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Hermann Raster to Sophie Raster, October 17, 1861

Hermann Raster to Sophie Raster, October 17, 1861, p. 1
Hermann Raster to Sophie Raster, October 17, 1861, p. 2
Hermann Raster to Sophie Raster, October 17, 1861, p. 3
Hermann Raster to Sophie Raster, October 17, 1861, p. 4

Author

Hermann Raster

Recipient

Sophie Raster

Date

October 17, 1861

Origin

Brooklyn, N.Y.

Destination

Zerbst, Anhalt

Description

Letter from Hermann Raster to his sister, Sophie Raster, October 17, 1861.

Type

letter

Language

German

Tags

1860-1869, transcription under review

Source

Hermann Raster Papers

Collection

Raster Family Letters

Repository

Newberry Library

Citation

“Hermann Raster to Sophie Raster, October 17, 1861.” Hermann Raster Papers, Newberry Library, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1549

Original text

Brooklyn, bei New York 17. Oktober 1861

Meine liebe Schwester

Nach Allem, was ich dir früher geschrieben habe, kann Dich die traurige Mittheilung, welch ich Dir heute machen muß, nicht mehr überraschen. Meine arme, unglück= liche Frau ist, nachdem sie drei Monate lang nur noch ein jammervolles Scheinleben geführt hatte, zu einem vollkommenen Gerippe verfallen war u. endlich, in den letzten Wochen, selbst jede Hoffnung auf Gesundung verloren hatte, in der Nacht vom 13. zum 14. Oktober entschlafen, um nicht wieder zu erwachen. Noch am 13. (Sonntag) Nachmittag ließ sie uns alle drei an ihr Bett kommen u. reichte uns, wie zum Abschied die Hände. Da ihre Augen schon beinahe starr waren u. ein furchtbares Röcheln von dem Schleim, den sie nicht mehr heraushusten konnte das Herannahen des letzten Augenblicks anzuzeigen schien, warf sich ihre Mutter weinend auf sie. Sie nahm indessen noch ihre wenige Kraft zusammen, um zu sagen: "Noch sterbe ich nicht." Gegen Abend wurde sie unruhiger u. machte bisweilen einige Bemerkungen, die anzeigten, daß sie zu deliriren beginne, doch gab sich das später u. sie ließ sich, wie gewöhnlich für die Nacht zurechtlegen. Gegen 10 Uhr nahm sie ihren gewöhnlichen schwachen Schlaftrunke und schickte ihre Mutter, die vom vielen Wachen sehr elend war, wie schon vor vorher mich, zu Bette da das wenige Schritt von dem ihrigen stand, so daß nur das Dienstmädchen noch blieb. Ihr Zustand war im Vergleich zu dem am Nach= mittag so viel besser, daß ich mit voller Bestimmtheit erwartet hatte, sie werde noch einige Tage leben. Zu ihrer Mutter sagte sie: "Geh zu Bette, ich brauche dich nicht mehr, ich will mich jetzt fest legen." - Und sie legte sich fest für


immer. Sie schlief anscheinend sanft u. ruhig, ruhiger als sonst. Gegen 1 Uhr glaubte das Dienstmädchen etwas stärkeres Athmen zu hören. Als sie sich ermunterte u. ans Bett trat, hatte die Ärmste verhaucht. In derselben Stellung, in welcher sie eingeschlafen war, lag sie todt da.

