Lina Hansen to Marie Hansen Taylor, March 19, 1860, p. 1 and p. 4 - image of
« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
[page 1 (sheet 1, right-hand side):]
Gotha, den 19ten März 1860.
Meine liebe Maria!
Vielen herzlichen Dank für Deine Glückwün= sche zu meinen [sic] Geburtstag u. den sehr schönen Kragen mit welchen [sic] Du mich beschenkt hast, er hat mir große Freude gemacht. Als ich am Morgen keinen Brief von Dir auf meinem Geburtstagstisch fand, hatte ich schon die Hoffnung aufgegeben an die= sem Tag noch einen zu erhalten, nach einer Stunde aber kam wirklich der Briefträger u. brachte Deine beiden Briefe, an Ida u. mich u. so war nun meine Freude doppelt groß darüber u. ich betrachte es als einen besonders glücklichen Zufall, daß der Brief gerade noch am 16ten ankam. Ida hatte mir einen recht hübschen Geburtstagstisch aufgeputzt, mit schö= nen Blumen Kuchen, Wein u. Wassergläsern, ein Geschenk vom lieben Vater u. dazu Briefpapier u. Couverts, 2 Chemisettchen mit gesteppten Kragen u. einer roth u. weiß gehäkelte Decke von Ida, einer sehr schönen gestrickten Bettdecke von Tante Augusta, 6 Paar schönen Tassen u. Zuckerdose, von Tante Emilie u. Natalie u. einen Spitzenkragen von Emma mit Briefen u. auch einen Brief von August, der dieses mal sehr pünktlich gewesen ist. Es war alles so schön u. machte mir auch Freude aber dabei war das Herz mir doch voll Wehmuth u. Sehnsucht, die an solchen Tagen immer viel reger u. empfindlicher in mir wird, wie gewöhn=
[page 4 (sheet 1, left-hand side):]
März 1860
mal die Bekanntschaft der kleinen Lilian ma= chen, der sie einen großen Platz in ihrem Herzen eingeräumt hätte. Ich soll mich nicht ängstigen, wenn die Nachrichten säumen, wenn etwas besonderes vor= fiele, so würde ich gleich davon in Kenntniß gesetzt werden. Ich muß aber jeden Tag mit der größten Sorge an sie denken. An meinem Geburtstag erhielt der Vater die Rede, welche der Präsident der Astronomischen Gesellschaft in London bei der Ertheilung der goldenen Medaille an den Vater, gespro= chen hatte, sie ist sehr schmeichelhaft für denselben u. ich freue mich ungemein daß doch einmal öffentlich sein Verdienst um die Mondtafeln ausgesprochen worden ist. Den Schluß der Rede den Plänkner übersetzt hat, habe ich abgeschrieben u. lege ihn hier bei. Der Vater lässt Dir sagen Du möchtest Dir doch die Rede selbst, die an die Amerikanischen Sternwarten gesandt wäre, zu ver= schaffen suchen, es würde Dich gewiß interessiren sie zu lesen. Diese Rede ist mir der beste Trost in Bezug auf die Enke'schen Streitigkeiten, sie ist die beste Rechtfertigung für den guten Vater. Der Tittel der Rede ist: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Februar 10. 1860. - Lilian muß ein sehr liebes Kind sein, wie sehr freue ich mich, wenn Gott uns wirklich die Freude geben sollte, Euch im nächsten Jahre mit ihr zu sehen. Dieser Gedanke ist ein Lichtpunkt, an dem ich mich wer= de aufzuheitern suchen, die Freude Emma mit ihrer Lina in die= sem Sommer zu sehen, habe ich aufgegeben, es kostet mir große Ue= berwindung, aber ich muß mich darein zu finden suchen. Es drückt mich nicht allein der Schmerz, daß ich diese Freude entbehren muß, sondern auch der, daß Emma sehr unglücklich darüber sein wird. Der Vater will ich soll alleine mit Ida reisen u. er will dann 8 Tage dazu nehmen um uns abzuholen. Dazu entschließe ich mich aber nie, ich könnte keine Stunde ruhig sein, er weiß selbst nicht, wie viel er entbehren würde, wenn weder ich noch Ida bei ihm wären. Ich denke jetzt ernstlich daran Ida mit der Professorin Riegel, die wahrscheinlich diesen Sommer ihre Kinder [strikethrough] reis [/strikethrough] besuchen wird, ob=
