Der dreieinige Gott, Vater Sohn, u. Heiliger Geist, sei mit uns in diesem, u. jedem Vernehmen; u. lenke unsern Sinn nach seinem [insertion] heil. [/insertion] Rath u. göttlichen Wohlgefallen, Amen, Amen.
In Gottesgnaden geliebte Freunde! Schwager, Schwester, Kin- der, u. werthe Freundschaftsfamilie; wir wünschen nach Gottes- willen, das wir Sie alle insgesammt mit diesen wenigen Zeilen in geistiger u. leiblicher Gesundheit antreffen mögen; u. vor- züglich in dem Leben u. Verhältniß dadurch Gottes Ehre, u. des Nächstenliebe befördert werde, d. h. in der waren Buße u. dem lebendigem Glauben; letzteres wird aber sehr oft, durch das zeit- liche Wohlergehen gehindert u. vergeßen; wir haben hiervon lebendige Zeugniße aus der Bibel, u. täglicher Erfahrung, wenn [wir?] darauf märken: wie leicht ließ Eva, u. Adam sich irre führen, u. vom Guten leiten; u. wie stands mit andren Wohllüstlingen, u. reichen Männern u. Weibern mehr, Alten u. Jungen, männlichen u. weiblichen Geschlechts. - Darum laßt uns mit dem weisen Salomonis bitten. Zweierlei bitte ich von Dir, die wollest du mir nicht weigern ehe denn ich sterbe: u. s. w. Spr. Salom. 30. Vers 7 bis 9.
Nun lieber Schwager Dobberpuhl! von andren Begebenheiten haben wir aus eurem Schreiben vom 30ten Januar v. J; u. aus Gottlieb Schulz seinem vom 23ten December v. J. ersehen, wie ihr werbet, kauft, u. verkauft, welches alles zum Menschlichen-Leben ge- höret, u. ohne diese Dinge, wir so wohl als ihr nicht in der Welt bestehen könnt: wenn wir es nun doch stets nach des Herrn Jesu Christi willen trieben, u. wie es unser seliger Luther in der Erklärung des Catechismus lehrt; Kann man denn auch bey u. unter der Arbeit beten? Ja, wenn man die Arbeit mit dem Gebet anfänget, bey derselben Gott von Augen hat, u. sein Gemüth, Sinne u. Begierden zu ihm richtet, u. nach der Arbeit wieder im Gebet zu ihm erhebet. - Dies
Dies möchte uns doch stets ein Sporn bei jedem Geschäfte sein, das wir ohne das Herzliche bitten u. flehen, zu dem Vater im Himmel um Weisheit u. Gnade nichts Unternehmen, ud. Anfangen, fortsetzen, u. vollenden. Lieben Freunde! von irdischem Wohlsein können wir nuch nicht viel neues Schreiben; wir wohnen noch bis jetzt in unsren Wohnungen, als ihr von uns gezogen sind. Ich verwalte noch mein altes Schulamt in meines Vaters Wohnung. Bruder Wilhelm ist noch in Tressien mit seiner [insertion] [2ten?] [/insertion] Frau u. 1 Kind von ihr, u. Wilhelmine, u. Johann sind auch noch am Leben, u. [Insertion] alle [/insertion] gesund. Tanken wohnen noch in Wittenfelde im Wittwehn-Hause, u. Johann ist den vergangenen Winter über, bei dem Prediger Meyer in Wittenfelde im Unter- richt zum Schullehrer gewesen. - Meine Frau wurde am 24ten Juni 1844 von einem wohlgestalteten Sohn entbunden, u. [Insertion] dieser [/insertion] erhielt die Namen bei der Heil. Taufe, Johann Friedrich Hermann, der jetzt noch gesund u. munter ist. Meine Frau bekamm bald nach vorbesagter Entbindung eine sehr angeschwol- lene Brust, die ihr nachher aufbrach; aber wieder durch [Miracel?] u. Gottes Hül- fe geheilt wurde; der Schwullst aber sich nach den Füßen, bis zum Ober- leibe hingab, so, daß es durch die Heilehaut an zu wäßern fing, u. ich mich genötiget sah, einen Artzt zu holen, u. um Rath zu bitten, der aber sagte, es sey die völliche Waßersucht, u. ordnete Mittel dafür; die aber nicht zur gänzlichen Hülfe anschlugen; nach u. nach wurden die Füße wund, u. wir haben unsere Mittel gebraucht, aber sie wollten nicht Heil werden: diesen Winter haben wir noch wieder Heilmittel gebraucht, aber ganz ist sie noch nicht; doch aber ziemlich Hergestellt. Unser Schwager Steinhöfel