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Du mir Deine Theilnahme nicht versagt. Ich hoffe jetzt sehr auf einen Brief von Wilhelm, wenn die Arbeit geglückt wäre, so müsste ich wohl in diesen Tagen einen erhalten, ich schwebe deßhalb zwischen Furcht u. Hoffnung. August schreibt mir, seit er wieder in Berlin ist recht wenig, ich hoffe nun schon seit 8 Tagen, täglich auf einen Brief von ihm. Die Geschäfte stocken immer mehr in Berlin, man hat wieder Furcht vor dem Ausbruch eines Krieges, möge uns Gott davor bewahren! Mit sehr großem [sic] Interesse haben wir die Fortsetzung Deiner Reisebeschreibung gelesen u. sind dabei oft in vollem Staunen gewesen, über das, was Du Dir zu= gemuthet u. durchgesetzt hast, die Tur nach den Geysern ist freilich höchst interessant gewesen u. wohl werth daß man solche Strapazen darum erträgt, aber es werden doch wohl nicht viele sein, die Dir es darin nach= machen können. Den[sic] Onkel Braun habe ich die Be= schreibung davon gleich geschickt u. er, so wie die Tan= ten, die Freitag, die eben dort war u. auch Agnes u. Leopold sind in ebenso großem [sic] Entzücken, aber auch Erstaunen darüber gewesen, wie wir. Der Onkel hat bedauert, daß Dein lieber Mann kein Geograph sei u. Leopold, daß er kein Jäger. Ich schreibe die Bogen jetzt für Emma ab, die sich gewiß sehr darüber freu= en wird u. mir ist es des Abends, wenn ich allein sitze eine sehr angenehme Unterhaltung. Freilich geht es nicht schnell damit, ich bin erst bis zum 4ten Bogen gekommen. Ida ist in dieser Zeit oft des Abends nicht zu Hause gewesen, zuweilen im Theater u. auch in Gesellschafen. Ich freue mich, daß sie die= se Vergnügungen hat, denn sie ist ja jung u. voller Lebenslust u. hat so viel frischen heiteren Sinn, der sie
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bei allen beliebt macht, aber fertig bringt sie noch nicht viel, weder im Studiren noch in häuslichen Arbeiten. Leider liebt sie den Schlaf sehr u. das späte Aufstehen ist oft Ursache, daß sie nicht vorwärts kommt. Ich weiß freilich selbst auch nicht, wie schnell die Tage hingehen, ohne daß ich selbst mit meiner Arbeit vorwärtskomme, daß ich noch viel leisten könnte mußt Du nicht glau= ben, liebe Maria, wenn ich zuweilen einmal eine Gesellschaft habe, so ängstige ich mich schon wieder zwei Wochen vorher darum ab, wie ich darüber hin= kommen soll, so ging es mir auch mit den [sic] kleinen Ball u. hätten sich nicht Ida u. August nicht schon so lan= ge vorher darüber gefreut, so hätte ich ihn wohl gar nicht gegeben, es war eine große Anstrengung für mich. Es ist mir eigentlich noch kein Winter so ungemüthlich verflossen, wie dieser, was helfen die vielen Zimmer, wenn man sie nicht bewohnen kann, nur mit großen Kosten können sie so geheizt werden, daß man sich behaglich darin fühlt u. bei kalten [sic] Wetter ist das gar nicht zu erzwingen. Von den hübschen Sachen in meinen [sic] Zimmer habe ich kei= nen Genuß, da ich mich nicht darin aufhalten kann u. das erweckt oft ein so ungemüthliches Gefühl in mir daß ich mich mehr u. mehr nach unserm alten Haus zurückgesehnt habe, es war kleiner, aber wie unend= lich bequemer für mich. Wir haben aber auch einen ziemlich kalten Winter gehabt, den ganzen Februar durch Kälte u. Massen von Schnee, auf dem Walde soll er so hoch liegen, daß in manchen Dörfern die Häuser so im Schnee vergraben sind, daß die Be= wohner den ganzen Tag Licht brennen müssen, so habe ich in der Zeitung gelesen, aber wahr ist es
