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Doch - keine Sentimentalitäten! Es wird Zeit genug dazu sein, wenn wir in eini=
gen Jahren auf einem Spaziergange "um die Stadt," oder im Friedrichsholze zusammen plaudern.
Denn einmal wieder hinauszureisen, - die Idee habe ich nicht allein nicht aufgegeben, son=
dern sie ist stärker als je, und nur der Gedanke, daß ich mich jemals wieder auf
die Dauer in Deutschland einwohnen könnte, ist schwächer geworden. Aber wenn ich hinaus=
komme, soll es als etwas Ordentliches sein und nur wenige Jahre, die ich hier in einem
allen meinen Neigungen u. Fähigkeiten entsprechenden Beruf zubringe, werden mich
dazu in Stand setzen. - Vielleicht werden sich bis dahin auch Deine Verhältnisse so gestaltet haben,
daß wir die Rückfahrt nach dem Lande, welches mir längst zu einem rechten Vaterlande
geworden ist, gemeinsam machen können.
Mittlerweile ist meine Lage hier eine so behagliche und allen meinen Wünschen so sehr entsprechende, daß ich manchmal an Göthes Werk denken muß: "Was man in der Jugend begehrt, hat man im Alter die Fülle." - Arbeit von der Art und Menge, wie ich sie wünsche; eine geachtete u. einflußreiche Stellung; ein bequemes Auskommen; eine behaglich eingerichtete Häuslichkeit; eine brave und jetzt auch ge= sunde Frau; eine Tochter, die an Seele u. Leib trefflich gedeihet: - was hätte ich noch weiter zu wünschen? Und das Alles habe ich hier. Wärest Du nur da, um Theil daran zu nehmen!
Über Eure Hausbau=Historie, oder vielmehr über den Geldpunkt dabei habe ich recht herzlich lachen müssen. Sechzig Thaler Miethe! Ja, Kind, so viel zahle ich genau für einen Monat! Und dabei habe ich das Haus noch, weil es mitten im Jahre (die Miethjahre werden hier vom 1. Mai an gerechnet) noch ohne Miether war, um 3/4 des Werths gemiethet. Und mit 60 Thaler glaubst Du die 600 Thaler Baukosten samt dem ursprünglichen Miethwerth des Hauses reichlich verzinst? Hier erwartet man nicht weniger Miethe, als 10 Prozent [roman:] netto [/roman], und für die Hälfte eures Hauses, wenn ich dessen Werth nun auf 4000 rt veranschlage, immerhin 200 mehren würde. Von meinem in Obligationen der Ver. Staaten angelegten Gelde ziehe ich 8 Prozent und von einer Kleinigkeit von 1500 Doll., für welche ich Actien un= serer Zeitung genommen, habe ich so eben die halb jährliche Dividende mit 120 Doll., also 8 Prozent für 6 Monate einkassirt. Im Ganzen belaufen sich jetzt meine jährlichen Einnahmen aus Zinsen auf 850 rt. - Vor zehn oder zwölf Jahren glaubte ich, daß ich mit einer solchen Summe behaglich als Rentier würde in Dessau oder Zerbst leben können; allein diese Idee habe ich nicht mehr. Denn seitdem ist der Werth des Geldes
