Lodz, 6. Mai 1901
Geehrter Herr Klee!
In der besten Hoffnung, dass meine Zeilen glüklich in Ihre Hände anlangen mögen, bitte ich Sie gleichzeitig um Entschuldigung, dass ich es gewagt habe an Sie zu schreiben. Es sind nun schon 4 1/2 Jahr verflossen seitdem ich Philadelphia verlassen habe, bin aber jetzt Russland müde, und möchte gern wieder nach Amerika zurück, möchte aber gern wüssen wie der Geschäftsgang jetzt in Amerika ist, ob man auch Arbeit bekommen kann. Deshalb möchte ich Sie bitten, wenn Sie so freundlich sein möchten, und mir einige Zeilen darüber schreiben möchten. Iich würde Sie sehr dankbar dafür sein, und möchte wieder Ihr Sänger sein da wo es gilt, wie ich es stets war. Habe ich doch eine sehr gute Tenorstimme und singe bis zum hohen D. habe auch hier schon im Theater einige male im Quartet gesungen. Will Ihnen auch mitteilen dass ich seit 10 Monat. verheiratet bin, habe auch eine gute Parthie gemaht, aber was nützt das alles, in Amerika
[page 2] ist es doch schöner als hier in Russland. Nun bitte ich Sie nochmals, wenn Sie die Güte haben wollen an mich einige Zeilen richten, dann erwarte ich Ihr Schreiben mit Hohahtung [Hochachtung] und verbleibe mit Gruss
Emil Luckez
Meine Adresse Emil Luckez bei Ferdinand Schmidt & Co Nawrot strass Nr. 33 in Lodz russ Polen.
Möchte Weberei arbeiten oder irgend eine Arbeit so wie es in Amerika Mode ist. Schreiben Sie bitte ob es jetzt schlechter ist als im Jahre 1896. Erwarte baldigs[t] die ersehnte Antwort!