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[stationery:]Eugen Haas Knittelsheim (Pfalz)[/stationery]
Es war das völlige auf eigene Füße stellen, eine Aus= lösung vieler Bitternis meines Lebens und eine Auslösung des Verzweifelns an allem, was mir lieb und heilig war – und woran ich geglaubt. Die Liebe des Elternhauses verloren – und dann (so glaubte ich in meiner Blindheit) die Euere. So kam alles in einen Topf und ich wollte den Deckel da= rauf tun und den Topf mit meinen getäuschten Hoffnungen und Kinderträumen wie ein Spielzeug an der Wand zu tausend Scherben zerschellen. Euere große, verzeihende Liebe aber hat uns eines Besseren belehrt und das große Unrecht, das wir Euch zugefügt, drohte mich zu erdrücken. Daraus aber wuchs das Streben nach Besserung. Es irrt der Mensch, solang er lebt. Wir hoffen nun aber auf fester Lebensstraße zu marschieren und wir sind bestrebt unsere Seelen zu entwicklen und zu vervollkom= menen, um sie dereinst zur letzten Stunde vollkommener in die göttliche Urkraft zurückzugeben. So war das ganze Erlebnis bei Eurem Abschied für unser ganzes Lebens nur heilsam und der Anfang einer anderen Lebensauffassung. Darinnnen fühlen wir uns zufrieden. Wir tun unsere Schuldigkeit, jedes an seinem Platze und wir beiden Alten arbeiten Hand in Hand für unser Kind. – Helenchen hatte an ihrem Osterhasen rechte Freude, ebenso an ihren bunten Eiern. Aber am Nachmittag verwandelte sich Freude in Leid. Sie hat verbotener Weise
Es war das völlige auf eigene Füße stellen, eine Aus- lösung vieler Bitternis meines Lebens und eine Auslösung des Verzweifelns an allem, was mir lieb und heilig war _ und woran ich geglaubt. Die Liebe des Elternhauses verloren _ und dann (so glaubte ich in meiner Blindheit) die Euere. So kam alles in einen Topf und ich wollte den Deckel da- rauf tun und den Topf mit meinen getäuschten Hoffnungen und Kinderträumen wie ein Spielzeug an der Wand zu tausend Scherben zerschellen. Euere große, verzeihende Liebe aber hat uns eines Besseren belehrt und das große Unrecht, das wir Euch zugefügt, drohte mich zu erdrücken. Daraus aber wuchs das Streben nach Besserung. Es irrt der Mensch, solang er lebt. Wir hoffe nun aber auf fester Lebensstraße zu marschieren und wir sind bestrebt unsere Seelen zu entwicklen und zu vervollkom- menen, um sie dereinst zur letzten Stunde vollkommener in die göttliche Urkraft zurückzugeben. So war das ganze Erlebnis bei Eurem Abschied für unser ganzes Lebens nur heilsam und der Anfang einer anderen Lebensauffassung. Darinnnen fühlen wir uns zufrieden. Wir tun unsere Schuldigkeit, jeder an seinem Platz und wir beiden Alten arbeiten Hand in Hand für unser Kind. - Helenchen hatte an ihrem Osterhasen rechte Freude, ebenson an ihren bunten Eiern. Aber am Nachmittag verwandelte sich Freude in Leid. Sie hat verbotener Weise
