Theodor Engelmann to Margarethe Hilgard, July 30, 1834, p. 1 - image of
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Engelmannsfarm, den 30.t. July 1834. (Belleville, St. Clair County, Jll.
Theure Schwester.
du glaubst wol, die Vorwürfe, die du mir in mehreren Briefen gemacht hast, seien ungehört geblieben? Nein, sie trafen mich schmerzlich; nicht so wol, weil ich sie für gegründet u. verdient hielt, als weil die Gründe, die mich verhindert hatten meinem Versprechen nachzukommen u. ausführliche Nachrichten über unsere Reise, unsere Ansiedlung u. unser Leben in Aken in meiner Heimath zu senden, immer noch nicht beseitigt waren; es noch nicht sind. Es hält [ggf. "fällt"] mir auch deshalb jetzt schwer, u. ich weis noch nicht recht, ob ich über das, was mich bisher gleich einem bösen Gespenste wie dem Schreiben an dich wie von allen Mittheilungen in die Heimath, zurückschreckte, hingleiten soll ohne es zu berühren, oder ob ich zu dir hintreten soll als Bruder zur Schwester, dir vertrauensvoll mitzutheilen was auf mir lastet, es vor- zuklagen deinem teilnehmenden Herzen. Doch wozu sollte dies führen, ich unterlasse es besser u. verschließe es in eigener Brust; im Allgemeinen nur sei dir gesagt, daß ein trüber, unzufriedener Geist sich über mich gelagert hat, der mich allenthalben verfolgt, u. mir das Leben verhaßt macht; daß es nicht Ake ist, was die Schuld trägt,- nein, ich erahne diese Land der Vernunft, in welchem ich die Verkörperung meiner schönsten Hoffnungen finde, aber der Hoffnungen, die sich nur an das verlassne Vaterland anrichten, -- daß die Schuld nur in mir selber liegt, in der Stellung, die ich in unsern Hause, in unsrer Familie einnehme - ich bin ein erbärmliches abhängiges Geschöpft, ohne Willen u. deshalb ohne Thatkraft. Erspare mir die weitere Ausführung,. Ich habe immer gesucht,unter Akaner [vielleicht "Amerikaner"] zu kommen, um der Sprache mächtig zu werden, wozu auf unserer Farm keine Aussicht ist, u. mir auf diese Weise die Quellen der Landes- wehr zu eröffnen, sie kennen zu lernen: es wollte mir bis jetzt aber nicht gelingen. Voriges Jahr im Oktober fand ich nach langem suchen einen Platz bei einem Gerber in Belleville einem sehr ordentlichen Manne. Morgens wenn die letzten Sterne vom Himmel im Zwielicht schimmerten, zog ich in die Gerberei, u. Abends wenn der Sonne weit nachflackerndes Gewand hinter den Bäumen untertauchte, u. die dunkeln Schatten der Nacht heraufzogen, dann verließ ich sie wieder. Ruhe- stunden sind in Ake keine u. die kurze Zeit des Essens kaum zu rechnen. Dazu war ich den ganzen Tag allein, also keine Aussicht, mich in der engl. Sprache zu vervollkommnen. u. Abends war ich so müde, daß Arme u. Beine mir steif standen,
