Theodor Engelmann to Margarethe Hilgard, January 21, 1837, p. 3 - image of
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im Allgemeinen zu bilden. Dir eine vollständige Carakterschilderung der Amerikaner zu geben, bin ich jedoch noch nicht im Stande, wohl aber will ich versuchen, wenige Hauptzüge, welche ich wahr- genommen habe, kurz anzugeben. Dem Umstand, daß das Schulwesen hier noch lange nicht so pedantisch ausgebildet ist wie in Deutschland, u. daß die Jugend viel weniger strenge zum Lernen angetrieben wird, schreibe ich es zu, daß man im Allgemeinen findet, daß der Amerikaner nie viel regeres Interesse für sein Wissen u. seine Wissenschaft hat, als wenn es in Deutschland zu finden pflegt. Er ergreift nicht nur mit Eifer jede Gelegenheit, sich zu vervollkommne, sondern er ist auch stets bereit und unermüdlich, das Bischen, was er weiß, anderen wieder mitzutheilen. Dabei hat er einen Vorzug, vor dem deutschen, um welchen man ihn nothwendig beneiden muß. Ich weiß nicht genau, ob dieser Vorzug in der Sprache, oder ob er wirklich in der Denkungsweise des Amerikaners liegt, oder es fällt gewiß jedermann gleich nicht, daß derselbe in allem was er vorträgt, sehr logisch ist, u. alles in ein System bringt. Das kann allerdings auch der Deutsche, wenn er sich Müht u. Zeit nimmt; der Amerikaner ist in zwei Minuten fertig. Natürlich sind seine Ansichten sehr oberflächlich, was dem gründlichen deutschen gleich auffällt, ohne daß es ihm jedoch gelingt, denselben zu widerlegen, weil man ihm die 8 Tage nicht gewährt, die er nöthig haben würde, um seine Ansichten sistematisch unerschütterlich aus dem Eie zu entwickeln. Ich habe häufig Gelegenheit dies zu beobachten, besonders wenn H Georg mit H King oder Brown tzelehrte (?) Gegenstände oder auch die Sklavenfrage abhandelt. Mit seinen Bekannten kann mann diesen Gegenstand ganz frei und unbefangen besprechen, wie überhaupt es bei weitem nicht so gefährlich ist, gegen die Sklaverei zu sein, als es manchmal aussieht. Die Hauptaufregung besteht doch nur gegen solche Leute, welche entweder unmittelbar auf die farbige Bevölkerung zu wirken, u. diese zu gewaltsamen Losreißen (?) von ihren Gebieten aufzureitzen suchen, oder die sich ein Geschäft daraus machen, öffentlich Sklavenfreilassung zu predigen, was ziemlich dasselbe ist, oder wenigstens mit jenem fast immer zusammenträffte zu dem einen so wenig wie zu dem anderen fühlt sich der Deutsche aufgefordert, weil er wohl einsieht, daß das Übel der Sklaverei nicht auf einmal, sondern nur mit der größten Vorsicht abgeschaut werden kann, u. daß man es am allerwenigsten den Sklaven selbst überlassen darf, sich frei zu machen. Die Abolitionisten sind, so weit ich deren Thun und Treiben durchschauen kann, religiöse Schwärmer, deren menschliche Gesinnungen ich wohl achte, deren Art u. Weise die Deutschen aber natürlich nicht ansprechen kann. Die Gründe, aus welchen
