Mein lieber Bruder Eugen!
Ach! wie fange ich nur
meinen Brief an, damit
ich Dir meinem
edlen Eugen einigermaßen entsprechend
antworte. Vor allem danke ich herzlich,
für mir zugedachten Sachen. Alles werde
ich in größer Ordnung erhalten, so, daß
wenn Du einst Dein Zimmer hier be-
wonhst, noch alles (auch das Geringste) wie-
der findest, wie dus verlassen. Daß durch
Deine schönen Sachen unser Gutes= und
Fremdenzimmer durch Schönheit bedeutend ge-
hoben wurde, kannst Du Dir denken. Deine bei-
den Ölgemälde hängen in ihrer erhabenen
Schönheit über den beiden Thüren welche
ins Fremden= u in Vaters Zimmer führen.
Das frühere Studierzimmer von Heinrich
ist jetzt Vaters Zimmer; dieses gefällt
ihm am besten im ganzen Hause. Dein Bett
steht neben einem anderen Bett im Frem-
denzimmer und sind beide Bettn mit
weißen Decken (einer Handarbeit von mir) bedeckt.
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O! wie schön ist‘s eben bei uns. Es ist
nur schade, daß dies Haus in Schmittweiler
und nicht in Philadelphia steht. Dort würde
es mit unserm Garten, der eben sehr
schön ist, eine wahre Willa sein. Doch ich
gedulde mich auch in Schmittweiler am
besten ist‘s ich habe immer Arbeit.
Arbeit macht das Leben süß
Macht es nie zur Last.
Der nur hat Bekümmerniß
Der die Arbeit haßt. _
Sehr oft denke ich an Mina
im Geiste kann ich sie sehen so herzlich
lachen, wenn Ihr über Krakau sprecht.
Als Kind war sie einmal auf Besuch
von Blechhammer nach Otterberg gekomen
da war sie ganz erstaunt und lachte
so über die Fenster, welche ihr alle so
winzig klein vorkamen. Kurz, wir
waren damals so gut aufgelegt über
alles zu lachen, daß die Tante Bitz über
uns Spottmäuler schellten mußte.
Bitte grüße Mina recht herzlich und sein Mann und sei du
1000 mal gegrüßt und geküßt von
Deiner treuen
Schwester Malchen