Eugen and Lisbeth Haas to Eugen Klee, November 24, 1920, p. 2-3 - image of
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Abend nach Höringen gefahren. Besonders gewundert habe ich mich über die Frische von Tante Lenchen Cherdron. Tante Berdel scheint Sorgen zu haben. Das Geschäft liegt ziemlich still und Onkel Berdel ist gesundheitlich nicht glatt durch den Krieg hindurchgekommen. Wir machten mit Tante Mathilde einen Rundgang, besuchten die Kirche, den Friedhof und unser Geburtshaus. Ich habe phot. Aufnahmen gemacht, die ich Euch mit dem nächsten Briefe sende. Sie sind noch nicht fertig. – Bei den jungen Leutchen in Höringen war es auch recht nett. Wenn man an das Leben keine Ansprüche stellt und an sich selbst genug hat, dann wird auch das abgelegenste Fleckchen zum Paradies. Bei den Schwiegereltern in Heuchelheim haben wir uns an schweinernem, butternem, milchernem u.s.w. gütlich getan. Bei Bauersleuten herrscht immer Wohlstand.
Während wir uns so ruhig der Ferienstimmung hin= gaben wurde für mich daheim im Bezirkslehrerverein Landau-Annweiler und auf der Lehrervertreterver= sammlung in Kaiserslautern mein Arbeitsbündel=
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chen gepackt. Ohne mein Wissen und Dabeisein wurde ich
in Landau zum Vorsitzenden des schulpol. Ausschusses gemacht,
rückte als solcher in den Bezirkslehrerausschuß ein und wurde
14 Tage danach in Kaiserslautern zu einem Kursus des
Vereins „Freunde der Schule“ nach Nürnberg beordert. Aus jedem
Kreise der Pf des Landes Bayern nehmen deran fünf Vertreter
auf Kosten des bay. Lehrervereins (in München ist der Hauptsitz)
teil. Aus der Pfalz bin ich unter den fünf, als Vertreter der
Südpfalz und zwar der Bezirke Landau, Annweiler, Bergzabern,
Kandel, Germersheim und Speyer. Der Kurs beginnt Samstag
den 27.11. Nach meiner Rückkehr habe ich in den obenge=
nannten Bezirkslehrervereinen zu referieren: am 4.12. in Landau,
am 11.12. in Kandel, am 18.12. in Bergzabern u.s.w. An Arbeit
fehlt es also nicht.
Es ist Neuland das mir zur Bearbeitung zugewiesen wurde, dessen Umfang und Tiefe von den Wenigsten aus unsern Reihen erkannt ist. Doch gerade weil es Neuland ist, sind dem Schaffensdrange und der Gestaltungsmöglichkeit keine Grenzen gesetzt. Der Grundgedanke ist der – nach meiner Auf= fassung: Lehrer wollen sich durch planmäßige schulpol. und methodische Arbeit zu Lehrer- und Erzieherpersönlichkeiten heran=
