Die göttliche Dreieinigkeit sei doch stets mit uns, unter uns, u. in uns; bei Wohl und Weh.
Herzlieber Schwager, Frauschwester, u. liebe Kinder! wie auch lieben Schwiegersöhne, u. dessen liebe Kinder, u. alle sämtliche Seelenfreunde in fremden Lande!
Euer Schreiben vom 16ten December v. J. habe ich nach längerer Zeit, u. sehnsuchtsvoller Erwartung erhalten, u. daraus erse- hen, das ihr noch Alle damals Gesund u. im Leben waret; Wir wünschen, das wir mit diesen wenigen Zeilen Sie noch allesammt durch Gottes Güte u. Gnade, in der dauerhaftesten Gesundheit ebenfals antreffen möchten. - Was mich u. meinen kleinen Sohn Herrmann, so wie auch unsern lieben Bruder Wil- helm mit seiner lieben Frau u. 3 Kinder, Dorothea Müller in Tressin, u. auch unsere liebe Mutterbruderfrau Tanken, mit ihren Kindern in Wittenfelde anbetrifft, sind wir insgesammt noch bis jetzt mittel- mäßig Gesund, u. im Leben, wofür wir pflichtmäßig die Güte Gottes preisen müssen. - Meine liebe Frau ist nach ihrer lang- wirigen Krankheit, A. 21ten Januar abends 11 Uhr; durch den Tod von meiner Seite genommen, u. ich bin dadurch in den Wittwen- stand, u. mein Söhnlein in [insertion] den [/insertion] Waisenstand versetzt worden, welches mir eine große Betrübnis u. Kümmerniß verursacht: Wenn mich Gotteswort u. mein schwacher Glaube an dasselbe, nicht Trost einflößten, so würde mir Bangefurcht schrecken.
Aber Trost ist mir dies, daß [insertion] sie [/insertion] in völliger Vernunftskraft starb. u.
und den Tag vor ihrem Abschiede aus dieser Welt, das heil. Abendmahl verlangte, u. auch erhielt; bei der Beichtrede, u. Fragen des Predigers HE Meyer ihm deutliche Antwort, u. nachdenkende Beweise ihres Christl. Glaubens ertheilte; Welches mein, u. auch ihr verlangen nach Frieden mit Gott, u. ihrer Seeligkeit, aus Gnaden u. Barmherzigkeit, um Jesu Christi Willen erlanget haben wird.
Bis hieher habe ich mein Schulamt noch mit der Hülfe des dreieinigen Gottes verwaltet. Da mich aber der liebe Gott meine Gehülfin genommen hat, u. ich dadurch in mangerlei Unternehmungen gehindert werde, so werde ich nächstens, nicht aus Zwang, sondern wegen Beschwerligkeit, u. Schwächligkeit, daß Schulamt verlassen müssen.
In meinen kraftvollen Jugendjahren, hatte ich viele Freun- de, den ich dienen könnte; u. auch gedient habe; da ich aber nun auch [insertion] selbst [/insertion] In Schwächligkeit u. Hülflosigkeit komme, u. ich bei guten Freunden auch Hülfe u. Trost suchen wolle; so sind meine nächsten Freunde mit ihrer Hülfe von mir entfernt, u. ich kann von ihr so gar keinen Rath, u. Trostwort hören, noch erfahren; aber liebe Kinder! nehmt es nicht Uebel, daß ich so schreibe, ihr könnt es auch noch erfahren, waß ich jetzt erfahre, was ich euch aber nicht wünschen will.
Eheleute die ein zufriedenes Leben führen, u. dann durch den Tod auf immer geschieden werden ist Hart, u. Schwer; Der liebe Gott rathe u. tröste, wenn uns Rath u. Trost nöthig ist, u. schenke uns Glauben u. Vertrauen in al- lem Anliegen. Mein Dienstmägdchen die seit vergangen- em Michael bei mir dient, ist Hanne Lütke aus Grambow die bei Krägels erzogen ist u. ist kurz vorher eingesegnet, als sie bei uns kam. - Johann Schulz in Grambow hat sich selbst sein Leben genommen, u. sein Sohn Friedrich hat das Grundstück an Ludwig Krägel daselbst verkauft. Ueberbrin- ger dieses Briefes werden auch davon mehres erzehlen, u. der liebe Gott möge uns für solchen Wahnsinn, u. Verzweiflung aus Gnaden bewaren. Hier ist es jetzt theure Zeit, welches mangen Armen bange [crossed out] wird [/crossed out] macht, der Scheffel Rocken kost. 4 Rthl. u. die Gerste 3 Rthl. u. die Ertoffeln 1 Rthl. u. so ist alle Lebens- mittel im hohen preise; Gott will uns Menschen damit lehren daß wir seine Gaben mit Danksagung empfangen sollen, u. nicht zum Mißbrauch verwenden, wie leider oft geschiehet. Ihr schreibt aber von Guter, u. Wohlfeilerzeit, o nehmt dies doch recht zu Herzen, u. vergesset eure dürftigen Brüder u. Schwestern in eurem Vaterlande nicht: Denkt an Joseph, was der an seinen Freunden that; als ihn der liebe Gott, in den Wohlstand versetzte.
Es hat sich vor kurzer Zeit, mangeiner in hiesiger Ge- gend Vorgenommen nach Amerika zu ziehen, aber die theure Zeit schreckt viele, weil ihr Vermögen nicht hinreichend ist die Reisekosten zu bezahlen. Bruder Wilhelm in Tressien befindet sich auch Schwächlig u. ist in diesem Pfingstfest krank gewesen, wir wünschen u. bitten das ihm der liebe Gott doch wieder Gesund- heit schenkte. - Nun Grüßen wir alle insgesammt, die dortiche Freundschaftsvamilien [insertion] Ich [/insertion]. C. J. G. Klug u. mein Sohn Hermann. Wilhelm Klug u. seine Frau u. Kinder, Dorothea Müller, aus Tressin. Mutterbruderfrau mit ihren Kindern aus Wittenfelde, u. mein Mägdchen Hanna Lütke.
Staarz A. 25ten Mai 1847. C. J. G. Klug. Ich verbleibe euer Freund u. Seelenbruder bis in die Ewigkeit; lebt alle wohl: u. schreibt bald wieder wer von euch noch im Leben ist.