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Emilie Hassel and Marianne Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 1, 1872

Emilie Hassel and Marianne Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 1, 1872, p. 1
Emilie Hassel and Marianne Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 1, 1872, p. 2
Emilie Hassel and Marianne Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 1, 1872, p. 3
Emilie Hassel and Marianne Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 1, 1872, p. 4

Author

Emilie Hassel

Marianne von Rappard (Hassel)

Recipient

Friedrich Wilhelm Hess

Date

June 1, 1872

Origin

Hamm, Westfalen

Destination

Cincinnati, Ohio

Description

Letter to Friedrich Wilhelm Hess from his sister, Emilie Hassel, and mother, Marianne Hassel, June 1, 1872.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, transcription under review

Source

Friedrich Wilhelm Hess Papers, Rattermann Collection

Collection

Hess/Hassel Family Letters

Repository

Illinois History and Lincoln Collections, University of Illinois Library

Citation

“Emilie Hassel and Marianne Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, June 1, 1872.” Friedrich Wilhelm Hess Papers, Rattermann Collection, Illinois History and Lincoln Collections, University of Illinois Library, accessed from German Heritage in Letters, March 11, 2026, https://germanletters.org/items/show/1756

Original text

[page 1, 1st author:]

Hamm den 1ten Juny 1872.

Geliebter Sohn!

Hoffentlich werden unsere Bilder, mit Emiliens Brief in Deine Hände sein u bey Dir gewiß eine kleine Freude verursacht haben, Gleichermaßen erhielten wir gestern deine Zeitungen, deren gelehrten u unter= haltenden Inhalt uns jetzt sehr beschäftigt. Ersteres geht stellenweise doch über unsern Horizont, doch werden wir durch letzteres recht angenehm unterhalten werden. Sollte Deine Güte mal wieder für uns so eine Über= raschung im Sinn u Ausführung bewerkstelligen, bitte lieber Wilhelm, so schreib mit Blei am Rande der Blätter „ich bin gesund und habe Euch recht lieb!“ schöneres und besseres bringt hier auch die neue Welt nicht. Zu deinen herannahenden Geburtstag sagen wir Dir, mein Sohn, unsere innigsten Glück u Seegenswünsche, möchten sie alle an Dir in Erfüllung gehen, so würdest du reich sein an Seel und Leib, fröhlich u wohlgemuth deinen Lebensweg weiter gehen, u gewiß sein das [insertion:] durch [/insertion] treue Pflicherfüllung *FOOTNOTE: "Pflicherfüllung"= "Pflichterfüllung" * Gottes Seegen u Achtung u Anerkennung [strikethrough:] die [/strikethrough] unserer Mitmenschen uns zufallen werden. Sehr wünsche ich daß diese wenige Zeilen am 27ten d. in deine Hände kommen möchten. Es machte mir so große

[page 2:]

Freude als Dein Glückwunsch zum 6ten Mai auch grade eintraf u meine Freude erhöhte u die Briefe von all meinen Kinder meinen Geburtstags [insertion:] tisch [/insertion] schmückten! Aus Coblenz – Hildesheim u Zäkerick haben wir gute Nachrichten – bis auf Bertha noch, die sehr viel an Kopfweh leidet – sind alle wohl. Paula erwarten wir bald, hoffentlich hohlt Hermann sie ab. Für heute lebe recht wohl, geliebter Wilhelm, u behalte recht lieb Deine treue Mutter.

[page 2, 2nd author:]

Es gereicht mir zur ganz besonderen Freude, Dir zu Deinem herannahenden Geburtstage, lieber Bruder, die treusten Glückwünsche zu übersenden. „Gott mit Dir!“ in diesen Worten liegt ja Alles ausgesprochen, was mein Herz für dich erflehen und erbitten möchte. Hoffentlich hast Du zum 27ten unsere Photographien in Deinem Zimmer arrangieren können, und wirst durch sie recht warm und treu an die alte Heimath erinnert. Gestern waren wir noch auf dem Kirchhoff, die Mutter seit vorigem Sommer zum

[page 3:]

erstenmale wieder, da wird jetzt der Epheu so schön grün, auf den Ruhestätten unserer Lieben; ich brach für Dich ein Blatt von Vaters Grab, es macht Dir gewiß eine wehmüthige Freude. Mein Fuß bringt mich oft dort hin, dort ist Ruhe und Friede, und Beides wirkt stets wohlthuend auf mich. Habe vielen, vielen Dank für die Uebersendung [strikethrough:] -en [/strikethrough] der Zeitungen, sehr lebhaft interessiren mich die Verhandlun= gen des Kongresses, und ich verfolge Alles mit großer Spannung und Aufmerksam= keit. Wenn man im Ganzen so still lebt, wie wir, so ist es ja auch durchaus nöthig, den Geist auf diese Weise zu beschäftigen, was nicht mit vorwärts geht, das bleibt nicht allein stehen, nein es geht zurück, und das möchte ich um keinen Preis. Das tägliche Leben und die Prosa treten zwar stets an uns heran, aber andere und geistige Interessen dürfen nicht darunter leiden. Im Ganzen wird auch

[page 4:]

meine Zeit mal durch Correspondania in Anspruch genommen, Mutter wird es sehr schwer, sie büßt in der Regel mit Kopfweh, und da bin ich dann gewöhnlich die Vermittlerin und gebe den fernen Geschwistern von unserm Ergehen Nachricht. Den 2ten und 3ten Juni ist hier großes Musik= fest, Onkel Buhlmann war vom Verein hier zu eingeladen, wir erwarteten ihn ganz fest, da er zugesagt hatte, und gestern schreibt er ab. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, wir hätten ganz gern gehabt, wenn er gekom= men wäre. In meinem nächsten Briefe, fahre ich fort, Dir von der Familie mitzutheilen, von Onkel oder vielmehr Vetter Gustav und Kinder schrieb ich ja wohl noch nichts näheres. Für heute ein herzliches Lebewohl, laß bald von Dir hören und denke oft und gern an Deine

alte Emmy.


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