Caroline and Wilhelm Emmel to Karl Emmel, March 13, 1939, p. 3 - image of
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geschrieben war, sie wurde so gelobt, war nach ihrer Ansicht besser als
Vollmilch, das Ende wird sein daß wir in der Stadt nur abgerahmte
Milch bekommen. Da ist es nicht nur der Kaffee sondern auch die
Milch worüber ich klagen muß. Ja so ist es, ihr habt leicht lachen.
Du lieber Karl wolltest gern wissen wie es Ernst Schmidt (nicht
Morgenroth) geht. Ernst ist immer der Alte. Er hat sich die Jahre zurück
sehr abgearbeitet als die Kinder klein waren u. sein Schwager Vietor
oft krank. Jetzt kann er nicht mehr mit ins Feld gegen, aber zu Hause
leistet er noch viel, er ist in allen Handwerken geschickt auch kann
er nicht mehr soviel gehen, der Stumpen tut ihm dann weh u. er
kann dann Nachts nicht schlafen. Seine Schwester Luise ist gut zu ihm.
Aber ihr Mann läßt zu wünschen übrig, jetzt wo die Kinder groß sind
ist er auf Ernsts Hilfe nicht mehr so sehr angewiesen u. läßt [insertion:] er [/insertion] sich von
Ernst nichts mehr sagen, wenn Ernst auch recht hat. Da gibt es dann
oft Unstimmigkeiten. Jetzt haben sie den Raifeisenverein mit der
Sparkasse wie auch der Bechtheimer Wilhelm hat. Da haben sie alle zutun [sic]
Es ist bei ihnen wie überall, etwas bleibt immer zu wünschen übrig. Der
liebe Gott wolle nur seine Schwester Luise nicht vor Ernst sterben
lassen. Sie haben auch viele Sorgen mit ihrer Schwester Lina welche nach
Allendorf verheiratet ist, deren Mann war auch immer ein großer
Faulenzer u. Linas Vermögen ist fast alles fort. Als nun das dritte Reich
entstand pfiff er auf dem letzten Loch u. hatte dadurch nichts rascher zutun [sic]
als sich an die Partei zu klammern. Seid [sic] voriges Jahr ist er Luftschutz=
lehrer in Wetzlar u. hat ein ganz gutes Einkommen. Solange sie in Allen=
dorf noch wohnten haben sie sich mit andern Kirchengliedern so verfeindet
alles durch ihren Parteigram [sic] welcher doch immer gegen alle Kirche schafft.
Jetzt ist Linas ganze Familie u. sogar die Schwiegermutter aus der Kirche
[ausgetreten u. alle Ermahnungen halfen nichts.?] Ihre Kinder schickten sie [?]
[illegible, text cut off]
