Leipzig 7. Juli 1887
Herrn C. Haase Richmond Va 624 Broad Str
Wir empfingen Ihr Schreiben vom 10. Juni a.c., woraus wir mit Erstaunen ersehen, wie die Herren H. Wallerstein u Co. Sie vollständig ohne Kenntniß unsrer Correspondenzen der letzten zwei Jahre gelassen haben. Wir fühlen uns verpflichtet Ihnen nun Alles mitzutheilen, was seit unserm letzten Briefe an Sie, der vom 18. April 1885 datiert war, geschehen ist. Diese Mittheilungen machen wir Ihnen privatim und verlassen uns fest darauf, daß Sie die Herren H. Wallerstein u Co. nicht erfahren lassen, was wir Ihnen geschrieben. Ihr Brief vom 1. Mai 1885 avisierte uns die bevorstehende Ankunft des Herrn Hermann Wallerstein senior, der am 29. Juni hier in Begleitung eines Herrn Binswanger aus Richmond eintraf und sich 3 Tage aufhielt. Er wartete vergeblich auf Briefe von Ihnen, um zu erfahren, was er für Sie besorgen sollte und beschränkte sich darauf, Verschiedenes in Kanin, Astrakan u.s.w. anzusehen. Er über- gab uns 1400 raw Mink, die hier bei einem Spediteur Namens J.C. Seebe bereit lagen, in Consignation. Am
Am liebsten hätte er uns den Rest aller raw Furs gegen baar verkauft - to close out wie er sagte. - Doch zogen wir vor, sie in Consignation zu behalten. Ueber sein Verhältniß zu Ihnen sagte er uns, daß im Jahre darauf sein Con- tract mit Ihnen abliefe, er würde denselben wahrscheinlich nicht erneuern; doch wollte er uns darüber noch schreiben, was aber nicht geschehen ist. Vorläufig sollten wir sämmt- liche Correspondenzen nur an ihn richten, da er und seine Söhne die Schreibereien allein besorgten, wie überhaupt das Raw Furs = Geschäft eigentlich zu seinem Produkten- handel gehöre. Er machte uns im Namen der Firma H. Wallerstein & Co. den Vorschlag von da ab Raw Furs für gemeinschaftliche Rechnung zu handeln, wir behielten uns Bedenkzeit darüber vor. Dies waren die einzigen Vorfälle während seines Hierseins, soweit sie uns be- trafen. Wir haben nicht beobachtet, daß Herr W. damals mit anderen hiesegen Firmen in lebhafteren Verkehr getreten wäre, nur Herrn Künne hat er mehrere Male besucht. Ueber seinen Vorschlag, raw furs für gemeinschaftliche Rechnung zu handeln haben wir dann im Herbst 1885 mit seiner Firma mehrfach correspondiert, doch haben diese Verhandlungen zu keinem Ziele geführt und wurden Ende des Jahres 85 abgebrochen. Seit Beginn des Jahres 1886 schrieben wir folgende Briefe an Herrn H. Wallerstein & Co. und zwar von diesem Zeitpunkte ab alle nur in Ihren Angelegenheiten: 1886. 29. Januar mit Verkaufsrechnung und Conto Corrent bis ulto Decbr 1885 = Anlage II
1886 2. Novbr mit Verkaufsrechnung = Anlage III
1887. 30 April mit Schluß - Verkaufsrechnung und Contocorrent bis 15 Mai 1887. = Anlage IV
Mit letzerem Briefe avisierten wir den Herrn H. Wallerstein & Co. auch unsere Tratte über Mk 1984.70 pf - a' vista, Ordre Knauth, Nachod & Kühne. Der Wechsel kam aber unbezahlt zurück. Bald darauf empfingen wir einen Brief von H. Wallerstein & Co. , datiert: --- 1887. 9.Juni, Anlage VI. Wir haben diesen Brief sowie unsre obengenannten drei Briefe nebst erwähnten Beilagen: Conto Correnten etc. für Sie abgeschrieben und behändigen Ihnen diese Abschriften mit den angegebenen Numern versehen. Wir schon erwähnt halten wir uns Ihrer Verschwiegenheit im Voraus versichert, bedauern nur daß Sie von unsern Briefen etc. keine gehörige Kennt- niß erhalten haben. Indem wir unsre Briefe infolge der mündlichen Aufforderung des Herrn Wallerstein nur an dessen Firma richteten, handelten wir in dem guten Glauben, daß man Sie wegen Ihrer Ar- beit im Manufacturieren von der Mühe mit Correspondenz und Buchführung ent- lasten wollte.
Da wir seit November 1885 von H. Wallerstein & Co. nichts gehört und das Nichthonoriren unsrer Tratte uns sehr verstimmte, waren wir schon fest entschlossen gegen diese Firma und gegen Sie mit aller Strenge vorwärts zu gehen, um den uns kommenden Saldo einzutreiben. Wie Sie aus der letzten Copie ersehen, haben uns die Herren H. Wallenstein & Co. ganz an Sie verwiesen.
verwiesen. Wir ersuchen Sie deshalb uns Deckung für den uns per 15 Mai kommenden Saldo im Betrage von Mk 1984.70 pf sowie für die seitdem aufgelaufenen Zinsen a' 5% einzusenden und sind von Ihnen überzeugt, daß Sie als ehrlicher Mann die Sache schnell ordnen werden.
Ihre Aufgabe würde es dann bleiben, sich mit den Herren H. Wallerstein & Co. auseinanderzusetzen, wenn etwas in der Abrechnung nicht stimmen sollte, welche diese Herren Ihnen gemacht haben. Da Sie uns schreiben, daß Sie von sämmtlichen Shipments keine Notizen finden, so legen wir behufs Grundlage zu einer Controle darüber eine Uebersicht der Stückzahl derselben nebst Sales hier bei, Anlage V - ferner auch die allererste Verkaufsrechnung vom 1. Novbr 1884 nebst dazu gehörigem Conto Corrent vom 31. Dezbr 1884. Anlage I
Sollten Sie sonst noch Auskunft über irgend einen Punkt wünschen, so stehen wir Ihnen damit gern zu Diensten. Wir erwarten Ihre umgehende Antwort nebst Deckung und zeichnen Achtungsvoll S. B. Hötte & Söhne