http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Taylor_0198_0002.jpg - image of
« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
[page 2, left-hand side of sheet 2]
möglich sie zu halten bis ich wieder Kräfte gesammelt hatte u. so wurde sie denn bis vorgestern verschoben u. so schwer es mir auch da noch wurde, so hatte ich doch die Freude eine sehr vergnügte u. glückliche Gesellschaft zu haben, es war wohl ein Vergnügen eine so voll der frischesten Luft tanzende Ju= gend zu sehen. Gestern war ich nun freilich wieder so ab= gespannt davon, daß, so fest ich mir auch vorgenommen hatte an Dich zu schreiben, es mir doch ganz unmöglich war, denn zu meiner Müdigkeit hatten sich auch noch die heftigsten Kopf= weh gesellt. Auf dem Neujahrsball war ich auch mit, u. das war schon eine große Anstrengung für mich, da aber August's Bekannte gestern schon alle wieder wegreisten, so konnte ich diese Gesellschaft nicht länger verschieben. Nun wird mir ja hoffent= lich bis zur nächsten Wäsche wieder eine ruhigere Zeit zu Theil werden, in der ich wieder neue Kräfte sammle. An Ida habe ich eigentlich noch sehr wenig Hülfe, leider nimmt sie sich der häus= lichen Arbeiten nur sehr ungern an. August kam den 22ten December hier an, er ist sehr schmal geworden u. sieht deß= halb noch viel größer aus, so daß viele behaupten er sei noch mehr gewachsen, was aber nicht der Fall ist. Sein Gesicht hat ein viel älteres Ansehen bekommen u. dadurch eine auffal= lende Aehnlichkeit mit Wilhelm auch an den Onkel Emil er= innert er mich sehr oft. Er scheint mir lange nicht mehr so kräftig zu sein, wie er früher war, ich fürchte immer er hat durch die furchtbar anstrengende Arbeit im vorigen Frühjahr seiner Gesundheit einen Stoß gegeben. Diesen Monat wird er, denke ich, bei uns bleiben, vielleicht wird er in dieser Zeit, wieder etwas zunehmen, es schmeckt ihm unser Essen sehr gut. Von Wilhelm habe ich vorige Woche einen Brief aus Aden bekommen, bis dahin war seine Reise glücklich von Statten gegangen, die Fahrt auf dem Rothen Meere war sehr heiß gewesen, die Nächte noch drückender wie der Tag u. nur vor Sonnenaufgang hatten sie etwas kühlere Luft empfunden. Er schrieb, daß von Cairo an die Civili= sation ein Ende gehabt hätte u. daß er auf dem Rothen
[page 3, right-hand side of sheet 2]
Meere zum erstenmal daran erinnert worden wäre, wie weit er nun von Europa entfernt sei u. wie viel weiter er immer noch davon wegkommen würde. Sein Brief war an des Vaters Geburtstag geschrieben u. er hoffte da noch sehr auf die An= kunft der Kabelschiffe, durch Zeitungsnachrichten haben wir erfahren, daß diese den 8ten December in Aden angekommen sind, wahrscheinlich nachdem Wilhelm seinen Brief schon ge= schlossen, denn die Nachricht muß, wenn sie wahr ist, mit der= selben Post die den Brief brachte, nach Europa gekommen sein. Wie es ihm geistig u. körperlich ging hat er gar nicht er= wähnt, er beschreibt nur die öde Gegend u. die Stadt Sug u. Aden. Erstere kann wohl, seiner Beschreibung nach kaum eine Stadt genannt werden, da sie nur aus elenden Hütten besteht. Vielleicht ist er nun auf der Rückreise von Karatschi begriffen, möge Gott geben, daß ihre Arbeit glücklich von Stat= ten geht, es ist keine leichte u. sehr mißlich ob sie gelingen wird u. wie viel Zeit sie dazu brauchen werden, ehe sie wieder nach Aden kommen u. daß bis dahin Wilhelm jeder Nachricht von der Heimath, seit seiner Abreise entbehren muß, liegt mir sehr schwer auf der Seele u. scheint mir für ihn ein hartes Geschick zu sein. Auf eine thelegraphische Nachricht darf ich auch nicht mehr rechnen, da die Kabellegung zwischen Constantinopel u. Alexan= dria mißglückt u. dadurch die Verbindung zwischen beiden Welttheilen nicht besteht u. ich hatte einen so großen Trost in diesen Gedanken gefunden. Carl Hölzer ist jetzt zum Besuch bei seinem Vater u. eben von dieser verunglückten Expedi= tion zurückgekommen, durch ihn habe ich diese Nachricht, die meine Besorgniß über den glücklichen Ausgang jener Expedition bei der Wilhelm ist, sehr vermehrt hat, gehört. Auch sagte er mir, daß die Kabellegung auf dem Rothen Meere 3 Monate erfordert hätte u. die Strecke ist weit kleiner, wie die nach Indien. Wilhelm hoffte, wie mir schien, ziemlich sicher, daß er im Februar wie= der in Aden sein würde. Seine arme Braut lebt auch eine schwere Zeit durch, sie scheint sich viel Sorge um Wilhelm zu ma= chen, ich habe vorige Woche einen Brief von ihr erhalten, in welchen [sic] sie mir ihre ihre Freude bezeugte, daß Wilhelm glücklich in
