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Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871

Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871, p. 1
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871, p. 2
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871, p. 3
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871, p. 4
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Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871, p. 9
Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871, p. 10

Author

Emilie Hassel

Recipient

Friedrich Wilhelm Hess

Date

December 6, 1871

Origin

Hamm, Westfalen

Destination

Cincinnati, Ohio

Description

Letter from Emilie Hassel to her brother, Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, transcription in progress

Source

Friedrich Wilhelm Hess Papers, Rattermann Collection

Collection

Hess/Hassel Family Letters

Repository

Illinois History and Lincoln Collections, University of Illinois Library

Citation

“Emilie Hassel to Friedrich Wilhelm Hess, December 6, 1871.” Friedrich Wilhelm Hess Papers, Rattermann Collection, Illinois History and Lincoln Collections, University of Illinois Library, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1752

Original text

Hamm den 6ten December 1871

Mein lieber Wilhelm!

Durch Deinen lieben Brief hast Du uns eine recht innige, große Freude bereitet, und ich danke Dir denselben so recht von Herzen. Es war wahrlich ein Festtag für uns zu nennen, wie wir so gute Nachrichten über Dein Ergehen erhielten, und Du uns selbst mittheiltest, daß Du Dein gutes Auskommen, eine Dir zusagende Stellung und einen angenehmen Freundes und Bekannten=kreis gefunden. Mit großem Interesse haben wir das von Dir verfaßte Gedicht im Sontagsblatte des: "Cincinnati Volksblatt", gelesen, Du kannst mit Schiller rivalisieren, und hast ebenso ergreifend, wie spannend und zugleich dem entsetzlichen Er=eigniß entsprechend, treu und wahr geschildert; das muß dort mehr wie schrecklich gewesen sein, ich kann ohne Grausen nicht daran denken. Aber wir danken Dir doch recht herzlich dafür, und solltest du einmal wieder Deiner poe=tischen Ader freien Lauf lassen und uns wieder ein Exemplar übersenden, so kannst Du

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Doch nun für heute genug, mein lieber Wilhelm, nächstens liefere ich Fortsetzung, die Mutter und ich grüßen Dich viel tau=sendmal, und bitten dich recht freundlich um baldige Nachricht. –

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[page 2:]

überzeugt sein, daß wir dadurch Dir zu großem Dank verpflichtet sein würden. Unsern alten Mutter wird im Ganzen recht schwer, [insertion:] zu schreiben [/insertion] sie liest es in der Regel mit Kopfschmerzen, ich nehme es ihr daher größtentheils ab, und benachrichtige die Geschwister über unser Ergehen, und da Du Dich ja auch, mein guter Bruder, mit meinen Zeilen gern zufrieden erklärst, so gereicht es mir zu ganz besonderer Freude, Dir so oft Du es nur irgend wünscht, von uns Mittheilungen zu machen. Um Dich von allen Erlebnissen der letzt vergangenen Zeit wieder in etwa [roman:] au fait [/roman] zu setzen muß ich wohl für heute etwas weiter ausholen, und beginnen, als für uns Alle wohl [insertion:] mit [/insertion] dem tieftraurigsten und zugleich ereignißvollsten Moment, wo der plötzliche Tod uns unsern unvergeßlichen Vater entreißt. Wie Mutter, Onkel Gustav und auch ich Dir damals alle Einzelheiten getreu mittheilten, so weiß ich doch nicht ob dir alle diese Briefe zugegangen sind, wir haben 7 Briefe in kürzeren und längeren Zwischenräumen an Dich gesandt, auch Fritz hat es versucht Dich brieflich zu erreichen aber wohl auch ver=

[page 3:]

gebens. Nach dem Tode unseres nun verklärten Va=ters mußten natürlich die Verhältnisse geordnet werden, da stellte es sich dann heraus daß mehr Schulden, wie Mittel vorhanden waren, und um dieselben decken zur helfen, verkauften wir die entbehrlichsten Sachen und machten reine Bahn. Die auswärtigen Geschwister schickten der Mutter gerichtliche Vollmachten, für Dich wurde hier ein Kurator ernannt, der aber diesen Sommer gestorben ist, Mutter ist bereits abermals aufgefordert, einen anderen Kurator zu ernennen, im Falle Du nicht selbst Dein kleines Eigen=thum wünschen solltest. Es ist nun sehr freund=lich und liebevoll von Dir, daß du die Mutter darüber [strikethrough:] willst [/strikethrough] nach ihren Gutdünken willst verfügen lassen, das geht aber nicht, ohne gerichtliche Vollmacht von Dir, läßt das hiesige Gericht nichts verabfolgen, und wenn es Dir dort nicht gut möglich ist, oder auch nicht paßt, dann laßen wir die ganze Sache ruhen. Nur zu gern möchten wir Dir den Anzug von Vater übersenden, er hat ihn ein einziges Mal zu seinem Jubiläum getragen, Dann könnten wir vielleicht einige Photographien von

