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Transcribe Page - Lenchen Berdel to Eugen Klee, August 6, 1919

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Lenchen Berdel to Eugen Klee, August 6, 1919, p. 6 and p. 7 - image of

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[revised version]

[page 6:]

Niemand durfte ich meine Angst & Verzweifelung klagen, die jungen Herzen meiner Kinder durfte ich nicht brechen; aber wenn des Abends alles zur Ruhe war, wanderte ich, gebrochen an Leib & Seele in meinem großen leeren Haus herum, schrie & weinte, jammerte & flehte zu Gott, er möge mir meinen Liebsten lassen & uns nicht ins Verderben führen. Kein Herzeleid der Welt kann diesem gleichen. Von morgens bis abends kämpfte ich den Kampf ums tägliche Leben, denn ich alleine hatte nun die Familie zu ernähren & Nachts ließen mich Kummer & Sorge nicht zur Ruhe kommen! Endlich – nach 5 furchtbaren Monaten, war der ärztliche Befund derart,

[page 7:]

daß Papa nach Landau als Gerichtsschreiber angefordert wurde. Nun konnte man einigermaßen aufatmen, aber stets der Dämpfer: wenn der Zustand behoben muß er doch, gleich seinen gesunden Kameraden ins Feld. Man konnte niemals Aufatmen! Auf der Kanzlei war er & seine Pflichttreue von den Vorgesetzten sehr geschätzt & durfte mit Gottes Hilfe bis zum Schluß bleiben d. h. er mußte mit dem Batl. als Älteste[r] Rechtsrheinisch, [insertion:]von[/insertion] wo er Mitte [insertion:] 19 [/insertion] Dezember zurück kehrte. Das erste Leiden ist etwas gehoben, das zweite bleibt zeitlebens; er ist furchtbar schmal & müde durch was soll man sich auch kräftigen? Alles, alles ist vorgeschrieben & nur nach Marken käuflich. Fleisch gibt es fast nicht.

[left margin, rotated 90°, top to bottom][underlined twice:] 3 Jahre also war er fort.


[page 6:] Niemand durfte ich meine Angst & Verzweifelung klagen, die jungen Herzen meiner Kinder durfte ich nicht brechen; aber wenn des Abends alles zur Ruhe war, wanderte ich, gebrochen an Leib & Seele in meinem großen leeren Haus herum, schrie & weinte, jammerte & flehte zu Gott, er möge mir meinen liebsten lassen & nur nicht ins verderben führen. Kein herzeleid der Welt kann diesem gleichen. Von morgens bis abends kämpfte ich den Kampf ums tägliche Leben, denn [underline:] ich alleine [/underline] hatte nun die Familie zu ernähren & Nachts ließen mich Kummer & Sorge nicht zu Ruhe kommen! Endlich - nach 5 furchtbaren Monaten, war der ärztliche Befund derart, [end page]

[page 7:] daß Papa nach Landau als Gerichtsschreiber angefordert wurde. Nun konnte man eineigermaßen aufatmen, aber stets den Dämpfer: wenn der Zustand behoben muß er doch, gleich seinen gesunden Kameraden ins Feld. Man konnte niemals aufatmen! Auf der Kanzlei war er & seine Pflichttreue von den Vorgesetzten sehr geschätzt & durfte mit Gottes Hilfe bis zum Schluß bleiben d. h. er mußte mit dem Batl. als älteste Rechtsrheinisch, von wo er Mitte [insertion:] 19 [/insertion] Dezember zurück kehrte. Das erste Leiden ist [underline:] etwas [/underline] gehoben, das zweite bleibt zeitlebens; er ist furchtbar schmal & müde durch was soll man sich auch kräftigen? Alles, alles ist vorgeschrieben & nur nach Marken käuflich. Fleisch gibt es fast nicht.

[left margin:][underline:] 3 Jahre [/underline] also war er fort.

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