Theodor Engelmann to Margarethe Hilgard, July 30, 1834, p. 2 - image of
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da war auch alle Lust verschwunden mich lange bei den Amerikanern herumzutreiben der Sprache wegen; an Lesen oder Schreiben war noch weniger zu denken,- ich suchte das Beste. So verging ein Monat rein physischer Thätigkeit, moralisch rein wie verlorene Zeit. Ich konnte so nicht länger leben, ich kehrte zurück auf die Farm mit der Absicht so bald als möglich ein andern Ort der Beschäftigung zu suchen, die mich mit den Akanern [Amerikanern] mehr in Verkehr, u. dadurch meinem Zwecke näher brächte. Ich wäre gern Ladendiener (Storekeeper) geworden, aber es bot sich mir keine Gelegenheit. Wir wohnen zu weit von den Orten, wo man solche Leute braucht, als daß es nicht andere Leute hätte leicht werden sollen, mir zuvor- zukommen. Hätte ich früher erfahren, daß Schreiber [eine Person namens "Schreiber"] sich an einen Zug nach den Stillen Meeren anschlösse, dann würde ich wahrschl. sein Gefährte geworden sein, bei einem Engagement unter die Dragoner fürchtete ich doch der Eltern Misbilligung zu sehr. Andere Aussichten haben sich noch nicht eröffnet, u. ich lebe deshalb immer noch auf der Farm u. unterziehe mich den landwirtschaftlichen Arbeiten. Ohne besonderes Interesse für diese Art der Beschäftigung früher gehabt zu haben, finde ich solcher immer mehr u. mehr, länger ich mich damit befasse, u. ich könnte recht zufrieden meine eigen Farm bauen; hier aber an unsern magern Boden (denn unser Ackerfeld ist fürchterlich abgebaut) Zeit u. Mühe zu verschwenden, dabei nicht nach eigenen Wissen verfahren zu dürfen u. doch selten etwas zu des Vaters Zufriedenheit aus- zuführen, hat für mich etwas fürchterlich entmutihgendes; u. mein Sinnen ist Tag und Nacht darauf gerichtet, wie ich aus dem Hause kommen, wie ich eine Quelle des Erwerbes auffinden, wie ich mich selbstständig durch die Welt schlagen soll. Alle meine Pläne scheitern an der mangelhaften Kenntnis der engl. Sprache. Meine Hoffnung ist jetzt darauf gerichtet, daß Körner wenn er einmal in der Stadt u. unter Amerikanern lebt, leichter eine Gelegenheit finden kann ein Plätzchen für mich auszumachen. Einmal wird es mir doch glücken, einmal muß dieser Zustand doch ein Ende nehmen!- Über unser Leben u. Treiben hier auf der Farm wirst du viele Mittheilungen von Eltern u. Geschwistern erhalten, welche letztere ja seit mehreren Wochen ein Tagebuch für dich führen, in welchem es gewiß nicht an wohlgetroffene Scenen aus dem akanischen Landleben fehlt; da ich aber voraussetze, daß sich deren Nachrichten alle um die untern Farm, als des eigentliche Wohnhaus bewegen, so bleibt es mir noch übrig, dich zu einem kleinen Besuch zu uns einzuladen, d.h. zu den 6 jungen Männern (wenn du dich nicht fürchtest) welche das Blockhaus der oberm Farm inne haben du weißt schon, daß sie ihrer Lage nach bei weitem den Vorzug