[page 4:]

uns beifügen. Gieb uns doch Mittel oder Wege an, wie es Dich am Besten und Sichersten errei=chen kann, es macht Dir doch vielleicht Freude. Mutter und ich bezogen damals gleich eine kleine Wohnung, 3 Stuben, Küche und Keller, vor dem Süden-Thor gelegen, aber recht freundlich und gemüthlich. Wir halten kein Dienstmädchen, sondern morgens kommt nur eine Aufwärterin, die die gröbsten Arbeiten verrichtet, sonst bedienen wir uns selbst, oder ich, vielmehr die Mutter, was ich mit großer Liebe und gern thue. Wir kochen selbst, da das Gasthausessen theils schlecht, theils auch zu theuer für uns ist. Überhaupt ist die Theu=erung hier jetzt groß, und wir müssen alles gut überlegen. Mutters Einnahme besteht in 250 Thaler Witwen-Geld und dann noch als eine besondere Gnadenzulage vom König 150 Thaler, sodaß wir im Ganzen 400 Thaler zu verzehren haben. Du wirst selbst ermeßen können, wie weit das reicht, und wenn nicht die Geschwi=ster so manches gut gespicte Kistchen mit Wein oder kräftigen Sachen für die Mutter uns zukom=en [FOOTNOTE: "zukomen" = "zukommen"] ließen, so wäre es für M.s Pflege in ihren alten

[page 5:]

2/

Tagen oft schwach bestellt. Aber alle sind gleich bereit und sinnen nur darüber nach, wie und wo sie helfen und erfreuen können, und so haben wir dann manche herrliche Ueber=raschung, die uns dann wieder weiter hilft. Aber Mutter ist stets zufrieden und heiter, wenn sie nur gesund ist, aber in den letzten Jahren hat sie doch recht abgenommen, vorigen Win=ter ist sie 8 Monate nicht aus der Stube gekommen, und hat uns rechte Sorge gemacht. Der Sommer ist immer besser, ich habe wieder rechte Angst vor dem Winter, der Schnee liegt schon ganz hoch, und wir haben starken Frost. Die Be=kannten hier haben sich treu zu uns gehalten und besuchen die alte Frau außer der Stadt recht oft und wir plaudern dann recht ge=müthlich zusammen. Du siehst also wohl, lieber Wilhelm, daß wir über nichts zu klagen haben, im Gegentheil volle Ursache haben, dem gütigen Gott recht dankbar zu sein, er hat bisher geholfen, und ich hege die frohe Zuver=sicht , er wird noch ferner helfen. Dies war nun wohl recht egoistisch von mir, so lange und viel von uns hier zu reden nun kommt als die Aelteste der auswärtigen Geschwister [underline:] Bertha [/underline] an die

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Ein treues Gott befohlen von Deiner alten [roman:] Emmy [/roman].

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Reihe, von der ich nicht genugsam hervorheben kann, welch reiches, schönes Gemüth sie hat, die große Herzensgüte des Vaters ist auf sie übergegangen, fern von allem Egoismus, nur stets an andere denkend. Sich selbst dabei vergeßend. Westarp ist jetzt Land-drost in Hildesheim, eine etwas schwierige Stellung im annectirten Lande, aber im Ganzen doch angenehm. Sie bewohnen dort eine sehr geräumige und hübsche Dienst-Woh=nung von Gärten umgeben, und bin ich sehr gerne dort. - Sie haben jetzt noch 5 Söhne, einer ist gestorben. Victor, Rudolf, (Adolf gestorben) Louis, Otto und Wolf.- Victor und Rudolf sind Kadetten, beide nette Jungens, leider behagt aber Victor das Lernen nicht recht so daß Ru=dolf eine Klasse höher wie der ältere Bruder sitzt, ein practischer Soldat wird er wohl werden, aber sicher kein Generalstäbler. Rudolf ist eine sinnige und liebenswürdige Natur, die gut zu leiten ist. [roman:] Louis [/roman] ist ein mehr wie ge=scheuter Bengel, voller Leben und Interesse für Alles, ein doppeltes Glück für ihn, da der rechte Arm von der Schulter bis zum Ellenbogen

[page 7:]

gelähmt ist, auch kein Arzt helfen kann, da eine Muskel geschwunden ist, in Folge eines Schlag=anfalls den er im ersten Lebensjahr erleiden mußte. Am Liebsten würde er wohl studieren wenn die Mittel denn vorhanden sind Otto sieht äußerlich und auch in seinem ganzen Wesen wieder Rudolf ähnlich , er ist sehr drollig und hat oft komische Einfälle, wie es mit dem Lernen steht, läßt sich noch nicht recht beur=theilen, er fängt erst an. Dann kommt Wolf, der Löwenbändiger genannt. Wölfchen ist ein sehr zartes , kleines Kind, wunderbar überhaupt daß er noch lebt, Niemand dachte daß er auf=kommen würde so erbärmlich war er. In der Nothtaufe erhielt er seinen Namen, wahrlich eine Satire auf seinen mehr wie zarten Kör=per. Er bedarf sehr noch der Pflege und kräftigere Sachen, wird aber sicher immer kein Gold wer=den . Sein Geist ist seinem Körper vor, er ist mehr wie lebendig und ein kluger Bursche. Die arme Bertha war damals ein ganzes Jahr krank, sie lag sehr gefährlich am Gelenk-Rheumatismus, hat entsetzlich gelitten und aus=standen, [FOOTNOTE: "ausstanden" = "ausgestanden"]

