Robert von Xylander to Henry Villard, May 28, 1890, p. 1 [right-hand side] and p. 4 [left-hand side] - image of
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Karlsbad den 28. Mai 1890. Golden Harfe.
Lieber Heinrich!
Deinen lieben Brief vom 13. ds haben wir gestern erhalten und meiner längst gehegten Absicht ent= sprechend und da Emma erst vor Kurzem geschrieben beeile ich mich denselben zu beantworten.
Mit tiefem Leidwesen mußten wir Deinem Briefe entnehmen, daß Du so ernstlich geplagt bist, so viel Schmerzen auszustehen hast und so die Genüsse Deines schönen Sommeraufenthaltes Dir vergällt sind. Recht [?]begierung[/?] sind wir weiteres über dein Leiden der Blutungen zu hören. Was Du über die Folge deiner Harthörigkeit, die Heiserkeit der Stimme schreibst, ist mir aus eigener Erfahrung nur zu sehr bekannt; mit fortschreiten dieses Übels nimmt die Heiserkeit, oder vielmehr
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Thätigkeit; möge er sich etwas Urlaub gestatten; vielleicht führt ihn sein Beruf auch einmal nach Europa? Gleichwie in den Vereinigten Staaten findet er dann auch diesseits die eigenthümlichsten, um nicht zu sagen, die verrücktichsten Verhältnisse, wohin man schaut, alles anormal, in Gährung und zu Lösungen drängend, die von wenigen Jahren noch als unmöglich galten; ein interessantes Bild bietet England im Taumel seines Siegesrausches, während die Kräfte rasch vorschreiten, die ihm und seinem Weltreich das Ende bringen werden.
Übermorgen werden wir nach dreiwöchentlicher Kur nach München zurückkehren; im Juni dortselbst verbleiben und am 1 Juli nach Reuth gehen, wieder Emma, die Euch Allen die besten Grüße sendet, Näheres berichten wird. Mich erwartet in München viel Arbeit für das Rothe Kreuz; auch in Reuth werde ich viel zu thun haben, da ich im Herbst, nach meinem 70. Geburtstag, meine Beziehungen zur freiwilligen Krankenpflege, lösen werde! Alles muß ein Ende haben! auch möchte ich meine Tageblätter für die Familienchronik zusammenstellen!
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Mit den herzlichsten Grüßen an alle Lieben den besten Wünschen für baldige Besserung! Dein dankbar ergebener Schwager Robert