Du weißt es, liebe Sophie, wie ich mein armes Weib geliebt habe u. mir von dem Augenblicke an, wo ich sie kennen lernte, mein ganzes Leben nur das Eine Ziel gehabt hat, ihr eine sorgen= freie, bequeme Existenz zu sichern. Zu dem Ende habe ich gearbeitet u. mich gequält, wie ein Pferd, habe ich jeden Wunsch an ihren Augen abgelesen u. zu befriedigen gesucht, ehe sie ihn ausgesprochen. So ist es unnütz, Dir den furchtbaren Schmerz zu schildern, den ihr lange erwarteter u. doch noch immer viel zu früher Tod mir bereitet hat. Für solche Schmerzen giebt es keinen Trost u. keine Heilung als die langsame der Zeit. Und noch lange wird es währen, ehe ich aufhören werde, jede Stunde, die ich in meinem einsamen, nur für sie erworbenen, für sie ausgeschmückten Hause zubringe, neue Beweise für die Unersetzlichkeit des Verlustes zu finden, den ich durch ihr Hinscheiden er= litten habe. Was aus meinem armen Kind werden soll, ist weiß ich noch nicht.

Die nächste traurige Pflicht, welche Berthas Ableben mir auferlegt hat, suche ich in einer Weise zu erfüllen, wie sie ihren eigenen Wünschen u. Neigungen entsprochen haben würde. Nachdem ich sie vorläufig in einem Gewölbe habe bei= setzen lassen, habe ich auf einem der prachtvollen, parkartigen Friedhöfe, welche eine der edelsten Zierden dieses Landes bilden, einen Platz von 16 x 13 Fuß zu einem Familienbe= gräbniß angekauft. Ein kräftiger junger Eichbaum u. eine stattlich Ulme beschatten den in einem schönen Hain gele= genen Platz. Unter ihrem [insertion:] diesem [/insertion] Laubdach, w das jetzt in der herrlichen Färbung prangt, welche hier der Herbst den Wäldern giebt, wollen wir Bertha am Sonntag (20. Oktober) zur ewigen Ruhe einsenken. Die


Überreste unsrer kleinen Melanie, die auf einem andern von meinem jetzigen Hause zu weit entlegenen Friedhofe ruhen, lasse ich ausgraben und ihnen eine Stelle neben Bertha geben. Für ihre Mutter, mich u. Mathilde bleibt noch Raum Im nächsten Frühjahr werde ich auf den Begräbnißplatz alle die Blumen pflanzen, welche Bertha so sorgsam gepflegt hat, ihn mit einer lebendigen Hecke von Cedergesträuch umgeben u. einen Ruheplatz daraus machen, auf dem ich oft, recht oft die Erinnerung an die zehn glücklichen Jahre meines Lebens wach rufen will. Eine wenige Schritt von meinem Hause vorübergehende Pferdeeisenbahn bringt mich in 40 Minuten bis an den Eingang des Friedhofs.

Das letzte Lächeln, das über Berthas Züge flog, war acht Tage vor ihrem Tode, wo ich ihr ein Anstellungspapier in die Hände gab, daß uns den etwaigen äußerlichen Schwierigkeiten, welche uns in Folge der Zerüttung aller geschäftlichen Verhältnisse und besonders des Zeitungswesens (durch den Krieg) hätten treffen können, entrückte. Ich habe Dir früher angedeutet, daß diese Verhältnisse zwar nicht meine Beschäftigung bei der Abendzeitung, wohl aber den regelmäßigen Bezug meines Gehalts unsicher machten. Seit Neu= jahr hatte ich bis jetzt von 800 Doll., die ich während dieser Zeit zu erhalten gehabt hätte, 240 schon lassen müssen. Es ward mir zwar nicht besonders unbequem, da während derselben Zeit meine Honorare von Deutschland um 180 Doll. höher waren, als während der gleichen Zeit im vorigen Jahre; gleichwohl fühlte sich Bertha noch mehr, als ich über das schließliche Resultat beunruhigt. Unter diesen Umständen entschloß ich mich vor einigen Wochen, ein Amt von der Bundesregierung anzunehmen, daß mir schon vor 3 oder 4 Monaten angeboten war, das ich aber damals abgelehnt hatte. Das Amt hat keinen hohen Titel (es ist das eines [roman:] weigher [/roman] oder Gewichts - Bescheinigers in der Zollverwaltung) aber ein sehr anständi= ges Gehalt, nämlich 1500 Dollars und es ist dabei so schrecklich wenig zu thun, daß ich meine Verbindung mit der Abendzeitung noch zum Theil (für die Hälfte des bisherigen Gehalts, also 520 Doll.) u. die mit


