Margarethe Raster and Hermann Raster to Anna Oppenheim, May 13, 1870, p. 2 - image of
« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
You don't have permission to transcribe this page.
Current Page Transcription
Dir, mein Muttchen, weiß ich ist es nicht lächerlich und Andere
brauchen es ja nicht zu lesen, wenn ich immer und immer
wiederhole, einen so guten Mann, wie ich habe, giebt es
nicht wieder, so klug, verständig und zartfühlend und
dabei so gut mit mir und wenn ich ihm das höchste
Lob ertheilen will, wenn er so zärtlich besorgt mit
mir ist, so sage ich immer; "Bei Dir habe ich es doch
so gut, wie bei meiner Mutter!" Was Liebe
und Zärtlichkeit betrifft, in den Verhältnissen, daß
ich es so viel besser haben kann. Auch wenn Du
und Gertrud hier wären, wir hätten das Paradies
auf Erden und darum, weil Nichts vollkommen
ist, bleibt dieser Wunsch unerfüllt. Ach! wenn
ich so auf unserm Balkon stehe und sehe den
weiten Seespiegel sich vor mir ausbreiten,
mit unzähligen weißen Segeln bedeckt,
während ganz im Vordergrund grüne
Baumgruppen recht vortheilhaft die blaue
Fläche hervortreten lassen, während auf
der Straße (nur auf unserer Seite sind Häuser
auf der andern, hinter einem alten, sehr roman-
tischen Kirchhofe, ist der See) Wagen auf
Wagen (am Sonntage zählten wir in 15
Minuten 52) mit eleganten Herren
und Damen gefüllt vorübersaust, diese
