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[note in the top left corner of page 1, written in pencil:] Wilhelm's Hochzeit. Tod der Tante Anna. Über Wagner's Stellung in Pulkowa. [/note in the top left corner of page 1, written in pencil]
Gotha, den 27ten Oktober 1863.
Meine liebe Maria!
Heute an Deinem Hochzeitstag werden sich wahrscheinlich unsere Gedanken begegnen, damals glaubte ich nicht, daß ich die Freu= de haben würde Dich so oft wieder zu sehen, doppelt dankbar blicke ich deßhalb zu Gott auf u. bitte daß er auch ferner mit sei= nen [sic] Segen über Euch walten u. uns diese Freude noch oft möge zu Theil werden las= sen. Für Deinen lieben Brief vom 6ten Oktober danke ich Dir herzlich, ich hatte mich sehr nach Nachricht von Euch gesehnt u. ver= langte sehr zu erfahren, wie sich August's Verhältnisse gestaltet hatten. Daß er wie= der als gewöhnlicher Arbeiter eintreten musste, war wahrscheinlich nothwendig für sein gutes Fortkommen im fremden Lande, mir aber konnte dieß das Herz nicht eben erleichtern, wie lange schon wünsche ich, daß er eine höhere Stufe seines Faches erreichen möchte! Daß er Euch nahe geblie= ben, ist mir ein großer Trost u. ich bin Euch unendlich dankbar für die Gastfreundschaft,
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sie nach [roman:] Vevey [/roman] zurückgehen u. die Leiche der lieben Anna mit dahin nehmen. Ich ha= be an sie geschrieben u. sie gebeten mir nähe= re Nachrichten über die letzten Lebenstage der Tante zu kommen zu lassen. Daß diese Nachricht, die ich zwei Tage vor Wilhelm's Hochzeittag erhielt, einen sehr tief schmerzlichen Eindruck auf mich machten wirst Du Dir wohl denken können, liebe Maria! ein großer Trost ist es mir, daß Du sie noch einmal gesehen u. ich durch Dich Näheres über ihre Verhältnisse erfahren habe. - Hans war drei Tage hier, die sehr glücklich für ihn u. Ida waren. Von ihm haben wir erfahren, daß jetzt ernstlich an die Be= setzung der Hamburger Sternwartenstelle gedacht wird u. daß im Werke sie die Stelle mit einer Mathematikstelle an einem Gimnasium zu verbin= den, wodurch der Gehalt erhöht werden soll, u. daß Wagner möglicherweise einen Ruf dahin erhalten wird. Nachdem wir nun durch Emma nach u. nach er= fahren haben, wie zurücksetzend Wagner von Otto St. behandelt worden ist, so sind wir der Meinung daß er dem Ruf folgen muß, wenn der Gehalt genügend für die Erhaltung seiner Familie ist. Da ich fast ver= muthe er wird sich Rath darüber von Deinen [sic] lieben Mann erbitten, da er dessen Adresse verlangt hat, so will ich doch schreiben, was wir erfahren haben, zu= erst, daß Winecke die Vicedirektorstelle, die eigent= lich Döllen u. dann Wagner gebührte erhalten hat. Wenn er auch in Wissenschaftlicher Beziehung der tüchtigste sein mag, so gehen ihm dagegen die Erfahrun= gen im russischen Geschäftsgang ab u. da Wagner doch eben keinen Grund zur Unzufriedenheit des Direktors gegeben hat, so hätte er, da Döllen [insertion:] der [/insertion] einen
