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Marie Taylor to Lina Hansen, March 31, 1876

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Author

Marie Hansen (Taylor)

Recipient

Lina Braun (Hansen)

Date

March 31, 1876

Origin

New York, New York

Description

Letter from Marie Taylor to Lina Hansen, March 31, 1876.

Type

letter

Language

German

Tags

1870-1879, mht, transcription under review

Source

Bayard Taylor Papers

Collection

Marie Hansen Taylor Correspondence

Repository

Houghton Library, Harvard University

Citation

“Marie Taylor to Lina Hansen, March 31, 1876.” Bayard Taylor Papers, Houghton Library, Harvard University, accessed from German Heritage in Letters, March 12, 2026, https://germanletters.org/items/show/1216

Original text

[page 1 (sheet 1, right-hand side):]

N.Y. 142. E. 18th St., März 31. 1876

Meine liebste Mutter!

Den allerbesten Dank für Deinen letzten lieben, pünktlich eingetroffenen Brief (vom 28. Febr.), dem ich es ansehen konnte, dass es Dir noch recht schwer geworden ist zu schreiben. Könnte ich doch wissen, daß es Dir nun wieder besser geht, daß Du Dich erholt hast! Ich warte recht sehnsüchtig auf Nachricht von Dir, nachdem die letzten so ungünstig ge=lautet haben. Ich fürchte auch, daß bei den schrecklichen Stürmen, die Ihr laut den Zeitungen während dieses Monats ge=habt u. die, besonders im März, stets schwache Konstitutionen übel beeinflussen, Dein Körper sich nicht besonders hat erholen können. Wie viel Sorge ich mir darüber mache, kann ich gar nicht sagen. Um Deinetwillen hoffe ich, dass nach all dem Unwetter (das auch wir hier den ganzen Monat durch gehabt) der Frühling nun nicht länger zögern, dadurch Du recht bald die freie frische Luft unbe=schadet genießen u. Dich in ihr stärken kannst. Ich wollte Dir schon zu Anfang dieser Woche schreiben u. den Brief mit dem Hamburger Dampfer schicken, allein ich musste ein paar Tage mich liegend verhalten u. dann gab es so viel dadurch aufgeschobenes zu besorgen, daß ich kaum zu Athem, viel weniger noch zum Brief=

[page 2 (sheet 2, left-hand side):]

schreiben kommen konnte. Wir sind alle drei jetzt überaus geschäftige Personen. Bayard geht jeden Vormittag gegen 11 Uhr fort an die Arbeit im [roman:] Tribune Office [/roman] u. kommt erst um 6 Uhr zurück. Zu Hause hat er dann seine Korrespondenz zu besor=gen u. solche literarische Arbeiten zu besei=tigen, die nicht unterlassen werden dürfen. Lilian ist seit den letzten paar Wochen völlig mit Schularbeiten überhäuft u. muß in der noch übrigen Zeit bis zum 14. Juni so viel als möglich sich an=strengen alles zu bemeistern, was zu ihrer Prüfung für die zweit-un=terste Klasse in Vassar erforderlich ist. Ich überwache sie ängstlich, um auf die ersten Anzeichen hin, daß ihre Gesund=heit unter so viel Kopfarbeit leidet, mein Veto einzulegen. Bis jetzt ist sie aber noch frisch u. munter. Es muß mir natürlich selbst viel daran liegen, daß sie das Examen für die zweit-unterste Klasse bestehen kann, da sie auf diese Weise ein Jahr über- springt u. der Kursus nur ein drei- an=statt ein vierjähriger für sie sein würde. Ich endlich bin auf vielfältige Weise im Hause u. außer dem Hause beschäftigt. Die Sorge für den Hausstand, die nöthigen Einkäufe die ich zu machen habe, die Garderoben, die ich für uns alle drei beschaffe, das Zuschneiden von Leibwäsche, von der ich jetzt eben einen neuen Vorrath einlege u. das Überwachen der Anfertigung derselben

[page 3 (sheet 2, right-hand side):]