den übrigen Zeitungen ganz aufrechterhalten kann. Die Stelle ist mir daher thatsächlich bedeutend mehr werth, als das beste Consulat, das ich, wenn ich je danach Verlangen gehabt hätte, mit leichter Mühe hätten erhalten können, denn es gestattet mir, in den Verhältnissen zu bleiben, in die ich mich seit 10 Jahren eingelebt habe, meinen Haus= halt u. meine Einrichtung beisammenzuhalten, was Alles nicht hätte geschehen können, wenn ich als Consul ins Ausland gegangen wäre. Mein Einkommen stellt sich jetzt, so lange das Amte währt (4 Jahre) auf 2600 Doll. jährlich u. selbst wenn die Abendzeitung sich im Sturm u. Drang der Zeit nicht sollte halten können, auf mehr als 2000. Sind die 4 Jahre um, so werde ich in der Zwischenzeit längst meine frühern Verbindungen dergestalt erweitert haben, daß ich keinen Rückschritt zu machen brauchte.

Wie glücklich würde sich Bertha gefühlt haben, wenn sie noch hätte weiter leben können! - Den Trost habe ich, daß sie, abgesehen von ihrem Körperleiden u. dem Tode Melanies, niemals in Amerika Kummer, oder Noth oder auch nur Entbehrung von Annehmlichkeiten erlitten hat. Aber der Trost hat zugleich sein Bitteres. Aus einem drangsalvollen Leben zu scheiden, thut nicht weh, wohl aber Alles verlassen zu müssen, was ein heiteres, glückliches, sorgenfreies Leben verbirgt.

In meinem letzten Briefe schrieb ich Dir, daß, so glücklich es mich machen würde, wenn Du Dich entschließen wolltest, hierherzukommen, ich Dir doch nicht zu= muthen wollte, als Krankenpflegerin für meine arme Frau zu dienen. Jetzt, liebe Schwester, steht die Sache anders. Ich will nicht in Dich dringen und wie immer Du Dich entschließen mögest, Du wirst mir gleich lieb sein. Aber we= nigstens will ich es Dir ans Herz legen, sorgfältig zu bedenken, ob Du es nicht mit Deinem Pflichtgefühle in Einklang bringen kannst, zu mir zu kommen, hier eine Heimath zu finden u. als Mutter Mathildes zu dienen. Könntest Du Marie mitbringen, desto besser. Ich weiß, daß es Dir schwer werden mag, Dich aus den engen Verhältnissen, in welche Du Dich eingelebt hast, loszureißen, aber ich glaube aufrichtig, daß, wenn Du es Dir recht überlegst, Du finden mögest, daß Dein Platz eher bei Deinem leiblichen Bruder sein sollte, als irgendwo sonst.

Willst Du keinen Entschluß fürs ganze Leben fassen, so gehe mit Dir zu Rathe, ob Du nicht wenigstens auf ein Jahr auf Besuch herüberkommen kannst. Du brauchst in diesem Falle keine von den Beziehungen, in welchen Du drüben stehst, zu lösen. Was die Kosten betrifft, so will ich Dir gern Alles, was Du mehr, als Deine gewöhnlichen Ausgaben betragen, aufwenden würdest, vollständig ersetzen. - Die Reise selbst ist ja heutzutage gar Nichts mehr, - nicht halb so viel, als noch vor 20 Jahren eine Reise nach London war. - Wenn Du Dich entschlössest, so würde ich wahrscheinlich von hier aus die Passage auf einem Bremer oder Hamburger Dampfer wohlfeil für Dich bekommen können. ... Unter Grüßen an Schwager u. Marie u. einer baldigen Antwort entgegensehend Dein treuer Bruder [roman:] Hermann. [/roman]


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