[page 8:]

das linke Armgelenk und ein Fuß sind noch oft ganz geschwollen und steif, so daß sie diesen Sommer nach [roman:] Oeynhausen (Rheme) [/roman] [FOOTNOTE: possibly Bad Oeynhausen] mußte um Linderung zu suchen. Das wurde ihr recht schwer, theils der Kosten wegen, theils trennt sie sich noch zu ungern von den Kindern. Wenn Westarp auch ein schönes Gehalt hat, so werden doch auch in und vor Ort wieder solche Anforderungen an ihn gestellt, daß sie sich sehr einrichten müßen um bestehen zu können. Und heut zu Tage fünf Söhne zu erziehen will auch was heißen. Fritz ist in Trier, er ist dort Major im General=stabe der 16. Infanterie Division und hat glück=licher Weise den Krieg gut überstanden, bis auf Rheumatismus noch, den er hoffentlich auch wohl wieder verlieren wird. Er ist uns eine rechte Stütze gewesen und hält treu und fest zur Mutter in Noth und Tod, wofür wir ihm nie genug danken [insertion:] können [/insertion]. Er ist sehr glücklich ver=heirathet mit einer Holsteinerin die er 64 kennen lernte, wie er den Feldzug nach Schleswig mit=machte, und in Rendsburg dort im Quartier lag, und [roman:] Else Thormann [/roman] dort sein Herz rührte.

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[roman:] Else [/roman] ist ein liebes Geschöpf und hängt an Fritz mit einer wahrhaft innigen Liebe, ich neckte sie oft damit, denn was ihr Liebling, wie sie ihn nennt, sagt und thut, ist Alles unver=gleichlich und gut und schön. [roman:] Else [/roman] ist eine große, schlanke Erscheinung, ein hübsches Paar, wenn sie zusammen gehn. Sie sind seit dem 11ten November 68 verheirathet und haben noch zwei Söhne. Der dritte ist leider auch gestorben, wurde während des letzten Krieges in Rendsburg geboren und starb schon noch nicht 8 Monate alt, wieder. Fritz hat ihn lebend nie gesehen, seinen kleinen Victor, eilte dann während des Waf=fenstillstandes aus dem Norden Frankreichs nach Rendsburg um seinen kleinen nie gekann=ten Sohn zur letzten Ruhestätte zu geleiten. das war auch eine entsetzliche Reise, er ist Tag und Nacht durchgefahren, ohne sich Ruhe zu gönnen, auf dem Hinwege sprach ich ihn Abends spät und aus dem [roman:] coupé [/roman], auf der Rückreise hielt er einige Stunden hier an, um die alte Mama zu begrüßen. [roman:] Else [/roman] ist nämlich während des ganzen Feldzugs gegen Frank=reich, mit ihren Kindern in Rendsburg bei ihrer Mutter gewesen, wir konnten sie ja nicht aufnehmen da wir keinen Platz hatten und auch Mutter die

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Kinder Unruhe nicht mehr vertragen kann. Wie sie wieder nach [roman:] Trier [/roman] hinfuhr, hat sie sich hier im Gast=hof eingemiethet, dort mit den Kindern geschlafen und gegen 10 Uhr kamen sie dann zu uns und blieben bis zum Abend. Fritzchen und Theo=dor sind prächtige Kinder. Fitte wie er sich nennt, ist auffallend hübsch, ein blonder Locken=kopf, dabei ganz dunkle Augen, blendend weiß und reizende rothe Backen. Er fällt Jedem auf, dabei eine gewinnende Freundlichkeit, harmlos und unbefangen plaudert er mit Jedem. Theodor ist gar nicht hübsch, aber viel kräftiger und derber, ein rechter Junge. Die beiden spielten immer Bismark und Moltke, es war oft sehr komisch und wir haben oft herzlich gelacht, die Kinder machen das ganze Glück der Eltern aus, sie leben sehr häuslich und still, können aber freilich manches nicht umgehen. -

Paula ist seit dem 6ten Juli 63 verheirathet und zwar an den Baumeister Goldspohn. Er hat den Titel: „Deich-Inspektor“ bekommen, und wohnt auf der „Zäckericker-Zollbrücke, bei Wrietzen a. der Oder. Kinder haben sie nicht, leben aber recht gemüthlich und pflegen sich gut, er hat sein reichliches Auskommen. Paula ist kränklich.

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Doch nun für heute genug, mein lieber Wilhelm, nächstens liefere ich Fortsetzung, die Mutter und ich grüßen Dich viel tau=sendmal, und bitten dich recht freundlich um baldige Nachricht. –

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