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Transcribe Page - Eugen and Lisbeth Haas to Eugen Klee, January 5, 1920

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Eugen and Lisbeth Haas to Eugen Klee, January 5, 1920, p. 2 - image of

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schickte ich ein Fuhrwerk zur Bahn und um die Mittagstunde transportierten wir unsere Kiste freudestrahlend die Treppe herauf. Meine Angst, sie könnte ausge= raubt sein, zeigte sich sofort beim äußeren Anblick als unbegründet; denn die äußerst sichere Verpackung war unverletzt. Der vorzüglichen Verpackung ist es auch zu danken, daß nicht das Geringste fehlte. Auch Aufschriften und Adressen waren unverletzt. Eine solche Kiste kann man nicht mir nichts dir nichts stehlen und um sie aufzubrechen, wäre auch längere Zeit notwendig gewesen. Sie hat sich durch ihre Größe und Schwere gleichsam selbst geschützt. Auch die Aufstellung über den In= halt war von Dir, lieber Onkel, recht sorgfältig gemacht und unbeschädigt. Allerdings eine Lebensmittelkiste dürfte solche Aufstellung nicht enthalten; denn hungrige Menschen würden durch sie gar zu leicht in Versuchung geführt werden. Nach halbstündiger Arbeit hatten wir sie geöffnet und die ganze Familie, mein Freund Keßler aus Speyer und mein Ortskollege Zitt nebst dessen Schwiegersohn u Frau (letztere eine aus Straßburg vertriebene Professorsfamilie) umstanden die Herrlichkeiten. Helenchen packte zuerst zu und wir mußten herzlich über ihre Geschäftigkeit lachen. Die Freude hättet ihr sehen sollen, die sie an dem Vielerlei hatte! Am meisten Spaß machte ihr die farbige Wolle. Sie trug die Päck= chen in die Stube auf einen Haufen, setzte sich mitten hinein und riß an jedem einzelnen Knäuel die Papierhüllen ab. Nun wir Großen! Ich kann es nicht sagen, wer eine größere Freude hatte. Kleinhelenchen oder wir Alten. Freudenlaute wechselten ab mit bewundernden Ausrufen und Tränen der Dankbarkeit, als wir soviel Liebe, soviel Güte sahen. Wir hatten beim Anblicke von so vielen schönen, guten, brauchbaren Dingen, die mit großer Liebe ausgewählt, mit äußerster Sorgfalt und bewundernswerter Geschicklichkeit verpackt waren, nur Worte des Staunens und der Dankbarkeit. Da fehlte aber auch nichts von der einfachen Sicherheitsnadel bis herauf zum feinsten Kleide und Mantel. Die Kiste war un= erschöpflich. Es würde zu weit führen, wollte ich alle die einzelnen Dinge heraus= greifen und Euch davon schreiben, wie sie uns nützen. An jedes einzelne Stück knüpften sich einige Gedanken – solche der Bewunderung über die Schönheit desselben; Betrachtungen über die Nutzbarkeit, und solche der Freude über lange entbehrte Dinge. Großartig ist Euch auch die Überraschung mit dem "Photographenaparat" gelungen. Als ich das Kästchen in die Hand nahm, rief ich aus:"Auch einen Rasieraparat hat der Onkel nicht vergessen!" Ich öffnete das Kästchen und ─ tschschschsch ─ sprang die chinesische Eidechse mitten in den Kreis der interessierten Zuschauer. Das Hallo hättet ihr hören sollen! – In den nächsten Tagen kommt die Näherin


[page 2:] schickte ich ein Fuhrwerk zur Bahn und um die Mittagstunde transportierten wir unsere Kiste freudstrahlend die Treppe herauf. Meine Angst, sie könnte ausge- raubt sein, zeigte sich beim äußeren Anblick als unbegründet, denn die äußerst sichere Verpackung war unverletzt. Der vorzüglichen Verpackung ist es auch zu danken, daß nicht das Geringste fehlte. Auch Aufschriften und Adressen waren unverletzt. Eine solche Kiste kann man nicht mir nichts dir nichts stehlen und um sie aufzubrechen, wäre auch längere Zeit notwendig gewesen. Sie hat sich durch ihre Größe und Schwere gleichsam selbst geschützt. Auch die Aufstellung über den In- halt war von dir, lieber Onkel, recht sorgfältig gemacht und unbeschädigt. Allerdings eine Lebensmittelkiste dürfte solche Aufstellung nicht enthalten; denn hungrige Menschen würden durch sie gar zu leicht in Versuchung geführt werden. Nach halbstündiger Arbeit hatte wir sie geöffnet und die ganze Familie, mein Freund Kepler aus Speyer und mein Ortskollege Zitt nebst desssen Schwiegersohn u. Frau (letztere eine aus Straßburg vertriebene Professorsfamilie) umstanden die Herrlichkeiten. Helenchen packte zuerst zu und wir mussten herzlich über ihre Geschäftigkeit lachen. Die Freude hätte ihr sehen sollen, die sie an dem Vielerlei hatte! Am meisten Spaß macht ihr die farbige Wolle. Sie trug die Päck- chen in die Stube auf einen Haufen, setzte sich mitten hinein und riss an jedem einzelnen Knäuel die Papierhüllen ab. Nur wir Großen! Ich kann es nicht sagen, wer eine größere Freude hath. Kleinhelenchen oder wir Alten. Freudenlaute wechselten ab mit bewundernden Ausrufen und Tränen der Dankbarkeit, als wir soviel Liebe, soviel Güte sahen. Wir hatten beim Anblick von so vielen schönen, guten, brauchbaren Dingen, die mit großer Liebe ausgewählt, mit äußerster Sorgfalt und bewundernswerter Geschicklichkeit verpackt waren, nur Worte des Staunen und der Dankbarkeit. Da fehlte aber auch nichts von der einfachen Sicherheitsnadel bis herauf zum feinsten Kleide und Mantel. Die Kiste war un- erschöpflich. Es würde zu weit führen, wollte ich alle die einzelnen Dinge heraus- greifen und Euch davon schreiben, wie sie uns nützen. An jedes einzelne Stück knüpften sich einige Gedanken - solche der Bewunderung über die Schönheit derselben, Betrachtungen über die Nützbarkeit, und solche der Freude über lange entbehrte Dinge. Großartig ist Euch auch die Überraschung mit dem "Photographenaparat" gelungen. Als ich das Kästchen in die Hand nahm, rief ich nur:"Auch einen Rasieraparat hat der Onkel nicht vergessen!" Ich öffnete das Kästchen und - tschschsch - sprang die chinesische Eidechse mitten in den Kreis der interessierten Zuschauer. Das Hallo hättet ihr hören sollen! - In den nächsten Tagen kommt die Näherin [end page]


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