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Marie Taylor to Lina Hansen, April 11, 1876

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Author

Marie Hansen (Taylor)

Recipient

Lina Braun (Hansen)

Date

April 11, 1876

Origin

New York, New York

Description

Letter from Marie Taylor to Lina Hansen, April 11, 1876.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, untranscribed

Source

Bayard Taylor Papers

Collection

Marie Hansen Taylor Correspondence

Repository

Houghton Library, Harvard University

Citation

“Marie Taylor to Lina Hansen, April 11, 1876.” Bayard Taylor Papers, Houghton Library, Harvard University, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1217

Original text

[page 1 (sheet 1, right-hand side):]

New-York, 142. East 18th St.

April 11. 1876

Meine liebste Mutter!

Recht vielen Dank für Deinen lieben Brief vom 18. v. Monats, der mir doch endlich bessere Nachrichten über Deine Gesundheit brachte. Eine [underline:] sehr [/underline] freudige Über- raschung war es mir zu hören, daß die gute Tante bei Dir war, u. ich dankte es ihr so recht im tiefsten Herzen, daß sie Dich gerade zu der Zeit, wo Du Dich kör=perlich elend fühltest u. so viele schmerz=liche Erinnerungen auf Dich eindrangen, besucht hat. Ich freue mich recht, daß Dein Geburtstag so angenehm verlaufen, Du so viele Beweise eines liebevollen Andenkens erhalten hast u. auch dass mein Bild Dir gefallen. Bayard meint auch, dass es mir sprechend ähnlich sei. Für Zusendung des kleinen Wagnerchens besten Dank. Sie sieht wie ein kräftiges aufgewecktes Kind aus. Ich habe das Bild=chen auf meinem Schreibtisch vor mir aufgestellt, damit ich mit dem kleinen Nichtchen etwas bekannt werde, ehe ich es in das Album thue. - Was für schreckliches Wetter ihr gehabt haben müsst! Die Tante schildert es aber sehr drastisch in ihrem lieben Brief an Lilian, über den sie sich sehr gefreut hat; aber ich erhalte auch durch die Köln. Zeitung erschreckende Berichte darüber. Wir haben auch hier bis vor kurzem die anhaltendsten Stürme u. Unwetter

[page 2 (sheet 2, left-hand side):]

gehabt, mit viel Wassersnoth an entfern=ten Orten. Seit einigen Tagen ist das Wetter hell u. sonnig u. endlich auch wärmer. Bisher hat immer noch ein recht scharfer Wind geweht. Wir hoffen nun sehnlichst auf beständiges u. früh=jahrliches Wetter, da wir im Begriff stehen, nach Cedarcroft zu gehen u. über Ostern dort zu bleiben. Wir gedenken schon morgen Abend abzureisen u. den folgenden Tag in Phil.a zuzubringen, wo wir uns die Ausstellungsgebäu=de ansehen wollen. Ich denke es wird uns allen drei zuträglich sein, die kleine Veränderung zu haben. Bayard u. Li=lian sind so beschäftigt wie je u. ich habe auch immer alle Hände voll zu thun, bald auf die eine, bald auf die andere Art. Im ganzen genommen, ist unser Leben, obwohl bewegt, immer dasselbe u. darum habe ich nicht viel davon zu er=zählen. Am Sonntag Nachmittag fuhren Lilian u. ich auf der Pferdebahn hinauf nach der 61sten Straße u. besuchten unsere Freunde in unserem vorjährigen Haus. Sie haben diesen Winter von Fieberluft dort zu leiden gehabt u. wir können uns gratuliren zur rechten Zeit weggezogen zu sein. Aber auch sonst bin ich so froh nicht mehr in jenem Theil der Stadt zu wohnen. Als wir beim Central Park ausstiegen um querüber nach der 61sten Straße zu gehen, wehte uns ein eisigkalter Wind an, wie wir ihn im mittleren Stadttheil gar nicht gespürt hatten; wir schienen in ein anderes u. nördlicheren Klima zu kommen.

[page 3 (sheet 2, right-hand side):]

Du fragst in Deinen letzten Brief nach Emma Lamborn. Sie hat einmal wieder viel Krank=heit überstanden. Die beiden Kinder haben nach einander das Scharlachfieber gehabt u. unglücklicherweise kam gerade zu der Zeit ihre Köchin in die Wochen. Das klingt nun freilich sehr schlimm, ist es aber nicht, da sie eine Frau ist. Lamborns haben nämlich ein schwedisches Ehepaar im Dienst, die beide vorzüglich sind. Emma u. die Bonne mussten also neben dem Pflegen der Kinder, auch noch die Hausar=beit u. das Kochen besorgen, u. dies hatte zur Folge, dass Emma nach der Genesung der Kinder eine fausse couche hatte. Als sie zuletzt an ihre Mutter schrieb, war sie wieder ziemlich wohl, aber noch zu Bette. Sie gedenken diesen Sommer auch ein paar Monate nach Kennett zu kommen. Ich beneide sie nicht um die ernste Krise.

