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die Ihr ihm zu Theil werden lasst. Den Son= tag ist es mir allemal eine Beruhigung zu wissen, daß er diesen Tag bei Euch zubringt, für den Winter fürchte ich aber wird er das nicht fortsetzen können, da die Wege dort so schlecht werden u. es doch eine gro= ße Strecke ist, die er zu gehen hat. Ich hoffe sehnsüchtig auf eine Brief von ihm selbst u. wün= sche recht sehr, daß er bei der Quäkersam[?] auf= genommen worden ist, sein Aufenthalt in dem Gasthause muß äußerst unangenehm für ihn sein u. mich beunruhigt es im hohen Grade. Ich bin leider recht schwach u. sehr reizbar daß ich ohnehin fast aller Ruhe entbehre. Wilhelm's Einrichtung zu besorgen war schon zu viel für meine Kräfte, ich wurde da= rüber krank u. musste zwei Tage zu Bette lie= gen, Emma hat dann noch die letzte Hand ange= legt. Am Hochzeittag den 20ten Okt. schickten wir durch den Telegraphen Glück u. Segenswünsche u. die= se waren eben angekommen, als sie aus den [sic] Zimmer traten um in die Kirche zu fahren u. hatten große Freude erregt. Die Trauung war um 11 Uhr, nach derselben hatten sie ein Diner von 22 Personen u. Wilhelm soll so vergnügt gewesen sein, wie ihn Ida nie zuvor gesehen. Halb fünf Uhr fuhren sie von Wien weg u. nahmen ihren Weg über München hierher, am Sontag Abend nach acht Uhr kamen sie sehr vergnügt hier an, aßen erst bei uns u. zogen dann nach ihrer Wohnung, über die Ida ganz glücklich ist. Die Meubles u. die
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ganze Einrichtung, die aber auch sehr hübsch geworden ist, gefielen ihr so gut, daß sie vor Freude gar nicht hat einschlafen können. Wil= helm ist auch sehr glücklich u. heiter, möge Gott ihnen nur ihr Glück erhalten! Ida ist noch mit Auspacken ihrer großen u. schönen Ausstattung beschäftigt, sie hat viele große u. schöne Geschenke von ihren Verwandten bekommen, auch Wilhelm hat hier schöne Ge= schenke bekommen, unter ander von den alten Repsold's einen sehr großen u. äußerst geschmack= vollen Teppich u. von Hans ein [sic] sehr schöne Tischdecke dazu, Geschenke, die ganz unerwar= tet kamen. Die Arbeiter der Fabrik haben Wilhelm einen silbernen Becher gebracht u. ein Gedicht dazu drucken lassen eines davon für Dich u. eines für August werde ich unter Kreuzband schicken. Es zeigt da= von, wie sehr sich Wilhelm ihre Liebe erworben hat. Den [sic] guten Vater wurde die Zeit recht lang, bis Wilhelm u. Ida kamen u. er freut sich sehr daß beide so glücklich sind. Dieß waren nun frohe Nachrichten, die ich Dir berichten konnte, aber leider muß ich nun auch zu einer traurigen übergehen, die gute Tante Anna ist nicht mehr auf Erden, am 19ten Oktober ist sie in Marseille, wohin sie die Aerzte die Seeluft zu genießen, geschickt hat= ten, sanft u. schmerzlos eingeschlafen, acht Tage nach ihrer Ankunft daselbst. Frl. Mül= ler hat mir nur diese kurze Nachricht gegeben, da sie selbst tief betrübt, auch noch mit vielen Formalitäten geplagt war, den 15ten wollte
