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gehabt sie darum zu bitten da die Repsold' sche Familie sehr gedrückt von den Ereignis= sen ist; Hans jüngster Bruder hat vorige Wo= che doch nach der französischen Grenze mit seinem Regiment marschiren müssen, ein älterer Bruder der seit vorigem Jahre in Compagnie mit einem französi= schen Kaufmann ist ausgewiesen worden u. über England, da ihm die Reise durch Belgien verboten wurde, sehr entmuthigt in Hamburg angekommen. Oscar, dem 3ten Bruder ist das erste Kind, kurz nachdem es geboren war, gestorben. Die Reise von Hamburg hierher könnte Ida jetzt ungehin= dert machen u. an einen Angriff der Fran= zosen auf deutsche Küsten ist ja jetzt nicht mehr zu denken, überhaupt hat man den nie ernstlich gefürchtet. Jo= hannes Hensel hat auch mit nach der Gren= ze ziehen müssen, seine Eltern sind sehr gedrückt dadurch u. können sich nicht darein finden. Adolph Braun ist noch in Magdeburg aber täglich gewärtig auch nach der Grenze gehen zu müssen.
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Diese Woche ist auch von hier wieder Ersatzmannschaft für unser Gothaer Regi= ment fortgezogen, wenn man die jungen Leute so frisch u. kräftig fortziehen sieht, sticht der Gedanke über das Schicksal welches sie treffen kann tief in die Seele. 120 Ver= wundete sind vor einigen Tagen wieder für unser Reservelazareth hier angekom= men u. täglich gehen Züge mit Verwun= deten hier durch. Ein Sohn von Marie Per= thes in Bonn ist vor Metz durch den Leib ge= schossen worden u. bald darauf gestorben, zwei andere Söhne [insertion:] von ihr [/insertion] kämpften noch vor Metz mit, der eine davon ist glücklich durchgekommen von dem andern hat sie noch keine Nachricht. Ein junger Kämmerer von hier liegt in Augsburg im Lazareth ziemlich schwer verwundet, die Familie blieb wochenlang ohne Nachricht von ihm, er war schon bei Wei= ßenburg verwundet, hatte dort lange ohne Hülfe auf dem Schlachtfeld gelegen u. war von schändlichen Räubern bis auf Hose u. Hemd ausgezogen worden, mit der Weste hatten sie ihm 200 rt in Geld genommen. Noch viele Familien hier hat es hart ge=