Ida hat also den ihr vorgeschlagenen Mann am Sonnabend zum erstenmal gesehen u. sich am folgenden Tag mit ihm verlobt! Er ist auf 4 Tage hier (heute ist der 4te) u. ich habe ihr für die Zeit Urlaub gegeben. Wenn ich Dir alles was damit zusam=menhängt erzählen wollte, so würde ich heute mit meinem Briefe nicht fertig werden, aber Du würdest erstaunen wenn Du alles wüsstest. Daß Ida in Gotha versprach 4 - 5 jahre wenigstens bei uns zu bleiben, um uns für ihre Reisekosten zu entschädigen, scheint sie ganz vergessen zu haben. Ich kann mir vieles nicht anders erklären, als daß die Aussichten, die sie hat - der Mann scheint ein blühenden Geschäft zu haben - ihr den

[page 4 (sheet 1, left-hand side):]

Kopf verdreht haben u. daß sie bereits die Dame spielen will. Um nur eins zu erwähnen, so hat sie gleich nach Em=pfang der ersten Andeutung in ei=nem Briefe von der vermittlenden Freundin, daß der Mann sie kennen lernen u. heirathen wolle, ihre ganze Umgebung davon benachrichtigt u. auf die albernste Weise sich darüber ausgelassen. Nicht nur meine Schnei=derin u. Köchin wurden ins engste Vertrauen gezogen, selbst der Fisch=junge vom Markte u. wer weiß sonst noch schienen von ihr benach=richtigt zu sein. Unter anderem sprach sie auch bereits die Hoffnung aus, dass die erste Frau eine goldene Uhr gehabt u. sie dieselbe nun bekom=men möchte! Die drei armen Kinder, die sie hinterlassen, scheinen aber gar nicht in Betracht zu kommen. Seit er hier ist, hat er ihr nun alles sehr schön vorgestellt; daß er Maria, die Vermitt=lerin, die ihm jetzt den Haushalt führt (sie war vorigen Winter Kinderfrau im Hause wo wir wohnten) als alte Freundin, im Hause behalten würde u. er außerdem noch ein Mädchen hielt u. so hat Ida dann auch schon erzählt, wie sie es machen würde: Maria müsse die Kinder besorgen, das Mäd=chen das Kochen u. sie würde in der Stube sitzen u. nähen. Als Ida mir gestern morgen mittheilte, daß sie ver=lobt sei, wünschte ich ihr natürlich Glück dazu, machte sie aber dabei, wie

[page 5 (sheet 3):]

es mein Gewissen mir vorschrieb, auf die Gefahr aufmerksam, die in ihrem innern Übel drohen möchte. Sie schien aber offenbar nichts davon hören zu wollen, hatte auch, wie ich sie befragte, ihrem Verlobten nichts von ihrer schwachen Gesundheit ge=sagt. Ich wasche also meine Hände in Unschuld. Ich bin nicht um Rath in dieser Sache gefragt u. habe folglich keine Verantwortung für ihre Zukunft. Leid ist es mir nun aber, da Ida für sich selbst entschieden hat, daß die Hochzeit erst in einem Jahr von jetzt an sein soll, denn mit den hochfahrenden Ideen, die Ida jetzt im Kopfe hat, werde ich wenig Gutes von ihr haben, zumal sie bereits hinter meinem Rücken über den [underline:] harten Dienst [/underline] (!) geklagt den sie hier habe. Wenn das wirklich so wäre, so würde sie sich gewiß nicht körperlich so erholt u. gekräftigt haben. In Wahrheit hat sie alle leichte, die Köchin alle schwere Arbeit zu thun, wenn über=haupt hier von schwerer Arbeit die Rede sein kann. Ich habe manchen Nutzen von Ida gehabt - sie hat mir bei den Umzügen sehr beigestanden u. mich in meiner Krankheit treulich gepflegt, im Ganzen aber, werde ich froh sein

[page 6 (sheet 4):]

sie los zu werden, denn sie ist in vieler Hinsicht ein Luxusartikel geworden u. habe ich leider auch Beweise, daß ihr Charakter nicht so gut ist, wie wir geglaubt haben. - Ich habe Zeit u. Papier mit diesem Gegenstand verschwendet, ich musste Dir aber doch einen ungefähren Begriff von dem beibringen, wie die Sachen in Bezug auf Ida stehen. Bayard, der einiges darüber ge=hört hat, hat ein paar mal dabei ausgerufen [roman:] "What a fool!" [/roman] (Was für ein Narr!) u. ich kann mich auch noch nicht von meinem Erstaunen erholen, wie ein Mädchen, die so ver=nünftig zu sein schien, plötzlich so überaus albern sein kann.

Ich schließe mit herzlichen Grüßen von Bayard u. Lilian, die beide eben zu Hause sind u. bitte Hans u. die lieben Kinder auch herzlich von mir zu grüßen. Gebe Gott, liebste Mutter, daß Du Dich wie=der ganz wohl fühlst!

Deine Dich innig liebende Tochter

Marie.


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