Robert von Xylander to Henry Villard, June 26, 1892, page 2 [left hand] and page 3 [right hand] - image of
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Hier sind wir zur Zeit durch das Schauspiel der Reise des Fürsten Bismarck um seine Familie beschäftigt; ein höchst eigenthüm= liches Schaustück.
Vorerst sind d. Zeitungen voll Enthzücken über das Auftreten des alten Herrn; ich nehme im Allgemeinen auch nicht übel, daß demselben gedenkt und wieder gedankt wird, für das was er, oder was die Verhältnisse durch ihn geleistet haben; aber unbedenklich ist das was der Alte bei diesem Anlasse an verschiedenen Orten gesagt hat, sicher nicht.
In München hat die Sache keine politische Bedeutung, mehreren Leithämmeln, aus verschiedenen Motiven und Gefühlsduseleien war es dort leicht, die Bevölkerung anzuregen; die Anstrengungen des Fürsten in Wien, besonders jene in der freien Presse wiedergegebenen, ist das Verhältnis zu Rußland abzugleichen u. schien mir aber geradezu ungeeignet und legen nahe, ob nicht doch weiteren solchen Anlässen entgegenzuwirken könne. Die ganze Reise des Fürsten entsprang aus dem Bedürfnis des Monarch gegen die Reise pp und dies war gerade vom Standpunkt des früheren Reichskanzlers aus ungehörig. Nur langsam wird das Spektakel ausklingen. -
Daß Du von Zipperlein geplagt warst, thut uns sehr leid; Emma klagt in ähnlicher Weise über den Goldfinger der linken Hand; sie mußte sich die Ringe abfeilen lassen da derselbe heftig an=
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geschwollen war; hoffentlich thut Euch beiden die Wärme gut, die hier zwar bis jetzt nur sporadisch auftrat, von Regenperioden unterbrochen. –
Was wird nun mit Harold? Wird er nach New York by Dobbsferry zurückkehren oder noch in Cambridge verbleiben? er soll nur tüchtig Bewegung machen, trinken und laufen, damit er recht kräftig wird, wo ihn das Leben packt. Sein berühmter Doktor spielt natürlich zur Zeit eine große Rolle; speziell in München, seinen Kollegen gegenüber, eine eigenthümliche Sache. –
Von diesseitigen Familiennachrichten kann ich aber nur mittheilen,
daß sich meines Bruders Heinrich älteste Tochter, Reserl, welche
mehrere Jahre eine unglückliche Liebe im Herzen trug, sich mit
ihren Schwager dem Bruder ihres Schwagers Schellerer, einem württen=
bergischen Lieutenant, verlobt hat; - im Übrigen ist Alles wohl auf.
Gl. Fleschnez hat seinen Abschied erhalten; er hat ebenfalls am See, in Schloß Berg seinen Sommeraufenthalt genommen und kamen wir viel mit ihm und seiner Familie zusammen.
Emma geht es im Ganzen gut; ihre Nerven beruhigen sich durch den ständigen Aufenthalt in der feinen Luft wieder mehr, wenn auch nur sehr allmälig. Für den Herbst haben wir eine Spritztour in die Pfalz vor; so von Mitte September ab, ich freue mich immer den schönen, grünen Rhein zu sehen; auch habe ich in der Pfalz roth Kreuz geschäfte.
