Hamm den 19ten Februar 1872
Mein lieber Sohn!
Wir sind in großer Sorge um Dich, da deine so sehnlich erwartete Antwort auf Emiliens Brief leider noch nicht erfolgt ist. Deinem Wunsch gemäß theilte die Emilie in einen zwölf Seiten langen Brief über Deine Geschwister ausführliche Nachrichten mit u trug, aus großer Führsorge, denselben am 6ten Dezember v. J. [FOOTNOTE vergangenen Jahres = 1871] selbst zur Post. Obgleich wir uns nun täglich sagen, "Der Weg ist weit u die Gefahren groß die er möglicher Weise zu bestehen hat, eben so möglich ist es ja aber auch, daß Du mein Wilhelm, durch Krankheit oder sonstiges Ungemach am Schreiben behindert worden bist. Sollte Dich nun leider Krankheit am eigenhändigen Schreiben ab- halten, so bitte doch einen deiner Herrn Collegen um diesen Liebesdienst, gewiß werden sie so menschen- freundlich sein, uns die Sorge um Dich abzunehmen, da ja Ungewißheit so drükend ist. Mit meinen Befinden hat es kürzlich nicht recht fort gewollt, doch darf ich ja die 72 nicht vergessen. Weiter schreiben kann darf ich nicht, laß recht bald von Dir hören u denke mit Liebe
an Deine Fraue Mutter
[page 1, left margin:] Emilie grüßt Dich herzlich. Von Fritz u Bertha hörten wir seit dem 22 J. Nichts - Paula u Hermann sind wohlauf. [/page 1, left margin] [page 1, top margin:] Bertha u Fritz sind wohl heute hatten wir Nachricht von 20 Feb [/page 1, top margin]