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men hätte, gewiß nicht sein u. mir sehr schwer werden würde. Meine Köchin geht den 1ten Oktober ab u. ich werde dann nur ein Haus= mädchen, welches schon 5/4 Jahre bei mir ist, haben. Für 2 Mädchen u. eine Wirthschafte= rin habe ich durchaus nicht Arbeit genug da wir ja so ganz stille hinleben u. kommt Be= such so kann ich Sophie zur Hülfe haben. Wenn, wie wir ja so sehnsüchtig hoffen, der Krieg bald beendigt ist, so kann ja die Schwe= ster von Fr. Schreiber doch noch nach Ameri= ka diesen Herbst kommen. Ich hatte nichts davon gehört daß sie reisen wollte, weiß auch nicht ob sie hier wohnt, sehr gerne möchte ich ihr etwas für Euch mitgeben wenn sie noch nach Amerika ginge u. werde sehen durch Sophie etwas darüber zu erfahren. Von Deinen Schwiegereltern haben wir noch nichts gehört, so gerne wüssten wir ob sie ihre Reise ohne Noth bis in die Schweiz zurückgelegt haben. Es wär gar zu gut für uns gewe= sen wenn Ida mit ihren Kindern noch einige Wochen hätte zu uns kommen können, auch für sie selbst wäre es doch wohl eine Erho= lung, aber ich habe noch nicht den Muth
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troffen, sie beklagen Todte u. Verwundete, auch unter den Landleuten herrscht viel Trauer, die meisten sind noch ohne Nachricht von den Ihrigen. In Deutschland sind die Geschäfte wieder in Gang gekommen, Wilhelm hat schon wieder so viel Bestellungen daß er über Feiera= bend arbeiten lässt, aufgehört hat es in seiner Fabrik gar nicht mit der Arbeit, er bekam noch nach Ausbruch des Krieges die Bestellung einer eisernen Brücke für die Gotha - Leinefelderbahn die so schnell wie möglich fertig werden musste, zu dieser musste er alles alte Eisen zusammen suchen da ihm das Eisen ausging u. eine große Ladung die in Marburg lag nicht befördert werden konnte. Nächste Woche kommt Agnes Braun von Pulkowa zurück, sie ist die ganze Zeit sehr vergnügt dort gewesen u. kann in ihren nicht genug rühmen wie freund= lich Wagners gegen sie gewesen sind. Emma hat auch viel Noth mit ihren Leuten u. hat die ganze Zeit selbst das Kochen besorgen müssen wozu sie eigentlich die Kräfte gar nicht hat. August's kleiner Junge soll sehr gut gedei= hen, Doris aber noch recht angegriffen sein. Nun, meine liebste Marie, muß ich aber schlie=
[text on top of page 1, written upside down:] ßen, die herzlichsten Grüße an Dich u. Deinen lie= ben Mann, daß dieser so wohl u. geistig frisch thätig ist, freut mich sehr. Lieb Lilian senden wir einen Kuß u. freuen uns sehr daß ihre Schule übermorgen wieder anfängt. Gott be= hüte Euch! Mit innigster Liebe Deine Mutter [/text on top of page 1, written upside down]
[text at bottom of page 1, written upside down:] Onkel Bufleb ist sehr schwach. Was macht Annie Breistedt? [/text at bottom of page 1, written upside down]
