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Montag Nachmittag. d. 11/5.
Liebe Geschwister!
Die letzten Grüße Eurer Lieben, - sollen Euch noch in Europa erreichen, - u. so beeile ich mich denn noch heute ein paar Zeilen an Euch nach Frankfurt zu richten damit Ihr sie noch sicher dort erhaltet, - denn ich habe Euch eine Nachricht mitzutheilen die namentlich für Dich Heinrich, sehr erfreuend u. beruhigend sein wird. - Tante, hat eine Wohnung, welch' großes Wort! u. zwar in der Maximilianstraße No. 16/1 dicht neben dem Café Lorenz, - das erste von den Häusern, - nach dem Café Lorenz, - die so zurückstehen, - sie sieht aus ihrem hintern Zimmer in Frida's Garten, - u. ist so nahe bei deren Wohnung, - daß sie hinüber sprechen kann. - Die Wohnung war heute Morgen in den Neusten Nachrichten; um 16 Uhr, ging ich mit Frida hin sie ansehen, - u. da sie uns sehr gefiel, - lief ich dann zu Tante, - setzte mich mit ihr in eine Droschke
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Bei Tante ist es natürlich seit Ihr fort seid, viel stiller geworden, - doch hat sie nun mit den Zurüstungen für den Rosenheimer Aufenthalt viel zu thun, - u. so vergeht ihr die Zeit rasch; Samstag Abend, - war ich mit Frida dort, - gestern aßen wir u. abermals Frida, - deren Strohwittwenschaft erst heute zu Ende geht, - bei Tante zu Mittag, u. blieben auch den Abend dort; - auch Bauer's kamen noch u. bedauerten sehr Euch nicht mehr gesehen zu haben, - er, - war wieder etwas unwohl gewesen. - Freitag Abend, - war Tattenback zum Thee bei uns, - u. erzählte uns noch schweren Herzens von dem Abschiede an der Bahn; er ist empört, - daß Ihr keine Photographien für ihn dagelassen. -
In dem Familienkreise hat sich weiter nichts ereignet; Julius war gestern in München bei Tante, - u. erzählte ihr, daß er nächsten Sonntag auf 8 Tage nach Berlin geht; er begleitet Großmutter dahin, - die auf 2 Monate, zu einer dort lebenden Freundin zu reisen, - sich entschlossen hat. -
Wir haben fortwährend sehr heiß, - u. man glaubt sich schon in den Hochsommer versetzt. -
