Albersloh d. 8. Mai 1881
Lieber Schwager Schwiegerin u. Franz, Euern Brief vom 18 Apriel haben wir am 7 Mai erhalten, und daraus gesehen das Franz gesund und glücklich daß Ziel erreicht hat. Lange hatten wir uns auf die Stunde gefreut daß der Brief doch kommen möchte, bis endlich der Wunsch erfüllt wurde. Besondere Neuigkeiten sind in letzter Zeit nicht vorgefallen alles übrige wird Franz euch erzählt haben. Der Weitzen ist hier gut zu Lande. Der Roggen ist auch nicht schlecht aber nicht so früh als er schon wohl andere Jahre gewesen ist. Unser Mutterpferd hat am Mitwoch nach Ostern daß Füllen gekriegt lebte aber nur vom Morgen bis Nachmittag. Das Pferd hatte schon 3 Wochen vorher weiße Milch und wir konnten gar nicht ausfinden wie daß möchlich war. Die Sommersaat hatten wir am 1 Mai schon beendigt. Dein Bruder August
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ist in der Oster Ferien gefährlich krank gewesen, ist aber jetzt Gott sei Dank wieder recht gesund. Er ist auch jetzt mit 8 Jahren daß erste mal zur h. Beicht angenommen.
Heinrich Beckamp hat vor 4 Wochen wieder Soldat werden müssen. Mit dem Stroncianiet [Strontianit = Mineral] graben sind sie immer noch im vollen Gange. An Seebrökers sind sie noch einmal mit einer jungen Tochter beschenkt. Bernard Evers ist vollständig Bankrot hat sein Haus an Karl Holle verkauft Sein Laden ist ausverkauft und somit ist nicht viel übrig geblieben. Heinrich Frank ist mit Anna Kordt verheirathet und sind nach Harsewinkel gezogen. Sonst sind wir noch recht gesund Auch an Husams sind sie jetzt wieder gesund.
Der Roggen kostet hier 17 bis 18 Rt Der Weitzen 19 bis 20 Rt. Der Hafer 9 Rt. Die Butter kostet 11 bis 12 Sibgr. und die Eier 2 einen Silbergroschen
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Schreibet uns doch mal wie Franz sich zu Euern Arbeiten schicken kann weil es bei Euch ganz anders geth wie bei uns. Wenn die Umstände es er= lauben, daß Deine Familie mit Franz auf einige Zeit fertig werden können so komme doch einmal zu uns herüber weil uns dieses große Freude ma= chen würde. Hier mit will Ich schließen
Viele Grüße von Allen Auch von Deinen Bruder Heinrich seine Frau und seine ganze Familie. schreibet doch recht bald wieder weil uns dieses große Freu= de macht.
Achtungsvoll
Ww. Horstmann
Albersloh, May 8, 1881
My dear brother-in-law, sister-in-law, and Franz,
We have received your letter of April 18 on May 7 and see from it that Franz is happy and healthy and arrived there all right. We had looked forward to that hour for a long time, waiting for the letter to arrive, until finally our wish was fulfilled.
We don’t have a lot of news to report,– just whatever happened during the last few months, as Franz will have told you everything else. Our wheat crop is good this year, the rye crop is not bad, not as early as it has been during other years. Our horse gave birth to a foal on Wednesday after Easter but it lived only from morning till afternoon. The horse had “white milk” three weeks before the birth, and we just couldn’t imagine how this was possible. We had finished our summer sowing by May 1.
Your brother August [i.e., Franz Horstmann’s brother] was dangerously ill during Easter vacation but has recovered, thank goodness. He will be permitted to make his first confession at age 8. Heinrich Seekamp had to join the army again four weeks ago. Sieburgers have another little daughter. Bernard Ewers has gone bankrupt, sold his house to Karl Holle, his shop is closed. Nothing is left. Heinrich Frank married Anna Kordt and they have moved to [Harfewinkel?].
We are all well. Husams are well again, too.
[This is followed by a list of crop and cattle prices.]
Write to us how Franz has adjusted to the work at your place because over there everything is so different from over here. If it is possible for your family to manage with Franz for some time, why don’t you come over here? We would be so happy to see you.
I will bring this to a close. Many regards from all of us, also from your brother Heinrich, his wife and his whole family. Write soon, because we really enjoy getting a letter from you.
Widow Horstmann
Translated by Joan Schell