ihretwegen sehr erleichtert, Onkel Brauns Unwohlsein aber thut mit innig leid. Unter den von Dir erwähnten Umständen wird allerdings so bald an keine gründliche Besserung zu denken sein. Wenn Du die Tanten siehst sage ihnen wie herzlich ich theilnehme. Darüber daß Du Gelegen= heit gefunden Emma die Sachen zu schicken habe ich mich unendlich gefreut; so erhält sie sie nun doch noch. Der Gedanke die Mamsell mit mir zu nehmen ist mir ein höchst angenehmer, es würde mir eine so große Beruhigung sein eine zuverlässige u. gute Person wie sie in meinem Hause zu haben, allen ich wage kaum mich mit der Hoffnung zu schmeicheln daß sie einwilligen wird, da sie eine Familie hat an der sie sehr zu hängen scheint. Fragt sie so bald als möglich darüber u. lasst es mich wissen. Ist irgendetwas wegen Emma Hölzer entschieden ob u. wohin sie geht um etwas mehr von einer Landwirthschaft zu lernen? Mit Sophie habe nur Geduld, sie wird sich doch noch machen. Mühe Dich mit meinen Sachen ja nicht ab, es ist ja auch Zeit genug dazu, u. vor allen Dingen nähe sie nicht selbst,
