« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
You don't have permission to transcribe this page.
Current Page Transcription
[page 3] Mein lieber Mann befindet sich wohl, hat manchmal
recht viel zu thun & wir sehen seiner endlichen Anstellung,
die aber immer noch nicht kommen will als noch entgegen.
Einstweilen genießen wir täglich auf unsern Spazier=
gängen nach Tisch, das Beste Otterbergs, seine gute, kräftige
Luft & erfreuen uns an seiner hübschen Umgebung.
Wir haben kürzlich unsre Wohnräume vertauscht. Das Schlaf=
zimmer & zugleich Wohnzimmer ist eben das große Eckzimmer,
das Harmonium steht im kleinen, frühern Wohnzimmer &
im frühern Schlafzimmer stehen nur Schränke, da darselbe
feucht & ungesund ist. Im September war ich einige Tage mit
Bubchen in Landau, habe aber dort von Seiten meiner Stief=
mutter so schlechte Aufnahme gefunden, daß mir das Wieder=
kommen verleidet ist. Ich habe mir anfangs recht Kummer
darüber gemacht, doch mein lieber Mann & unser herzig Kind
machen mir das Vergessen leicht. Einen Freund hat sich
mein Mann hier nicht mehr angeschafft. Er geht nur Samstag
Abends & Sonntags aus & verkehrt da meistens mit den
Lehrern. Endres, Grob und Graf. Letzterer hatte kürzlich so sehr Streit
mit dem kath. Lehrer Grob, daß sie fast handgreiflich wurden.
Jetzt ist Graf wieder sob. Hrn. Endres erzählte ich einmal auf
dem Heimweg v. K‘lautern wie gut es Ihnen ginge & welche
Erfolge Sie hätten. Ich dachte, er kann es seinen Collegen sagen,
Ihren Aufenthalt jedoch verschwieg ich. Meiner Nachbarin,
Frau Becker & deren Mutter, die sich öfters bei mir nach Ihnen
erkundigten, zeigte ich einmal Ihre Bilder & erzählte auch
von Ihrem jetzigen schönen Lebenskreis. Sie waren sehr er=
staunt & Frau Becker wird schon für Weiterausbreitung
gesorgt haben. Zwischen Lehrer Wiebelt & Grob kam es zu
argen Reibereien & Grob wurde schließlich als Lehrer hier
