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Kinderwärterin erzählte uns, daß der kleine Peter ein bildschöner, kräftiger Junge gewesen sei, er musste sterben u. dieses elende Kind ist am Leben geblieben. Es war Gottes Wille, darum muß es ja gut sein! - August sah recht angegriffen aus, wie er hier ankam, Zahn= weh hatten ihn die letzte Zeit sehr geplagt, ich habe sie ihm in einigen Tagen mit Calcarea vertrieben, fürchte aber, daß sie bald wieder kommen werden, wenn er nicht noch eine Zeitlang anhaltend einnimmt. Ich hörte von seinem Freunde, daß er so oft an Halsweh leidet u. das macht mich besorgt um ihn. Es geht ihm sonst ganz gut in Berlin, er hat eine Stellung bei Marx, die sehr angenehm ist, ihm aber wenig einbringt, da aller Verkehr stockt u. es gänz= lich an Bestellungen in den Fabriken fehlt. Er sitzt im Bureau, zeichnet u. construirt u. hat die Aufsicht über die Werkstatt zu führen. Paul Eberhardt steht unter seiner Leitung. Leider war das Wetter, so lange er hier war, (gestern Nachmittag ist er wieder abgereist) sehr schlecht, am Tage seiner An= kunft hatten wir ein so heftiges Gewitter, wie sich fast niemand erinnern kann, u. in Folge dessen haben wir schreckliche Kälte u. heftige u. anhaltende Regengüsse. Die 3 Pfingsttage hat es unaufhörlich geregnet, glücklicher= weise war die junge Welt bei guter Laune geblieben, sonst würden sie ein sehr langweiliges Fest gehabt haben. Betty u. Maria Rothstein leisteten Gesellschaft u. Ida's ausgelasse= ne Laune verfehlte nicht den kleinen Kreis zu beleben. Ich hätte ihnen gerne eine Gesellschaft geboten, aber durch die vorhergegangene Unruhe fehlten mir die Kräfte dazu. Wir haben sehr viel an Euch gedacht, liebe Maria, u. hundertmal davon gesprochen ob wohl Buflebs bei Euch sein würden. Mit großer Sehnsucht sehen wir der Nachricht ihrer glücklichen Ankunft entgegen. Ueber der Tante Brief aus Southampton habe ich mich unendlich gefreut, der sehr
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glückliche Verlauf ihrer Reise bis dahin hat mir sehr gu= ten Muth verschafft u. die Hoffnung erhalten, daß sie glücklich ankommen werden. Daß es Dich so traurig gemacht hat, liebe Maria, daß Ida nicht mit kom= men konnte, thut mir unendlich leid u. hat mir auch das Herz um ein gutes Theil schwerer gemacht, ich hätte Dir ge= wiß gerne diese Freude gegönnt sie zu sehen, aber das war ja doch nicht möglich u. wenn Du alles reichlich u. ruhig über= legst, so wirst Du das gewiß auch selbst finden. Du weißt ja wie allein ich hier stehe u. kennst auch meine schwache Gesund= heit, die von den Sorgen, die ich um meine andern Kinder so oft habe, ohnehin schon genug leidet. Wenn Du meinst, daß eine Reise nach Amerika nicht mehr Gefahr habe wie nach Petersburg, so wirst Du wohl ganz recht haben, aber Du bedenkst nicht, daß ich von Amerika erst in 5 - 6 Wochen erfahren kann daß Ida glücklich angekommen ist, während ich von Petersburg in 8 Tagen die Nachricht haben kann. Gerade darin liegt der gewaltige Unterschied der Entfernung, den nur der beurtheilen kann, der, wie ich, Wochenlang mit Furcht u. Hoffnung für seine Kinder gekämpft hat. Ich hätte auch Ida nicht alleine nach Petersburg können gehen las= sen, doch ist mir immer klarer geworden u. Emma selbst schrieb daß sie Ida's Kommen ohne mich immer nur als etwas be= trachtet habe, was sie sehr wünsche, was aber unausführbar wäre. Daß es Ida einen ernstlichen Kampf gekostet nicht mit Buflebs reisen zu können, musst Du nicht denken, so gerne sie zu Euch gekommen, ebenso leicht ist es ihr ge= worden hier zu bleiben, ihr hat Gott die Gabe verliehen alles was sie drückt leicht abzuschütteln u. der ihr eigne hei= tere Frohsinn verlässt sie nie auf längere Zeit. Sie be= lebt unser Haus u. wenn sie nicht da ist, so ist es wie ausgestorben bei uns. Jetzt ist sie wahrhaft ausgelassen vor Freude durch die Aussicht in 4 Wochen nach Petersburg ab= reisen zu können, welcher Contrast zwischen ihr u. mir!