giebt mir voll auf zu thun. Dazu kommt die Geselligkeit in der wir leben u. die, wenn auch noch so beschränkt, ihre An= sprüche an mich macht. Unsere Abende sind oft besetzt, auf die eine oder andere Art. Letzten Sonntag aß [roman:] Rohlfs [/roman] bei uns (der Afrika Reisende), der eben von [roman:] Californien [/roman] hierher zurückgekehrt war u. morgen mit dem nämlichen Dampfer nach Bremen abgeht, der diesen Brief mitnehmen soll. Er ist höchst be=friedigt von seinem Aufenthalt in Amerika, u. nimmt zu unserer Freude die besten Eindrücke mit fort. Heute Abend geben wir Lilian ihre zweite Gesellschaft im Laufe dieses Winters. Es Ist Freitag heut, sie hat also morgen keinen Schultag u. kann sich also morgen früh etwas länger ausruhen; denn für gewöhnlich muss sie um 9 Uhr zu Bette gehen, um sich die für ihre Kopf= arbeit nöthige Stärkung zu verschaffen. Ihre Freundin [roman:] Julia Vaux [/roman] erwarten wir schon diesen Nachmittag vom Lande. Sie logirt bei uns u. bleibt über Sonn=tag. - Ich schrieb Dir das letzte mal, dass sich Ida mit Heirathsgedanken trägt. Näheres kann ich Dir noch nicht mitthei=len, da der Plan seitdem nicht reifer geworden ist. Sie scheint zu erwarten, daß der Mann sich ihr in den nächsten Wochen vorstellt. Er ist ein Wittwer mit 3 Kindern u. hat einen Kramladen im Staate Main. Es ist eine merk=

[page 4 (sheet 1, left-hand side):]

würdige Geschichte u. ich bin neugierig was daraus wird.

Vor einigen Wochen haben wir uns alle impfen lassen, bis auf B., der sei=nen schlimmen Arm nicht vergessen hat. Es war nämlich ein Blatternfall im Hause vorgekommen. Ein Dienstmäd=chen in der oberen Etage der anderen Hausabtheilung bekam sie u. ist, nach=dem sie in ein Hospital geschafft worden daran gestorben. Durch angewandte Sorgfalt, ist jede Ansteckung verhütet worden. Ich bin zweimal nach ein=ander geimpft worden, ohne mehr Wirkung als vom Kratzen einer Nadel zu spüren. - Wenn das Wetter gut wird, beabsichtigen wir zu Ostern nach [roman:] Cedarcroft [/roman] zu gehen u. ein paar Tage zu bleiben. Unterwegs wollen wir uns die Ausstellungsgebäude in Phil.a ansehen. Und, denke Dir doch, Bayard ist zum Dichter der Festode am 4ten Juli er=nannt! Einige ältere Dichter, die ein Recht darauf hatten, haben es abgelehnt u. so ist ihm die Ehre zutheil geworden. Es ist eine hohe u. schwere Aufgabe, ich zweifle aber nicht, daß er sich derselben würdig entledigen wird. In Gedanken arbeitet er schon tüchtig daran. Ob denn wohl niemand von allen meinen Verwandten u. Bekannten zur Ausstellung herüber kommt? Ich hatte so sehr auf Wilhelm gehofft, aber noch immer höre ich nichts davon.

[page 5 (sheet 3):]

Es heißt, daß bereits alle Plätze auf den Dampfschiffen für den ganzen Sommer belegt seien u. man erwartet Schwärme von Europäern. Die ausländischen Kommissionen sind bereits in Phil.a häuslich eingerichtet u. die Ausstellung wird pünktlich An=fang Mai eröffnet, werden. Der Platz den man dazu erwählt hat, ist ein überaus schöner. Am 4ten Juli aber ist das eigentliche hundert=jährige Fest, wo die Unabhängig=keits-Erklärung vor allem Volk verlesen wird, wo öffentlich eine Festrede u. die Vortragung der Fest-Ode stattfindet. Doch möchte ich niemand rathen gerade zu dieser Zeit von Europa herüber zu kommen, weil um diese Zeit gewöhnlich die größte Hitze herrscht u. wer nicht daran gewöhnt ist, leicht darunter leiden würde. Die beste Zeit wäre bis Mitte Juni u. dann von Mitte August an. Ich glaube, ich habe das alles auch nach Gotha geschrieben.

Nun noch eine recht prosaische Frage, liebe Mutter. Wie lautet das Rezept zum [underline:] warmen Krautsalat [/underline], wie Du ihn immer machtest? Ich kann es

[page 6 (sheet 4)]

im [roman:] Dietrich [/rom] nicht finden, u. was Ida uns macht, ist lange nicht dasselbe, wie wir ihn immer zu Hause ge=gessen. Sei so gut u. schreibe mir es auf.

In den letzten Tagen haben meine Gedanken viel in wehen Erinnerungen gelebt. Es waren auch wehe Tage für Dich. Und doch ist es mir oft als wären wir nicht ganz vom lieben Vater getrennt: - ich sehe ihn so oft lebhaft vor mir. Es geht täglich hier ein alter Herr mit langem silberweißem Haar, das unter seinem Hut hervor= buscht, vor unseren Fenstern vorbei. Ich sehe nie das silberweiße Haupt, ohne des lieben Vaters zu gedenken.

Bayard u. Lilian senden herzliche Grüße. Grüße auch von mir Hans u. die lieben Kinder. Ida wünscht, dass ich Dir Empfehlungen ausrichte. Möchte ich bald gute Nachrichten von Dir erhalten!

Mit inniger Liebe

Deine Tochter

Marie


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