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Hermann Raster to Sophie Raster, May 17, 1861

Hermann Raster to Sophie Raster, May 17, 1861, p. 1
Hermann Raster to Sophie Raster, May 17, 1861, p. 2
Hermann Raster to Sophie Raster, May 17, 1861, p. 3
Hermann Raster to Sophie Raster, May 17, 1861, p. 4

Author

Hermann Raster

Recipient

Sophie Raster

Date

May 17, 1861

Origin

New York, N.Y.

Destination

Zerbst, Anhalt

Description

Letter from Hermann Raster to his sister, Sophie Raster, May 17, 1861.

Type

letter

Language

German

Tags

1860-1869, untranscribed

Source

Hermann Raster Papers

Collection

Raster Family Letters

Repository

Newberry Library

Citation

“Hermann Raster to Sophie Raster, May 17, 1861.” Hermann Raster Papers, Newberry Library, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1547

Original text

New York, 17. Mai 1861

Liebe Schwester

Meinen herzlichen Glückwunsch zu deinem bevorstenden Geburtstag zuvor. [er gratuliert im Voraus] Es ist fast ein halbes Jahr, seit ich Nichts von Dir gehört habe, so daß ich glauben möchte, Du hättest meinen Brief vom 4. Januar nicht erhalten, oder es sei Dir Etwas passiert. Hoffent- lich bist Du nicht krank? Uns hat das Jahr 1861 vielerlei Trübsal gebracht. Bald nach Neujahr ist Bertha wieder krank geworden und siecht seitdem, ein wahres Jammerbild, dahin. Ihr Zustand hat so oft gewechselt, daß es unmöglich ist, irgend eine bestimmte Vermuthung über den Ausgang anzustellen. Kann sein, daß sie sich wieder erholt und einige Jahre mehr eines unter solchen Umständen für sie freudelosen Daseins hinschleppte, nicht bettlägerig krank, aber noch weniger gesund. Möglich aber auch, daß sie mir in nicht ferner Zeit durch den Tod ent-


rissen wird. Sie selbst glaubt an das letztere und der Trübsinn, den es ihr bereitet ver- schlimmert ihren Zustand nur noch mehr. Wie ich den schrecklichen Verlust ertragen, welches Aussehen danach mein häusliches Leben gewinnen würde, das mag ich gar nicht, mir klar zu machen. Meine ganze hiesige Existenz ist so mit dem Zusammenleben mit meiner Frau verwachsen, daß bei den bloßen Gedanken an das Aufhören desselben alle mei- ne Vorstellungen in einen unentwirrbaren Knäul zusammenlaufen. Das Schrecklichste dabei ist mir, daß ich wahrscheinlich gezwungen sein würde, Mathilde schon im zartesten Alter in eine Pension zu geben und so thatsächlich zu einer Weise zu machen, denn mich selbst ihrer Erziehung zu widmen gestatten weder die Umstände, noch habe ich dazu den Sinn. Es hat nicht fehlen können, daß der traurige Zustand meiner Frau auch bei mir eine anhaltend düstere, reizbare Stimmung erzeugt hat, die weit entfernt von der ruhigen und ungetrübten Gemüthsverfassung ist, welche


zur erfolgreichen Erziehung eines Kindes gehört. Ohnehin ist meine fortwährend gei- stige Beschäftigung und die unmittelbare An- theilnahme an den aufregendsten öffentlichen Angelegenheiten nicht geeignet, mir eine behag- liche Muße zu gewähren. Ich habe schon recht viele weiße Haare auf meinem Schädl gefunden, - zu viel, um sie noch einzeln ausraufen zu können. Nun kommt noch dazu, daß die äußern Verhält- nisse des Landes in hohem Grad trüb u. düster sind. Davon, daß die Sklavenhalter in den No (?) Staaten eine Revolution gegen den recht- mäßig erwählten Präsidenten Lincoln gemacht haben, daß diese Revolution der Hälfte des Landes, welches fast so groß ist, wie Europa umfaßt und ein furchtbarer Krieg dagegen im Beginn ist, wird wohl sogar die Zerbster [Zeitung der Ortschaft Zerbst] Extrapost Mitteilung gemacht haben. Aber davon, wie tief dieser Krieg in alle Erwerbs- und Verkehrsverhältnisse eingreift, wird man sich aus solchen dürftigen Mitheilungen keine Vor- stellung machen können. Hunderttausend von


Menschen sehen ihre Erwerbstätigkeit abgeschnitten; alle Geld- u. Creditverhältnisse gerathen in die grenzenloseste Verwirrung. Auch auf die Zeitungen, deren finan- zielle Existenz hier größtentheils auf die beständigen Inserate basiert ist, üben diese Verhältnisse einen sehr nachtheiligen Einfluß, denn da alle Geschäfte stocken, bleiben auch die Inserate aus. Für jetzt habe ich davon noch nicht weiter zu leiden gehabt, als daß ich einen Teil meines Gehalts einstweilen bei dem Heraus- geber habe stehen lassen müssen, doch nicht in solchen Maße, daß es mich genieren [ggf. ist gemeint "belästigen"] würde, wenn diese Zu- stände wenigstens bald wieder aufhörten. Unter anderen Umständen würde ich mir sehr wenig daraus machen, aber da es mit meinen häuslichen Bekümmernissen zusammentrifft, trägt es doch auch das seinige zur Verdüsterung der Stimmung bei. Nun, es muß eben getragen werden, kom- me, wie es wolle. Es war mir Bedürfnis, Dir ebenso-wohl von dem Kummer, der mich jetzt bedrängt, Mittheilung zu machen, wie ich Dir bisher fast durchweg nur Erfreuliches mitzutheilen hatte. Außer den Meinigen hier steht mir zu doch auf der ganzen weiten Welt Niemand so nahe, wie Du. Herzliche Grüße von Bertha, Mathilde u. der "Großmutter" an dich dem Schwager u. Marie. Und laß bald einmal von Dir hören Deinen Bruder H. Raster


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