Anna Oppenheim to Margarethe Raster and Hermann Raster, January 27, 1884, p. 2 - image of
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Über Hugos Abscheulichkeit habe ich keine Worte, aber noch mehr
betrübt mich Gertruds Verhalten und unverzeihlich unkindliches
Benehmen. Bei Thümlers nehmen die Festlichkeiten kein Ende,
Weihnachten große Mittagsessen und Sylvester eine große Abend
gesellschaft mit Filetbraten und prachtvollen eingemachten Früchten,
die sie sich eigens dazu haben von Bremen kommen lassen, dazu
schwere Weine und schließlich eine Bowle, die drei Mal erneuert wer=
den mußte. Sie scheinen sich auch des Geldes wegen keinen unru=
higen Augenblick zu machen. Gertrud hat vorgestern erst an
Adolph geschrieben und gemeint, die Sache wäre doch recht einfach
abzuwickeln, da doch nur noch eine Auseinandersetzung sehr
zwischen der Mutter & Hugo abzumachen sei, die Übrigen
würden ja doch entsagen. Ich habe natürlich Otto Frenkel Alles
übergeben und ihn beauftragt, energisch und ohne Rücksicht
vorzugehen
Mit meiner Wiederherstellung geht es doch sehr langsam, ich kann bis jetzt nur auf einen Stab gestützt, durch das Zimmer humpeln und auch nur einen kleinen Theil des Tages außerhalb des Bettes zubringen, da ich noch immer viel Schmer= zen in der gelähmten Seite habe. Den Arm kann ich noch
