Lina Hansen to Marie Hansen Taylor, March 19, 1860, p. 2 and p. 3 - image of
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lich. Die gute Tante Emilie hatte uns zu Tische gebeten, es war sonst Niemand da, aber sie hatte einen so schönen Tisch gedeckt u. alle meine Leibessen gewählt, es war des Guten nur zuviel für meinen schwachen Magen, der nur sehr wenig vertragen kann. Onkel u. Tanten waren recht munter u. ich war ihnen recht dankbar im Herzen für die Liebe, die sie mir erwiesen. Von Wilhelm hoffe ich sehnlichst auf einen Brief, nicht, daß ich er= wartete gerade zum Geburtstag einen zu erhalten, aber seit 3 Wochen hoffe ich schon darauf u. immer noch vergeblich. Zum Glück habe durch Ida Horn= bostel eine Nachricht von ihm, dieser hat er bei seiner Ankunft in Aden, nach sehr glücklich vollbrach= ter Arbeit, am 17ten Februar, einige Zeilen geschrie= ben u. gesagt, daß er ihr u. mir bald mehr schreiben würde u. ich kann deßhalb nicht begreifen warum die= ser Brief so lange ausbleibt, ich sehne mich so sehr von ihm selbst etwas zu hören, der letzte Brief, den ich von ihm habe, ist vom 3ten Januar. Er sollte noch die Fehler am Kabel im Rothen Meere aufsuchen, wozu einige Wochen nöthig sein sollten u. dann zurückkehren. Sie= mens erwartet ihn, wie mir August schreibt, Anfang oder Mitte April. Es thut mir sehr leid, daß ich Deinen Auf= trag in Bezug auf den Burnus nicht ausrichten konn= te, aber Wilhelm hat mir gar keine Adresse angege= ben, wo ich noch einmal hinschreiben könnte, wenn ich Dei= nen Brief nur eine Woche früher erhielt, hätte ich auf gut Glück noch eben Brief nach Suez geschickt, aber dazu war es zu spät, der Brief geht fast 3 Wochen dahin u. er muß ja, wenn er nicht besonderes Unglück auf dem Rothen
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Meere gehabt hat, schon auf der Rückrei= se sein. Vielleicht kann er Dir aber einen durch die Thelegraphischen die dort geblieben sind, be= sorgen lassen. Ich weiß noch gar nicht was nun zu- nächst seine Bestimmung sein wird, ob er noch andere Kabel legen soll oder ob er nach Petersburg gehen wird. Sehr froh bin ich zu wissen, daß das Kabel glücklich gelegt ist u. er gesund in Aden angekommen ist, aber ich habe noch Furcht vor dem Rothen Meere das ein sehr ungesundes Klima haben soll u. daß die Fehler eines Kabels aufzusuchen, eine viel schwie= rigere Arbeit sein wird, als es zu legen. Gestern habe ich Antwort von Frl v. Müller auf meinen Brief, den ich vor 14 Tagen an sie schrieb, erhalten, leider geht es mit der armen Tante Anna gar nicht gut, sie scheint sehr, sehr viel zu leiden u. ich glaube aus den Aeußerungen der Frl v. Müller schließen zu müssen, daß keine Hoffnung für ihre Genesung ist. Ich bin sehr tief betrübt über diese Nachricht. Mein u. Ida's Brief hatte Anna erhalten u. sich sehr darüber gefreut, sie ließ Ida sagen, sie dürfe ja das Englische nicht liegen lassen, dazu sei sie viel zu weit u. sie würde ihr ihren Brief noch selbst beantworten. Dazu bemerkte F. v. M. daß daran freilich noch lange nicht zu denken sei, denn die Schmerzen der Wunde erlaubten die Bewegung des Armes nicht. Sie fährt zuweilen aus, u. das soll immer eine große Freude für sie sein, oft aber auch dulden die Schmerzen die Bewegung des Wagens nicht. Durch ihren hohen Sinn für Schönheit u. Kunst soll sie doch zuweilen auf Au= genblicke u. auch länger abzuziehen u. aufzuheitern, still er= geben immer u. einigermaßen hoffnungsvoll auch sein. Sie ließ mich bitten, Dich, liebe Maria, recht herzlich zu grüßen, sie sei von Deiner Theilnahme überzeugt u. sie würde so gerne ein=
