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Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901

Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901, p. 1
Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901, p. 2
Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901, p. 3
Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901, p. 4
Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901, p. 5
Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901, p. 6

Author

Heinrich Haas

Recipient

Eugen Klee

Date

May 8, 1901

Origin

Callbach, Pfalz

Description

Letter from Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901. Heinrich Haas was the widower of Eugen Klee's sister Amalia.

Type

letter

Language

German

Tags

1900-1909, transcription under review

Source

Eugen Klee Papers

Collection

Eugen Klee Papers (HSP)

Repository

Historical Society of Pennsylvania

Citation

“Heinrich Haas to Eugen Klee, May 8, 1901.” Eugen Klee Papers, Historical Society of Pennsylvania, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1955

Original text

Callbach, den 8. Mai 1901

Mein lieber Eugen!

Dein lieber Brief, auf den wir lange mit Sehn- sucht gewartet haben, traf uns bei bester Gesund- heit an. Wir waren recht beunruhigt über Dein langes Schweigen, weil wir Dich krank glaubten. Recht haben wir uns gefreut, daß gerade das Gegen- teil derfall ist. Wir wünschen Dir auch ferner- hin nur die beste Gesundheit, damit der "schöne Eugen sich noch öfter einen neuen Frack" beilegen muß. Gestern kam auch die Sendung der hübschen Lieder u. der beigelegten Zeitungsabschnitte an. Vielmals herzlichen Dank, mein Lieber. Herrlich sind Deine beiden Kompositionen; ich bin nicht wenig stolz auf Dich, eiligst will ich mit der Einübung derselben beginnen, um sie mit Stolz dirigieren zu können. Ich habe einen sehr guten Verein, dessen Konzerte immer sehr fleißig aus dem nahen Meisenheim besucht werden.

[page 2:]

Ich habe zwei ausgezeichnete Tenoristen mit wunderhübschen Stimmen, ebenso einen vorzüg= lichen Baß. "Waldharfen" haben wir im letzten Konzert mit großem Erfolg gesungen. Ich kann mich getrost an die schwierigsten Sachen wagen, nur sind diese für unsere ländl. Verhältnisse nicht immer lohnend. Wenn jetzt unser liebes Malchen noch da wäre, wie würde es sich über seinen lieben, strebsamen Bruder und über sein Kind, das sich geistig u. körperlich so prächtig entwickelt, freuen. Aber, leider ist nur die Erinnerung ge= blieben. Vor einigen Wochen habe ich einen hüb= schen u. sinnvollen Grabstein aus schwarzem Syenit - vierseitig zulaufende, abgestumpfte Pyramide - setzen lassen; er kostet mich mit Ein= fassung 384 M. Du willst wissen, mein Lieber, wie es um den Lehrerstand bestellt ist; ganz erbärm= lich in Bayern. Viele gehen nach Hessen u. Preußen, wo die Stellen bedeutend besser sind. Wir haben

[page 3:]

in der Pfalz eben großen Lehrermangel, es sind nahe= zu 250 Stellen unbesetzt. Jedenfalls soll das von der Regierung in Kaiserslautern neuer= richtete Lehrerinnseminar der Calamität steuern. Die Wurzel des Übels will man von Hoher Stelle nicht kennen. Wir Lehrer haben zwar ein Petition um Gehaltsregulierung eingereicht u. auch um Honorierung des Kirchendienstes. Der im Herbst zusammentretende Landtag wird sich damit zu befassen haben. Was wird herausspringen? Wie die Aussichten jetzt schon sind- wahrscheinlich sehr wenig. Unser Kultusminister scheint uns nicht günstig gestimmt und dann das große Chor von Schwarzröcken! Unser Loos ist dem des Poeten gleich: "Die Welt ist weg gegeben." Nun, mein Lieber, zu meinem Privatleben. Dieses ist ein recht trauriges. Wer so an Liebe und Sonnenschein gewöhnt war, wie ich; wer ein so sparsames u. haushälterisches Frauen, wie

[page 4:]

mein Malchen, seinem Hauswesen vorstehen [strikethrough:] w [/strikethrough] hatte, war zu beneiden. Vieles, mein Lieber, habe ich verloren, denn ich habe "Viel" besessen. Wie ganz anders ist es heute! In Saus und Braus wird gewirtschaftet und doch leider kein ver= nünftiges Essen auf dem Tisch. Von Sparsamkeit keine Spur und zu allem muß man schweigen. Wer heute so von fremder Laune abhängen muß, wie ich, der ist zu beklagen. Meine Haushälterin ist schon hoch in den sechziger Jahren, ein kleines schwaches Frauchen, das auch nicht mehr den Anforderungen der Haushaltung gewachsen ist. Ich war aber froh, als ich sie nach dem Ableben meines lieben Malchens bekommen habe, denn dergleichen Personen sind bei uns rar. Eine jüngere Person wollte ich nicht ins Haus nehmen, um dem Dorfklatsch keine Nehrung zu geben. Bis Juli will meine Haushälterin wieder heim, sie will nicht mehr länger bleiben,

[page 5:]

weil sie daheim bei ihren einzigen Sohn, dessen Frau in Hoffnung ist, notwendig sei. Eine ande- re Haushälterin nehme ich nicht mehr, denn so viel weißt mein mageres Gehalt nicht aus, um so weiter zu wirtschaften. Ich beabsich- tige, mich wieder bis August hin zu ver- heiraten und zwar mit unserem Bäschen Elise Heck vom Blechhammer, in nächster Zeit wird die Verlobung stattfinden. Die Anregung ging von unseren Verwandten selbst aus. Es fällt mir dieser Schritt furchtbar schwer, ganz besonders im Hinblick auf mein Kind. Wenn es nicht die nahe Verwandtschaft wäre und ich daher annehmen kann, daß mein Kind in Elise eher eine Mutter wieder findet als in einer uns fern stehenden Person, so würde ich diesen Schritt nicht mehr wagen. Eine fremde Person könnte ich auch mit den Heiligtümern meines lieben, unvergeß-

[page 6:]

lichen Malchens nicht schalten und walten sehen. Es war auch der Wunsch meines Malchens, denn öfters sagte es mir, als es sich nicht mehr recht wohl fühlte: Sollte ich dir verfallen, dann betrauere mich hübsch, sehe dich dann um eine brave Person um, die dann meine Stelle ersetzt und unserem Kinde eine Mutter ist. Damals glaubte ich nicht, jemals diesen Wunsch nach- kommen zu können und der Gedanke daran war mir schrecklich. Ich habe mein Malchen geliebt - unendlich. Aber, mein Lieber, mit den Toten kann man nicht mehr leben und die Verhältnisse sind oft mächtiger als der Wille. Mein Kind ist mit meinem Vorhaben völlig einverstanden. Ich habe Eugenchen gleich zu Rate gezogen als die Anregung an mich erging; er sieht auch schon ein, daß es so nicht weiter gehen kann. Und Du, lieber Schwager, zürne mir nichts, seg- ne mich und wünsche mir im Stillen viel Glück. Deine Freundschaft u. Liebe möchte ich nicht missen.

Leb wohl u. sei herzlich gegrüßt u. geküßt von Deinem treuen Schwa- ger H. Haas

Eugenchen sendet ebenfalls herzl. Gruß u. Kuß.


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