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Transcribe Page - Lina Hansen to Marie Hansen Taylor, May 30, 1860

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[page 1, right-hand side of sheet 1]

Gotha, den 30ten May 1860

Meine liebe Maria!

Obgleich ich mir vorgenommen hatte Deinen lieben Brief welchen ich vorige Woche erhielt, sogleich zu beantworten so komme ich doch erst heute dazu, viele Unruhe die ich im Hau= se hatte, Kopfweh u. Mattigkeit machten es mir unmög= lich. Sontag vor 8 Tagen kam August, zu unserer großen Freude, ganz unerwartet an, u. brachte einen seiner Stu= bencollegen, deren er jetzt 2 hat, mit. Am Donnerstag Abend bekamen wir die thelegraphische Nachricht von Ber= lin, daß Otto Struwe mit seiner Familie, 9 Personen, den andern Mittag zu uns kommen würden, ich muß= te also in aller Eile Vorbereitungen treffen, was mir bei meinen wenigen Kräften, nicht eben leicht wurde. Sie trafen Freitag um 2 Uhr ein u. blieben bis Nachts 1 Uhr, wir alle kamen erst gegen 2 Uhr zu Bette. Struwes waren sehr angegriffen von der Reise, die sie zu Lande, bis Königsberg im eignen Wagen, gemacht hatten. Der älteste Sohn, der 8 Tage u. Nächte auf dem Bock des Wagens gefahren war, war ganz krank; er musste zu Bette liegen, so lange er bei uns war u. bei heftigem Fieber reiste er in der Nacht wieder ab, den andern Mittag hofften sie Schlangenbad, das Ziel ihrer Reise, zu erreichen. Das Herz war mir tief bewegt beim Anblick der beiden jüngsten Kinder, der kleine Junge, der in einer Woche mit Emmas kleinem Peter geboren wurde, sah so Elend, so blaß aus, wie ich noch nie ein Kind gesehen habe, es war ein jammervol= ler Anblick, die kleine Therese ist in Lina's Alter, sie sollte ein klein wenig kleiner u. etwas stärker wie diese sein. Die

[page 4, left-hand side of sheet 1]

ich kann mich durchaus noch nicht freuen, denn immer noch habe ich ja keine Nachricht von Wilhelm u. weiß also auch noch nicht, ob wir reisen werden. Soll ich fort gehen, wenn Wilhelm vielleicht gerade kommt, oder wenn ich noch gar keine Nachricht von ihm habe, so würde das eine zu große Gemüthsunruhe für mich werden u. denke ich wieder daran, [underline] wie [/underline] sich Emma auf unsern Besuch freut u. daß sie u. Ida um diese Freude kommen sollen, so bin ich ganz rathlos. Au= gust brachte mir die Nachricht mit, daß die Kabelarbeiten be= endigt wären, daß man aber von den Ingenieuren noch keine direkte Nachricht habe. Das hatte Siemens von Lon= don geschrieben, es muß diese Nachricht also durch den Thelegra= phen nach Aden gelangt sein, während die Ingenieure noch auf dem Meere waren. Durch die Zeitungen wissen wir, daß die Indische Post in diesen Tagen angekommen, leider aber scheint sie wieder keinen Brief für uns gebracht zu haben. - Die Nachrichten über Emma B. haben mich sehr betrübt, sie geben fast keine Hoffnung für ihre Genesung u. wie schrecklich muß es für die arme Tante sein, sie so zu finden. Vielleicht übt ihre Gegenwart doch noch einen günstigen Ein= fluß auf sie aus, aber viel Hoffnung habe ich nicht. Ueber= morgen werde ich vom ersten Erwachen an, an Dich denken lie= be Maria u. reichen Segen für Dich u. die Deinen von Gott erflehen. Vielleicht wird uns nächstes Jahr das Glück zu Theil diesen Tag zu= sammen zu verleben. Was wird das für eine Freude werden u. wie freue ich mich darauf, Lilian zu sehen! Wenn ich die beiden Enkelchen öfter bei mir haben könnte, so glaube ich, würde mancher Schmerz in meinem Herz gelindert werden. Ob wohl Lilian sich über die Spiel= sachen gefreut hat, die ich ihr geschickt habe? Ich freue mich schon da= rauf, wenn mir die Tante sie schildern u. von ihr erzählen wird. Was hast Du zu Lulu Heß ihrer Verlobung mit Knaut gesagt? ich sage, es ist ei= ne gute Parthie u. da Lulu, wie ich glaube, auch etwas von Pedanterie besitzt, so können Sie vielleicht ganz gut zusammen passen. Knaut geht es wie Dir, er ist nach der Verlobung wieder ganz jung geworden, bei ihm ist nur der Un= terschied, daß der graue Bart an sein Alter erinnert. Ich habe Lulu noch nicht ge= sprochen. In der Europa steht ein Auszug aus der griechischen Reise Deines lieben Mannes, "der Hofball in Athen". Wir haben lachen, ihn aber auch bewundern müssen, daß er den Muth hatte dem griechischen Hofmarschall den Namen eines Gürtelthieres beizulegen. Ich möchte wissen ob das eine getreue Uebersetzung ist.


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