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[page 4] angestellt, Wiebelt, der jetzt mit Frl. Steinebier verhei=
ratet ist & schon vorher Vater eines Knaben war, ist auf
Mölschbach (Strafstation mit 700 (!) M Gehalt gekommen.
Hier hat sich ein Litherclub gebildet, wir sind aber nicht
beigetreten. Auch im prot. Arbeiterverein war mein
Mann seit langer Zeit nicht mehr. An der letzten Erntekirch=
weih tanzten wir einmal seit langem wieder zusammen
in Häusers Bau. Häusers bauen eben einen Eiskeller hin=
ter ihrem Biergarten. Herr Herzog ist Aufseher bei den Erd=
arbeiten daselbst. Frl. Goldfuß hat sich mit einem reichen
Trierer Kaufmann verheiratet & von ihrer großartigen Hoch=
zeit sprach man hier lange. Der eifrige Amtsanwalt hat
sich seit July auch in Ehefessel begeben & bewohnt den 2. Stock der
Öhlmühle von Wissmann, woselbst viel bauliche Veränder=
ungen vorgenommen wurden. Harmonium spiele ich eben
wenig & dann meistens Schubertlieder, zu denen ich Ihre
sympathische Stimme recht vermisse. Es war doch als recht
hübsch, wenn Sie bei uns waren & man hatte doch etwas Ab=
wechslung. In dieser Beziehung freue ich mich einmal sehr,
wenn ich einst besser Gelegenheit habe wie eben, eine herrliche
Oper, ein schönes Concert zu hören. Diese Zeit wird auch ein=
mal kommen. Ihr Herr Vater sieht sehr wohl aus & ist recht
rüstig & lebhaft für seine Jahre. Er wird die Güte haben &
Ihnen diese Zeilen übermitteln. Ich schließe nun mit
der Bitte, uns bald wieder mit einem großen Briefe zu
erfreuen & mit dem Wunsche, daß es Ihnen allzeit wohl
ergehen möge. In treuer Freundschaft verbleibe ich
mit herzlichem Gruße Ihre
Rosa Benedum
ß. Wenn Sie sich vor Krankheit bewahren wollen, so lesen
Sie das Buch: Die neue Heilwissenschaft von Louis Kuhnl, Leipzig.
Es ist in Nordamerika zu haben. Ich kann es Ihnen als das allervor=
trefflichste empfehlen & Sie werden mir dafür danken & Recht geben müssen.