in Grambow, starb voriges Jahr im Winter an dem Krebsschaden, den er schon an der Mund hatte, als ihr noch hier waret, dem keine Heilmittel auch nicht [insertion] helfen [/insertion] wolten, er starb aber im Glauben an den Hl. Jesu Christi, u. hinterließ seine Frau mit 3 Kinder, u. ein Sohn von ihm, wurde noch nach seinem Tode geboren, u. Sie [insertion] ist [/insertion] jetzt eine Wittwe mit 4 un- mündigen Kindern [crossed out] ist [/crossed out]. - Lieben Freund! Gottes Wege führen oft sehr wunderlich, aber doch immer zum Seelenheil; darum können wir nicht murren, u. müßen u Gedult u. Stärkung; in jedem Schicksal bitten. Lieber
Lieber Schwager u. Schwester; wir sind jetzt sehr weit voneinander; aber ich bin vergangenen Winter oft sehr nahe bei euch gewesen; einmal träum- te mir, das ich von zwei Frauensleute gefragt wurde, ob ich von euch Nachricht hätte? so sagte eine von ihr, Dobberpuhl schläft schon, da sprach ich selbst zu mich, es wäre eine kurze Zeit, das er Freude in Americka gehabt hätte, u. war sehr Betrübt; da hieß es gleich in mich: Er ist ja nicht um zeitliche Freudengenüße Dort hingezogen, sondern um die Himmlischen Freudengenüße, u. wenn er die hat, den hat [insertion] er [/ insertion] genug. Nun, so wollen wir alle für Einen, u. Einer für Alle beten, daß der Dreieinige, u allwaltende Gott, Vater, Sohn u heil Geist, stets seine seeligmachende Gnade, in allen Landen über die Christen, u. waren Anbeter des Dreieinigen Gottes wallten lasse. Wir sehen jetzt mit natürlichen Augen, Gottes Vatergüte über unser Vaterland schweben; im vergangenen Herbst muthmaßte manger ungläubiger Mensch eine sehr theure Zeit in diesem Frühjahr, besonders die Erdtoffeln, weil die im Herbst an eini- gen Stellen sehr zutrugen, aber hingegen an einigen Orten, sehr Verfaulten. Es ist aber ganz anders gekommen, als wir dachten: den demm vorigen Winter war es sehr wenig Kalt, so, das die Ertoffeln leicht vor den Frost könnten verwahrt werden, u. jetzt [insertion] seit [/insertion] es, so ein schönes Frühjahr, als wir kürzlich nicht ge- habt haben. - Wir wünschen nun doch auch, auf dies schreiben von euch Ant- wort zu haben, u. ob unsere theure lieben Blutsfreunde, unsere liebe Schwester noch lebt, u. wie ihr alle, u. Sie in der Religion stehen, es ist hir von Dort geschrieben worden, das der Prediger Kindermann so wie noch andere mehr, falsche Lehrsätze angenommen, u. ihr von ihnen ausgegangen sind; laßt uns die Wahrheit davon wissen. Nun lieben Schwesterkinder, ich, euer alter Mutter Bruder sehe mich verpflichtet, euch, in dem Namen Jesu Christi zu bitten, u. zu ermahnen, das ihr euren Aeltern, besonders auch eurer Stiefmutter gutes in allen Dingen erzeiget, wenn sie auch wunderlich werden; Denkt an Joseph, der da sprach Wie sollt ich so ein groß Uebel thun, u. wieder Gott sündigen. Bittet, u. betet mit mir um Kraft zum Glauben, dann werdet ihr, u. Ich unsere Pflichten erfüllen. Amen
Nun grüße ich, u. meine Frau, Wilhelm aus Tressien, u. seine Frau u. drei Kinder. Dorothea Müllern. Tanken aus Wittenfelde alle Drey. Die Wittweh Steinhöfeln mit ihren Kindern aus Grambow. u. unsre guten Bekannten, die ich [insertion] nicht [/insertion] alle nennen kann viel Tausendmal. Deine Brüder u. ihre ganze Familie lassen euch alle sehr viel mal grüssen Und wir wünschen euch alle des Hl reiche Gnade u. Segen. Adje lebt recht wohl. Martin seine Frau in Brendemühl, ist auch immer kränklich u. ungesund, so wie meine Frau.
Staarz, d. 29ten April 1846. C. F. Gottlieb Klug.
Via Havre Newyork Carl Christian Dobberphul. Care of mr. T. R. Austin et Son Milwaucker Wesconsin Teritory North Americka.